Immobilien : Von Zwergen und Riesen

Johanniskraut gibt es in den unterschiedlichsten Wuchshöhen – vom Bodendecker bis zum Strauch

Tassilo Wengel

Seit Jahrhunderten ist das Johanniskraut (Hypericum) bekannt. Besonders eine Art, nämlich Hypericum perforatum wurde und wird als Heilpflanze genutzt. Denn die Inhaltsstoffe werden für Arzneien verwendet, die unter anderem zur Wundheilung gegen Entzündungen, aber auch bei der Bekämpfung von Depressionen eingesetzt werden. Hypericum perforatum ist eine weit verbreitet vorkommende, krautige Pflanze, die bis zu 60 Zentimeter hoch werden kann und an trockenen, sonnigen Standorten wächst. Ihr botanischer Name weist auf den Blühtermin hin: „Johanni“ am 24. Juni. Um diese Zeit entfaltet das Kraut seine leuchtend gelben Blüten. Die kugeligen Sekretbehälter an den Blättern erwecken bei hindurch scheinendem Licht den Eindruck, als seien sie durchlöchert, worauf sich der Artname „perforatum“ bezieht. Verreibt man Blüten oder Knospen des Krauts, tritt eine violette Verfärbung auf, die durch die Inhaltsstoffe der Pflanze verursacht werden.

Zur Gattung Hypericum gehören etwa 400 Arten, die in den gemäßigten und subtropischen Gebieten der Nordhalbkugel verbreitet sind. Sie wachsen als Stauden oder Halbsträucher, teilweise auch als Sträucher und gehören zur Familie der Clusiaceae. Für den Gartenfreund sind zahlreiche schöne Arten interessant, die als Bodendecker oder Solitärsträucher geschätzt werden..

Staubgefäße wie Pinsel

Bereits im Mai öffnet das Zwergjohanniskraut (Hypericum olympicum ssp. minus) seine Blüten. Es wird auch unter dem Namen Hypericum polyphyllum angeboten. Es ist in Kleinasien zu Hause und wird etwa 15 Zentimeter hoch. Die reich beblätterten Stängel liegen teilweise auf dem Boden oder stehen aufrecht. Sie tragen am Ende dichte Trugdolden mit zahlreichen goldgelben Blüten. Sie öffnen sich von Mai bis Juni und haben einen Durchmesser von fünf Zentimetern. Sehr wirkungsvoll sind die zahlreichen, wie kleine Pinsel wirkenden Staubgefäße. Durch Auslese entstand unter anderem die hellgelb blühende Sorte ,Schwefelperle‘. Sie bleibt mit nur zehn Zentimetern Höhe kleiner als die Art, hat aber größere Blüten. Das Zwergjohanniskraut eignet sich besonders gut für Steingärten oder Trockenmauern.

Auch das Dreigriffelige Johanniskraut (Hypericum cerastoides), das in Süd-Bulgarien, Griechenland und der nordwestlichen Türkei vorkommt, bevorzugt steinige Plätze. Es bildet mit seinen Trieben etwa 30 Zentimeter hohe Teppiche. Die Blätter sind länglich bis oval, fein behaart und bis drei Zentimeter lang. Die leuchtend gelben Blüten haben einen Durchmesser von zwei bis vier Zentimetern und erscheinen von Juni bis Juli. Die Staude ist anspruchslos und gedeiht problemlos an sonnigen bis halbschattigen Stellen, wenn der Boden gut wasserdurchlässig und leicht sauer ist.

Vor allem als Bodendecker ist das Schattenjohanniskraut (Hypericum calycinum) zu empfehlen. Seine Heimat ist Südosteuropa, wo es als immergrüner Halbstrauch vor allem in Buchenwäldern anzutreffen ist. Die Art breitet sich durch unterirdische Ausläufer rasch aus und bildet dichte Teppiche von etwa 30 Zentimetern Höhe. Die derben, länglich bis elliptischen Blätter sind grün und bis zehn Zentimeter lang. In strengen Wintern sterben sie ab. Doch die Pflanze treibt nach Frostschäden oder einem Rückschnitt wieder aus.

Von Juli bis September erscheinen in unterbrochener Folge an den Triebenden die goldgelben Blüten. Sie sind schalenförmig und erhalten ihren besonderen Reiz durch die drei Zentimeter langen Staubgefäße mit roten Staubbeuteln. Diese Art gedeiht am besten auf mäßig nährstoffreichen, sandig-lehmigen bis lehmigen Böden und ist empfindlich gegenüber Staunässe. Es eignet sich zum schnellen Begrünen von vorwiegend lichtschattigen bis halbschattigen Standorten.

Unermüdlich blüht von Juni bis Oktober Hypericum x moserianum, eine kleine wintergrüne Hybride, von höchstens 70 Zentimetern Höhe. An den Enden der übergeneigten Triebe entfalten sich große Schalenblüten, die einen Durchmesser von sechs Zentimetern erreichen können. Sie stehen in Büscheln von acht Blüten zusammen und haben eine goldgelbe Farbe. Die Pflanze ist resistent gegen Hitze und Trockenheit, allerdings frostempfindlich. Doch nach Frostschäden treibt sie wieder neu aus.

Auch das Duftlose Johanniskraut (Hypericum x inodorum) kann mit einer langen Blütezeit aufwarten. Dieser wertvolle Kleinstrauch, der wild vom Kaukasus bis Südosteuropa wächst, erreicht eine Höhe von gut 60 Zentimetern. Die Triebe sind dünn und überhängend. An ihnen entwickeln sich schmale, ovale, bis fünf Zentimeter lange Blätter. Die kleinen, nur knapp drei Zentimeter Durchmesser erreichenden Blüten sind sternförmig und sitzen zu vielen in Büscheln am Ende der Zweige. Neben der Art sind einige Sorten im Angebot: ,Rheingold‘ mit größeren Blüten und ,Elstead‘ mit scharlachroten Früchten. Die Pflanze gedeiht im Schatten höherer Bäume. Der Boden sollte leicht, also sandig-humos bis sandig sein.

Aufrecht wachsender Strauch

Sehr attraktiv ist das Forrests Johanniskraut (Hypericum forrestii), das aus den chinesischen Provinzen Yunnan und Westsichuan stammt. Es ist auch unter dem Namen Hypericum patulum var. henryi im Handel bekannt. Diese sommergrüne Pflanze erreicht eine Höhe von 150 Zentimetern und ist dicht verzweigt. Anfangs straff aufrecht wachsend, stehen die runden Zweige später waagerecht oder neigen sich über. Die bis zu sechs Zentimeter langen Blätter überraschen im Herbst mit einem Farbenspiel in leuchtendem Rot und Orange. Von Juli bis August schmückt das Gehölz goldgelbe, becherförmige Blüten mit einem Durchmesser bis zu vier Zentimetern. Sie stehen am Ende der Triebe in Büscheln – teilweise bis zu 20 Einzelblüten – zusammen. Der Standort soll sonnig sein, der Boden frisch bis feucht, nährstoffreich und sandig-humos. Die Pflanze ist empfindlich gegen Kalk und gedeiht am besten auf einem Boden mit neutralem bis leicht saurem pH-Wert.

Seit 1920 wird die Sorte ,Hidecote‘ in England kultiviert. Diese wintergrüne, buschig wachsende Pflanze erreicht eine Höhe von 175 Zentimetern. Die leicht überhängenden, braunen Zweige tragen bis sechs Zentimeter lange dunkelgrüne Blätter mit bläulicher Unterseite. Von Juni bis Oktober erscheinen in ununterbrochener Folge die zahlreichen leuchtend gelben Schalenblüten. Die Pflanze kann im Frühjahr kräftig zurückgeschnitten werden. Der Standort sollte sonnig bis halbschattig sein, der Boden sandig-lehmig bis lehmig und schwach sauer bis alkalisch.

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