Vorsorge für den Urlaub : Schlüssel beim Nachbarn hinterlegen

Was wird mit einer Immobilie, wenn Mieter oder Vermieter auf Reisen sind? Obhutspflichten gelten auf jeden Fall auch während einer Abwesenheit.

von
Starkregenfälle und Rohrbrüche können Wohnungen schnell unter Wasser setzen. Gut beraten sind jene, die für ihre urlaubsbedingte Abwesenheit einen Plan B haben.
Starkregenfälle und Rohrbrüche können Wohnungen schnell unter Wasser setzen. Gut beraten sind jene, die für ihre urlaubsbedingte...Foto: PantherMedia / vicnt2815

Wenn es in den Urlaub geht, steht nicht nur die Frage an, wer die Blumen gießt und auf das Haustier aufpasst. Auch die sogenannten Obhutspflichten sind berührt – wer kümmert sich um die Immobilie in Urlaubszeiten, wer ist möglicherweise dazu sogar rechtlich verpflichtet. Eigentümerschutzverbände wie Haus & Grund Deutschland und der Immobilienverband Deutschland (IVD), der vor allem Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständige in seinen Reihen hat, überbieten sich in diesen Wochen gegenseitig mit Urlaubschecklisten. Welche Rechte und Pflichten müssen – oder sollten – Mieter und Vermieter auch während ihrer Abwesenheit im Auge behalten bzw. vor einem Urlaub bedenken? Hier die wichtigsten Merkpunkte:

Schlüsselgewalt

Grundsätzlich hat der Mieter für Zeiten seiner Abwesenheit Vorsorge zu treffen, er ist der unmittelbare Besitzer. Wer in den Urlaub fährt, sollte einen Wohnungsschlüssel also bei Nachbarn, Angehörigen oder Freunden hinterlegen – und das seinem Vermieter mitteilen. Denn im Notfall wie einem Wasserrohrbruch oder Brand muss es dem Vermieter möglich sein, in die Wohnräume zu gelangen. Darauf weist der IVD hin. Mieter haben eine sogenannte Obhutspflicht für die Wohnung, diese gilt auch während ihrer Abwesenheit.

Das bedeutet: Sie müssen dafür sorgen, dass die Wohnräume keinen Schaden nehmen beziehungsweise im akuten Notfall der Vermieter handeln kann. Hat er keinen Schlüssel und ist ihm keine Vertretungsperson bekannt, kann sich ein Recht zur Notöffnung der Wohnung nur unter bestimmten Umständen und im Ausnahmefall ergeben.

Wenn ein Schadensfall an einer benachbarten Wohnung bevorsteht oder bereits eingetreten ist, kann bzw. muss die Wohnung zu Reparaturzwecken, zum Beispiel bei einem Wasserrohrbruch hilfsweise auch zwangsweise geöffnet werden. Die Kosten sind dann bei Verschulden des Mieters oder Zurechnung des Schadens zu seinem Verantwortungsbereich vom Mieter zu tragen. Dies jedenfalls sagt Annett Engel-Lindner, Rechtsanwältin Miet- und Wohnungseigentumsrecht sowie Fachreferentin Immobilienverwaltung des IVD.

Mietzahlungen

Auch wenn natürlich nicht von einem Mieter verlangt werden kann, stets und ständig seine Wohnung zu bewohnen, so wird doch von ihm erwartet, dass auch in seiner Abwesenheit die Miete pünktlich eingeht. „Ab einem zweimonatigen Mietrückstand darf der Vermieter dem Mieter fristlos kündigen“, warnt Sun Jensch, Bundesgeschäftsführerin des Immobilienverbandes IVD. „Die Einrichtung eines Dauerauftrages ist daher ratsam.“

Schäden im Vorfeld vermeiden

Brände, Wasserschäden, Schimmelbefall sowie Schäden durch von außen eindringende Feuchtigkeit können durch umsichtiges Handeln vor dem Urlaubsantritt vermieden werden. „Es versteht sich eigentlich von selbst, dass sämtliche Wasserhähne, Türen und Fenster geschlossen sowie elektrische Geräte ausgesteckt werden“, sagt Jensch. Damit auch bei heftigen Sommergewittern das Regenwasser problemlos vom Balkon ablaufen kann, sollte man vor der Abreise den Abfluss prüfen und gegebenenfalls reinigen.

"Haussitter" einquartieren

Um zu verhindern, dass sich an den Wänden Schimmel bildet, sollte die Wohnung bei längerer Abwesenheit ab und an durchgelüftet werden. Das kann eine Vertrauensperson übernehmen. Anstatt eine Vertrauensperson damit zu beauftragen, regelmäßig in der Wohnung nach dem Rechten zu schauen, kann die Wohnung während des Urlaubs auch einem Freund oder Bekannten überlassen werden. „Solange es sich um einen Zeitraum von wenigen Wochen handelt, ist es absolut legitim, die Wohnung einer Vertrauensperson zu überlassen“, sagt Jensch.

Wenn der Ferienbewohner allerdings Miete zahlt, handele es sich um ein Untermietverhältnis, das der Vermieter gemäß § 540 BGB genehmigen müsse. „Im Regelfall muss der Vermieter dem Untermietverhältnis allerdings zustimmen. Auch die grundsätzliche Haftung des Hauptmieters für die Mietsache gegenüber dem Vermieter bleibt bestehen. Der Hauptmieter haftet daher auch für seinen Untermieter, beispielsweise für die Einhaltung der Hausordnung durch diesen“, so Jensch.

Vertreter verpflichten

Hat sich der Mieter durch entsprechende Regelungen in der Hausordnung oder im Mietvertrag zum Beispiel zur turnusgemäßen Reinigung verpflichtet, bleibt diese Pflicht auch während seiner Abwesenheit bestehen. Er hat keinerlei Anspruch auf eine vorübergehende Befreiung von dieser Pflicht.

Sun Jensch erläutert, dass der Mieter vielmehr Sorge tragen muss, dass derlei Aufgaben gewissenhaft von einer Vertretung ausgeführt werden. Diese kann allerdings vom Vermieter nicht haftbar gemacht werden – bei unsachgemäßer Ausführung haftet stets der Mieter. Am einfachsten sei es, entsprechende Termine mit einem Nachbarn zu tauschen. Wenn dies nicht möglich sei, sollte ein Putz- oder Hausmeisterdienst beauftragt werden – ansonsten drohe dem Mieter eine Abmahnung.

Seite 1 von 2Artikel auf einer Seite lesen

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben