Immobilien : Vor der großen Entscheidung

Viele Fehler bei der Immobilienfinanzierung sind leicht vermeidbar.

So sorgfältig sich viele Bundesbürger über Guthabenzinsen und Tagesgeldkonten informieren, so sehr sollten sie sich beim Immobilienkauf auch mit Kreditkonditionen und Finanzierungsmöglichkeiten befassen. „Bei der Immobilienfinanzierung lassen sich im Laufe der Schuldenrückführung mehrere tausend Euro sparen – wenn man zu Beginn die richtigen Weichen stellt“, sagt Manfred Hölscher, Leiter des Bielefelder Baugeldvermittlers Enderlein. Er hat die häufigsten Fehler zusammengetragen und gibt Tipps, wie sie sich ohne großen Aufwand vermeiden lassen.

ZINSFALLE

„Obwohl die Kreditzinsen gerade im schwankenden Marktumfeld manchmal um mehr als 1,5 Prozentpunkte differieren, verlassen sich immer noch viele Kreditnehmer einzig auf das Angebot der Hausbank oder vertrauen der erstbesten Empfehlung“, warnt Hölscher. Das kann teuer werden. Aktuell kostet der günstigste Kredit mit zehnjähriger Zinsbindung laut Enderlein 2,34 Prozent. Beim teuersten Anbieter, einer Bank, müssen Kreditnehmer für dasselbe Darlehen 4,95 Prozent Zinsen zahlen – was sich bei einem 100 000-Euro-Kredit in zehn Jahren auf weit über 10 000 Euro summieren kann.

KEINE KREDITVARIANTEN 

Ein günstiger Zins macht jedoch auf Dauer keine gute Immobilienfinanzierung. Laut Baugeldvermittler Enderlein sollten Immobilienkäufer Darlehen so wählen, dass es den eigenen Bedürfnissen nach Sicherheit oder eben Flexibilität gerecht wird. „Ein Selbstständiger hat andere Bedürfnisse und Planungshintergründe als ein Familienvater oder ein Rentner, der eine Stadtwohnung kaufen möchte“, erklärt Hölscher. Es sei ein Fehler, sich nicht zumindest mit Kreditvarianten wie Familiendarlehen, variablen Krediten oder Darlehen mit langen Laufzeiten beschäftigt zu haben.

KEIN PLAN

Noch immer wollen viele Immobilienkäufer mit Standardtilgung von einem Prozent starten. Das ist gerade im jetzigen Zinstief viel zu wenig und verlängert die Gesamtlaufzeit des Kredites auf über 40 Jahre. Kreditnehmer sollten sich verschiedene Tilgungspläne erstellen lassen. So sehen sie, wie sich die Monatsrate bei einer höheren Tilgung verändert und wie lange das Abbezahlen tatsächlich dauert.

ZU KURZE LAUFZEITEN

Lange Zinsbindungen werden zu wenig in Betracht gezogen. Die Aufschläge für lange Zinsbindungen sind aktuell sehr gering. So gibt es Kredite mit 15 Jahren Zinsbindung zum Beispiel ab rund 2,91 Prozent. Damit kosten diese Kredite, die mehr Planungssicherheit bieten, nur unwesentlich mehr als klassische Zehn-Jahres-Finanzierungen.

„Gerade wer mit wenig Eigenkapital finanziert oder niedrig tilgt, sollte Langläufer wählen“, empfiehlt Hölscher. Wer hier auf kurze Laufzeiten setzt und auf dauerhaft niedrige Zinsen hofft, riskiert bei fehlender Liquidität die komplette Immobilie.

HOHE ANSPRÜCHE

Fußbodenheizung, edle Armaturen, hochwertigere Fenster: Immobilienkauf und Hausbau sind lange geplant, und viele wollen keine Zugeständnisse machen. Das treibt den Kaufpreis in die Höhe. Sicher kann heute durch das Zinstief die Kreditsumme problemlos um 50 000 oder 100 000 Euro höher ausfallen als zu Zeiten, in denen die Kreditzinsen bei sechs Prozent gelegen haben.

Dennoch sollten sich Kreditnehmer nach Angaben des Baugeldvermittlers Enderlein Platz zum Atmen lassen. Die Monatsrate für den Kredit sollte 30 bis 50 Prozent des Monatsnettoeinkommens nicht übersteigen.

Vorsicht: Wer selbst baut, darf sich zudem nicht zu viel Muskelhypothek zutrauen. Im Normalfall sind durch Eigenleistungen maximal fünf bis zehn Prozent der Finanzierungssumme darstellbar. Tsp

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