Immobilien : Vom Busbahnhof zum Rosenhof

Großbaustelle in Zehlendorf: Einstiges Betriebsgelände der BVG wird zu einer anspruchsvollen Wohnanlage für ältere Menschen

Christian van Lessen

Mitten in Zehlendorf liegt ein fast unbekanntes Gebiet – das große freie Areal zwischen Winfried-, Sundgauer- Berliner- und Schlettstadter Straße. Es ist so ausladend, dass gut und gern ein kleines Städtchen hier Platz finden könnte. Das von Wohnhäusern umrahmte Gelände gehörte bis zum letzten Frühjahr den Verkehrsbetrieben. Wer aufs Grundstück durfte, musste ein markantes Torgebäude passieren und stand vor geparkten Bussen, vor Reparaturhallen und vor allem, was für die Pflege und Unterhaltung von BVG-Fahrzeugen so nötig ist. Für Menschen gab es einen Tennisplatz.

Aus dem alten Busbahnhof wird nun der neue Rosenhof, eine anspruchsvolle Seniorenwohnanlage. Rund 200 Bauleute sind am Werk. Das Torgebäude ist abgerissen, an Busse und Hallen und eine Tankstation erinnert nichts mehr. Inmitten einer Schlammwüste sind Rohbauten hochgezogen, in atemberaubend kurzer Zeit, ungewöhnlich für Berlin. Hier ist eine der größten Baustellen der Stadt entstanden. Erst im Frühsommer waren der symbolische Spatenstich und die Grundsteinlegung gefeiert worden.

Wenn es bei den milden Temperaturen bleibt, kann schon im Frühjahr das Richtfest gefeiert werden. Erste Mieter sollen Mitte August einziehen, die offizielle Eröffnung ist im Herbst geplant.

Die Rosenhof-Gruppe, in Berlin seit 1999 in Mariendorf vertreten, errichtet auf dem 59 000 Quadratmeter großen Gelände ihre mittlerweile elfte Seniorenwohnanlage mit 391 Appartements. Sie will das gesamte Areal, das derzeit noch so wüst und ungeordnet wirkt, parkähnlich gestalten und als Blickfang einen großen Naturteich anlegen. Ein grünes Idyll wird versprochen. Im Bau, entworfen vom Hamburger Architekturbüro Gaedeke, ist ein vierstöckiger Komplex mit einem aufgesetzten Sockelgeschoss, er hat die „Flügelform“ eines „klassischen Grandhotels“, wie der Bauherr sagt. Rosenhof-Direktor Jörg M. Gocht selbst kommt aus dem Hotelgewerbe, sein Rosenhof wird ein hotelartiges Foyer haben und auch sonst an noble Herbergen erinnern.

Die Wohnungen sind überwiegend nach Süden ausgerichtet. Der Blick geht auf den Teich, der bisher nur aus Sandhaufen besteht. Ein Gebäude mit 40 „normalen“ Wohnungen ist am Rand des Projekts geplant, es soll demnächst im Bereich der Winfriedstraße errichtet werden. Etwa dort, wo die Tordurchfahrt für Busse war. Hier steht auch das Vermietungsbüro, in dem unter anderem ein Musterbad aufgebaut ist. Gocht freut sich, dass ständig Leute vorbeikommen, um zu erfahren, was auf dem Gelände geplant ist. Das Interesse ist groß, was sich bereits am Vermietungsstand zeigt. Gut 2600 Anfragen hat es schon gegeben, rund 150 Verträge wurden bereits unterzeichnet, 70 künftige Mieter kennen sogar schon ihre künftige Zimmernummer im neuen Rosenhof.

„Wir zielen nicht auf die Klientel, die ausschließlich in Grunewald wohnt“, sagt Gocht. Altersgrenzen nennt er nicht. Die Jüngsten, die einziehen wollen, sind 60 Jahre alt, als idealer Bewohner gilt der über 65-Jährige. An einem gewissen finanziellen Rückhalt – da macht der Rosenhof-Direktor keinen Hehl draus – sollte es den Mietern nicht fehlen, ab 1280 Euro im Monat geht es los. Der Preis versteht sich inklusive Service, zu dem auch ein Mittagessen mit mehrgängigen Menüs gehört. Die kleinsten Appartements sind knapp über 30 Quadratmeter groß, die größten bis zu 108 Quadratmeter für drei Zimmer. Geboten werden Balkon, Terrasse, Einbauküche, komfortables Bad. Von einer „Miete“ will der Direktor nicht sprechen, eher von monatlichem Entgelt, weil viel zusätzlicher Service geboten wird. Die eigentliche Miete selbst soll immer auf der Höhe bleiben, die sie beim Einzug des Bewohners hatte.

Die Mieter sollen es so bequem wie möglich haben, sich wie in einer kleinen Stadt fühlen, mit Geschäften, einem Restaurant, einer Arztpraxis. Es wird eine Apotheke geben, eine Bankfiliale, einen Friseur. Auch eine Konditorei, ein Café, ein Musikzimmer, eine Bibliothek. Tiefgaragen werden auch gebaut, denn viele Bewohner ziehen mit dem Auto ein.

Der Rosenhof werde sich nicht verbergen, sondern die Stadt einladen, kulturelle Veranstaltungen soll es geben. Auch ein Schwimmbad mit Wellness-Bereich ist vorgesehen, zumindest das aber bleibt den Bewohnern des Rosenhofs vorbehalten. Auch will man dem künftigen Bad „Zehlendorfer Welle“ an der Clayallee keine Konkurrenz machen.

Gocht ist stolz, dass der Rosenhof das Rennen um die BVG-Immobilie gewonnen hat. Im letzten Jahr sah es zunächst so aus, als bekäme ein Einkaufszentrum oder ein Baumarkt den Zuschlag. Die BVG verhandelte mit dem Centerbetreiber ECE. Es gab schnell Proteste von Zehlendorfer Händlern gegen ein mögliches Shoppingcenter. Das Bezirksamt machte deutlich, dass es ein Handelszentrum nicht genehmigen wird. Auch, um dem Einkaufsgebiet Zehlendorf-Mitte nicht zu schaden. „Der Rosenhof passt in den Ortsteil“, sagt Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). Es konnte schnell gebaut werden, weil ein Bebauungsplanverfahren nach Auskunft des Stadtrats unnötig war.

Angaben zur Investitionssumme werden vom Rosenhof nicht genannt. Dafür wird aber gern auf die Zahl der künftigen neuen Arbeitsplätze – 130 – hingewiesen. Es kommt also in wenigen Monaten viel zusätzliches Leben in die Zehlendorfer Mitte. Dann kann von einem weithin unbekannten Gebiet keine Rede mehr sein.

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