Immobilien : Wärmendes Feuer

Öfen und Kamine feiern ein Comeback – vor allem, weil hohe Heizkosten die Nachfrage befeuern

Jutta Burmeister

Na bitte. Romantik und Vernunft passen doch zueinander. Knisterndes Holz, wohlige Wärme und ein heller Feuerschein. Für viele ist ein Kamin der Inbegriff von Gemütlichkeit – und eine schlaue Form, die ausufernde Heizrechnung zu drücken. Zwar verfügen in Süddeutschland weitaus mehr Häuser über einen Kamin, Kachel- oder Bollerofen als in Berlin und Brandenburg. Aber auch hier steigt die Nachfrage, ausgelöst durch die steigenden Heizölpreise und Ereignisse wie den tagelangen Stromausfall im Münsterland. Doch für die Nachbarn der Kaminbesitzer ist der Boom der Branche nicht immer ein Grund zur Freude: Weil manche Umweltfrevler nicht nur trockenes Holz, sondern offenbar einen Teil ihres Mülls verbrennen, stinke es am Wochenende oft ganz gewaltig, klagen Anwohner in Einfamilienhaus-Siedlungen.

Dass immer mehr Berliner einen Kamin oder Kaminofen neu aufstellen lassen oder den vorhandenen alten Kachelofen wieder in Betrieb nehmen, hat nicht nur Bezirksschornsteinfegermeisterin Erika Feller beobachtet. Rund 70 Prozent aller Bauherren haben in einer bundesweiten Umfrage erklärt, einen Kamin oder Kachelofen einbauen zu wollen. Mehr als 100 000 Stück wurden allein im vergangenen Jahr verkauft, vom einfachen gusseisernen Ofen für 500 Euro aus dem Baumarkt bis zum individuell geplanten Kamin, der leicht einen fünfstelligen Betrag kosten kann. Am häufigsten gekauft werden Kamine und Öfen für 5000 bis 9000 Euro. Auch Händler und Baumärkte bestätigen den Trend, der überwiegend vom Frust über hohe Heizkosten motiviert ist. „Früher ging es um das Ambiente im Wohnzimmer. Heute konzentrieren sich die Leute vor allem auf die entstehende Wärme“, heißt es bei Kamin Profi Berlin.

Zunächst einmal sollte sich der Bauherr entscheiden, ob er einen Kamin, einen Kaminofen oder einen Kachelofen einbauen will. Ein Ofen nämlich kann nicht nur mit Holz und Kohlen, sondern auch mit so genannten Holzpellets, Gas oder Öl befeuert werden – sofern ein besonderer Heizeinsatz eingebaut wird. In einen neuen Kachelofen lassen sich zudem Kochfelder, Pizzaofen oder Wasserkessel integrieren. Ein Kaminofen ist gut für Mieter geeignet, da er problemlos ab- und wieder aufgebaut werden kann. Wird dagegen ein Kamin gewählt, spielt es eine wesentliche Rolle, ob dieser auch mit offenen Türen betrieben werden kann. In diesem Fall ist nämlich nur eine gelegentliche Nutzung zulässig.

Auf jeden Fall sollte man vor dem Kauf darauf achten, ob der Ofen oder Kamin nach DIN geprüft ist, rät Erika Feller. Der zuständige Bezirksschonsteinfeger prüft außerdem, ob ein geeigneter Schornstein vorhanden ist. Bei Dachgeschossausbauten in Mehrfamilienhäusern wurden viele Schornsteine abgerissen, andere zubetoniert, sagt Feller. „Oder es wurde eine Dunstabzugshaube angeschlossen.“ Bei einem offenen Kamin kann der Schornstein in Einzelfällen auch zu klein sein. „Dann muss ein Rauchsauger darüber angebracht werden.“ Bei offenen Feuerstätten, die viel Sauerstoff verbrauchen, wird außerdem der Aufstellplatz besonders genau begutachtet. Sind alle Auflagen erfüllt, kommt der Schornsteinfeger künftig einmal im Jahr zur Reinigung. Dies schlägt bei einem Einfamilienhaus mit etwa 15 bis 20 Euro zu Buche – und ist auch dann zu bezahlen, wenn der Kamin gar nicht benutzt wurde (Verwaltungsgericht Koblenz, 3 K 238/04).

Kann der Eigentümer sich nun an den lodernden Flammen erfreuen, haben Mieter schlechte Karten: „Ein Anspruch auf Neuanschluss eines Ofens oder Kamins besteht grundsätzlich nicht“, sagt Hartmann Vetter, Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins. Selbst, wenn der Mieter bereit ist, alle Kosten zu tragen, muss der Vermieter den baulichen Veränderungen zustimmen. Besser sieht es aus, wenn in der Wohnung noch ein funktionstüchtiger Kachelofen vorhanden ist. „Dann kann dieser natürlich in Betrieb genommen werden, auch wenn zusätzlich eine Zentralheizung eingebaut wurde“, sagt Vetter. Für sinnvoll halte er das allerdings nicht: „Wenn ein Kachelofen nur in der Übergangszeit gelegentlich angemacht wird, brennt das Feuer nicht richtig und sorgt für schlechte Luft.“ Ist ein Kamin dagegen schon bei Mietvertragsabschluss vorhanden, funktioniert aber nicht, rechtfertigt dies nach herrschender Rechtsprechung eine Mietminderung um fünf Prozent. Für Inhaber von Eigentumswohnungen ist außerdem wichtig zu wissen, dass zwar der Schornstein zum Gemeinschaftseigentum, der Kamin aber zu ihrem Sondereigentum gehört.

In allen Feuerstätten dürfen nur rohe, unbehandelte Holzscheite, die mindestens zwei Jahre abgelagert wurden, sowie Holz- oder Kohlenbriketts verheizt werden. Feuchtes oder lackiertes Holz, Spanplatten, Plastik oder Pappe sind ungeeignet. Schon bei einer Restfeuchte von mehr als 20 Prozent im Holz werden zusätzliche Schadstoffe freigesetzt. „Bei Wohnungsbegehungen bemerken wir leider häufiger, dass Milchtüten und anderer Müll vor dem Ofen gelagert werden“, sagt Schornsteinfegerin Erika Feller. Werde der Kamin dagegen richtig beheizt, entstehe nicht mehr Kohlendioxid als bei einer natürlichen Vermoderung des Holzes, so Feller, „die Befeuerung mit Holz ist umweltneutral.“

Wichtig ist die Sicherheit: Wer einen offenen Kamin hat, sollte lieber Laubhölzer verbrennen, da diese weniger zum Funkenflug neigen. Und wer Glut im Kamin unbeaufsichtigt lässt und dadurch einen Brand verursacht, handelt grob fahrlässig und verliert seinen Versicherungsschutz (Oberlandesgericht Koblenz, 10 U 193/02). Wer sich darum keine Gedanken machen will, ist wohl am besten bei dem Hersteller dieses Angebots aufgehoben. Originalton: „Das Elektrofeuer mit Echtflammeffekt bietet die perfekte Illusion einen realen Feuers und regulierbare Wärme ohne Geruchsbelästigung“.

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