Immobilien : Von Besitz ergreifender Art

Efeu ist ein anspruchsloser Selbstklimmer, der nicht nur Hauswände schmückt, sondern auch Innenräume

Tassilo Wengel

Mit seiner einnehmenden Art erobert der Efeu alles, was ihm einen Halt bietet: Mauern, Zäune, Hauswände, Pergolen oder Bäume. An alten Bauwerken oder Ruinen geben oftmals jahrhundertealte Efeustöcke ein Beispiel auch für seine Dauerhaftigkeit. Findet er keine Klettermöglichkeiten, kriecht er auf dem Boden bis in lichtarme Gartenwinkel und bildet dort dichte Teppiche. Auch zur Winterzeit behält der Efeu sein Blattwerk und bietet damit unzählige Verwendungsmöglichkeiten, beispielsweise auch als Zimmerpflanze.

Zur Gattung Efeu (Hedera) gehören sieben Arten, die in Europa, Nordafrika und Asien ihre Heimat haben. Die weitaus größte Bedeutung im Sortiment hat der heimische Gemeine Efeu (Hedera helix), der vor allem in Buchen-, Eichen- und Auenwäldern wild vorkommt und häufig mit seinen Haftwurzeln an den Bäumen oder Felsen emporklettert. Die Form und Größe seiner Blätter ist sehr variabel und bot über Jahrhunderte die Möglichkeit, durch Auslese ein umfangreiches Sortiment mit vielfältigen Blattformen und -farben zu schaffen. Inzwischen sind über 500 Sorten vorhanden, die sich in ihrer Vielfalt von groß- und kleinblättrigen, solchen mit runden pfeil- oder herzförmigen, aber auch gelb-, weiß- oder hellgrün panaschierten Blättern unterscheiden.

Was die Eigenschaften betrifft, so gibt es große Unterschiede, weshalb die Auswahl mit Bedacht erfolgen sollte. Das gilt vor allem für die Wuchskraft, Wuchsform und Sonnenverträglichkeit. Auch die Winterhärte ist unterschiedlich und reicht von sehr gut bis ungenügend.

Besonders unter den buntlaubigen oder schön gezeichneten Sorten gibt es einige mit ungenügender Winterhärte, die sich vor allem als Zimmerpflanzen eignen und in Ampeln oder am Spalier den Raum schmücken. Auch der Zimmerefeu benötigt kaum eine Kletterhilfe. Als Selbstklimmer sucht er mit seinen Haftwurzeln festen Halt. In Räumen, in denen man den Efeu nicht unkontrolliert wachsen lassen möchte, sollte er mit Drahtgestellen in Form gehalten werden.

Für das Freiland lassen sich aus der Fülle der Sorten einige wertvolle empfehlen, die sich außerdem durch eine sehr gute bis gute Winterhärte auszeichnen.

Sorten mit kräftigem Wuchs bedecken schnell größere Flächen und eignen sich hervorragend zum Beranken von Wänden. Das gilt zum Beispiel für „Baltica“ (Blätter dunkelgrün), „Gruno“ (Blätter dunkelgrün, Blattnerven heller, Rand gewellt), „Sulphurea“ (Blätter grün bis gelbbunt) und „Woerner“ (sehr große Blätter mit hellen Adern). Für Mauern, niedrige Balustraden oder Pergolen eignen sich schwächer wüchsige Sorten wie „Shamrock“ (Blätter grün, tief eingeschnitten), „Tricolor“ (Blätter graugrün Rand elfenbeinfarben und rosa), „Walthamensis“ (Blätter dunkelgrün, fünflappig, Blattnerven heller).

Um schnell eine Gartenfläche mit Efeu bewachsen zu lassen, empfehlen sich Sorten wie „Aureovariegata“ (Blätter dreieckig, gelb-weißbunt), „Donerailensis“ (Blätter grün, im Winter rotbraun), „Glacier“ (Blätter silbergrau mit weißem Rand, gefleckt), „Hestor“ (wächst sehr schnell und dicht, Blätter hell- bis dunkelgrün), „Normandy Carpet“ (wächst sehr schnell und dicht, Blätter hell- bis dunkelgrün). Die Sorte „Buttercup“ (Blätter gelbgrün bis blassgrün) eignet sich auch für volle Sonne und bildet dann besonders schöne gelbe Blätter.

Einige Sorten weichen in ihrem Wuchs erheblich von den üblichen Vorstellungen ab. So bildet „Arborescens“ einen runden, grünen Strauch von einem Meter Höhe und schmückt sich im Oktober bis November mit grünlich gelben Blüten. Später entwickeln sich kleine schwarze Beeren, die in der Floristik gern Verwendung finden. Eine niedrige Strauchform zeigt auch „Arbori Purple“. Die grünen Blätter färben sich im Winter purpur, und von Juli bis September erscheinen an der Pflanze weißgrüne Blüten.

An den Standort stellt der Efeu keine besonderen Ansprüche. Er gedeiht in Sonne und Schatten gleichermaßen gut. Jeder Gartenboden ist geeignet, wenn er nicht versauert ist oder unter Staunässe leidet. Besonders gut wächst Efeu auf durchlässigen, humosen Böden mit einem leicht alkalischen pH-Wert zwischen sechs und sieben, weshalb sich häufig vorhandener Mörtelschutt im Untergrund von Mauern positiv auswirkt. Schwere Böden lassen sich durch Beimischung von Kompost oder Laubhumus leicht verbessern. Soll der Efeu eine Fläche schnell bewachsen, benötigt er ausreichend Nahrung. Gute Komposterde, die im Frühjahr auf die Pflanzstelle gebracht wird, ist als zusätzliche Nährstoffquelle ausreichend. Wächst die Pflanze zu üppig, ist ein Rückschnitt grundsätzlich zu jeder Zeit möglich. Ein kräftiger bis radikaler Rückschnitt sollte allerdings nur im zeitigen Frühjahr vor dem Austrieb erfolgen.

War früher die Meinung vorherrschend, der Efeu schädigt Putz und Mauerwerk, zieht Ungeziefer sowie Feuchtigkeit an und bringt sogar Bäume zum Absterben, haben sich heute andere Erkenntnisse durchgesetzt. Danach entziehen die Wurzeln des Efeus dem Boden Feuchtigkeit und halten das Fundament trocken, sein dichtes, immergrünes Blattwerk verringert die Wärmeabstrahlung von Hauswänden, hilft Energie sparen und schützt Wände vor Witterungseinflüssen. Allerdings ist ein intakter Putz wichtig, denn die Wurzeln des Efeus dringen leicht in alle Ritzen und Fugen ein.

Die Vermehrung erfolgt durch Stecklinge vom Frühjahr bis zum Sommer. Man schneidet junge Triebe in Teile mit fünf bis zehn Blättern, entfernt die untersten Blätter und steckt sie in einen Blumentopf mit einer Mischung aus Torfmull und Sand zu gleichen Teilen. Am schattigen Standort aufgestellt und gleichmäßig feucht gehalten, bilden sich bald Wurzeln, so dass die jungen Pflanzen schon im Spätsommer an den endgültigen Platz gepflanzt werden können.

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