Immobilien : „Von einer Schieflage ist mir nichts bekannt“

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Bei der Wohnungsbaugesellschaft Gehag kam es zu Hausdurchsuchungen wegen des Prominentenfonds von Gehag und Landesbank Berlin (LBB). Sie waren damals Gehag-Chef. Wie kam es zur Fonds-Schieflage und dem umstrittenen Rettungsmanöver.

Die Gehag hat damals mehrere Fonds als Gründungsgesellschafter mit aufgelegt, einige davon zusammen mit der LBB. Mir ist nicht bekannt, dass einer dieser Fonds, auch nicht der Gehag 12, in die Insolvenz gegangen wäre. Soweit es den Bereich der Bank betrifft, müssen Sie das jedoch die Bank fragen.

Die wirtschaftlichen Probleme des Fonds im Jahr 1997 waren Ihnen nicht bekannt, obwohl es fast zum Rechtsstreit zwischen LBB und Gehag kam wegen Baumängeln?

Es gab keinen Rechtsstreit. Es gab aber Gespräche unter anderem wegen Baumängeln und deren Beseitigung. Das ist aber bei Bauvorhaben häufig der Fall und nichts Ungewöhnliches. Im Übrigen hat die Gehag die Fondsimmobilie lediglich eine gewisse Zeit verwaltet. Später übergab sie die Verwaltung an die Landesbank auf deren Wunsch.

Laut Staatsanwaltschaft gab es bereits 1997 Diskussionen darüber, die prominenten Anleger für die Schieflage des Fonds haften zu lassen. Diese lehnten das ab, und die Bank musste die Zeche zahlen. Wie kam es dazu?

Mir ist davon nichts bekannt. Dies müssen Sie die Bank fragen. Die Finanzierung der Wohnanlage erfolgte mit Hilfe öffentlicher Fördermittel auf dem so genannten zweiten Weg. Aber es gab Schwierigkeiten, ausreichend Mieter zu den kalkulierten Mietpreisen zu finden. Daraufhin haben die zuständigen Mitarbeiter von LBB und Gehag lange darüber diskutiert, ob man geringere Mieten verlangen kann, damit die Wohnungen nicht länger leer stehen. Dazu kam es dann auf Drängen der Gehag auch schließlich.

Sie wussten also nie etwas von der Schieflage?

Nein.

Die Immobilie aus dem Prominentenfonds musste die Gehag laut Staatsanwaltschaft zu einem überhöhten Preis erwerben. Haben Sie sich für diese Rettungsmaßnahme eingesetzt?

Nein. Ich habe mit dem Vorgang nichts zu tun gehabt. Der Kauf erfolgte nach meinem Ausscheiden aus dem Vorstand der Gehag. Ich war zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr Abgeordneter im Parlament.

Sie schieden 1999 aus der Gehag aus - weil ihr bevorzugter Käufer nicht zum Zuge kam?

Nein, ich war Vorstandsvorsitzender der Gehag und verkauft wurde das Unternehmen von deren Anteilseignern, also vom Land Berlin und der Deutschen Angestellten Gewerkschaft.

Einer der Kaufinteressenten der Gehag soll Ihnen ein lukratives Angebot gemacht haben für den Fall, dass Sie ihn unterstützen: Geld und einen Posten. Ist das richtig?

Ich war Vorstand der Gehag vor dem Verkauf und blieb es danach. Ein Angebot über Geld oder einen Posten ist mir nicht bekannt. Ich habe ja nicht mit den Bietern verhandelt. Dies war Sache der Anteilseigner.

Die Fragen stellte Ralf Schönball

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