Wahrzeichen : Frohnaus Wasserturm ohne gute Aussichten

Auch nach dem Verkauf an die Concarus Real Estate Invest darf die Aussichtsplattform nicht wieder für das Publikum geöffnet werden. Die Fluchtwege fehlen.

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Die Turmuhren sollen ab Februar 2016 wieder funktionieren, sagt der Investor. Zeit dafür wär’s ja.
Die Turmuhren sollen ab Februar 2016 wieder funktionieren, sagt der Investor. Zeit dafür wär’s ja. Foto: Reinhart Bünger

In Frohnau gehen die Wogen um die zukünftige Nutzung des Wasserturms hoch. Weil das identitätsstiftende Gebäudeensemble „Kasino Frohnau“ an einen neuen Investor verkauft wurde, hoffen viele Frohnauer nun auf die Öffnung des Turms für die Öffentlichkeit und eine Wiederherstellung des Kasinovorplatzes nach historischem Vorbild – oder doch wenigstens auf eine Annäherung daran. Während sich die neue Eigentümerin, die Concarus Real Estate Invest GmbH, noch bedeckt hält, sagen die Denkmalschützer des Bezirks deutlich, was hier geht – und was hier nicht geht. 

An der Nutzung des wuchtigen Baus, der gleich neben Frohnaus Bahnhof in den Jahren 1909 und 1910 nach einem Entwurf der Architektengemeinschaft Gustav Hart und Alfred Lesser entstand, wurde in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder Anstoß genommen. So erschien am 27. August 1955 im Tagesspiegel folgende Anzeige: „Neueröffnung. Im Kasino-Frohnau, Ludolfinger Platz 1, rollt die weiße Kugel. Eröffnung: Sonnabend, den 27. August 1955, Beginn: Täglich ab 19 Uhr.“

Auf der linken Seite der Anzeige stand schräg von unten nach oben gedruckt das Wort „Roulette.“ Es war fehl am Platze, denn öffentliche Glücksspiele sind damals wie heute verboten. Es hätte „Rouletta“ heißen sollen, verteidigte sich der damalige Betreiber vor Gericht. Den Text für die Anzeige habe er nicht selbst verfasst, daher der Fehler. „Rouletta“ sei ein Geschicklichkeitsspiel. Dafür brauche er nur eine Gewerbeerlaubnis. Weiter sei nichts zu genehmigen. Der Polizei sei die Eröffnung des Spielbetriebs lediglich anzuzeigen, zumal es sich um ein „nichtmechanisch betriebenes Geschicklichkeitsspiel“ handele.

Doch „Herr G. aus Westdeutschland“ konnte sein Kasino trotz mehrerer Gerichtsverfahren an diesem Ort nicht durchsetzen.

Bei klarem Wetter kann man bis zum Alexanderplatz sehen

Der 35 Meter hohe Turm, der auch das Wappen Frohnaus ziert, wurde zum Restaurant. In den oberen Stockwerken soll sich zu früheren Zeiten ein Etablissement befunden haben, ein Bordell. Die Betreiber wechselten wie die Kundschaft. Mal aß man hier jugoslawisch, später unter türkischer Bewirtschaftung mexikanisch. Wegen Baufälligkeit wurde der Turm schließlich geschlossen. Ein paar Jahre lang verbreiteten auf der Aussichtplattform zur Weihnachtszeit noch vier kerzenbestückte Tannen Hoffnungsschimmer, wie ein Ortschronist berichtet. Doch auch das ist vorbei. Geschichte.

Im März 2012 schließlich berichtete der Tagesspiegel über Pläne eines Künstlerpaars, das im Turm Ausstellungen organisieren wollte. Zu diesem Zeitpunkt soll die in 26 Meter Höhe gelegene Aussichtsplattform schon mehr als 15 Jahre nicht mehr öffentlich zugänglich gewesen sein. Dabei kann man bei klarem Wetter von hier aus bis zum Alexanderplatz sehen. Es wurde nichts aus den Plänen: Die Fluchtwege fehlten.

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Schließlich wechselte das Gebäudeensemble – neben dem Turm ein Übergangs- und ein ehemaliges Arkadengebäude, in dem heute Geschäfte und Wohnungen untergebracht sind – von einem irischen Investmentfonds in den Besitz der Concarus Real Estate Invest GmbH.

Deren Pläne werden vom Bürgerverein in der Gartenstadt Frohnau beargwöhnt. Der Verein hat Wünsche, wie es vor Ort weitergehen könnte. Der Turmkopf sei für die Öffentlichkeit wieder zu öffnen, die Aussichtsplattform zu restaurieren. In das Übergangsbäude solle „eine gut bürgerliche bis gehobene Gastronomie“ einziehen. Die grundstückszugehörige Außenanlage müsse von den 50er-Jahre-Kiosken befreit werden und im Sinne der Urspungsgedanken zu neuer Form finden. Mit anderen Worten: Das alte Herz Frohnaus soll wieder schlagen.

Allein im Erdgeschoss scheint eine Nutzung des Turms möglich

Der Investor gibt sich auf Anfrage sybillinisch. Schriftlich lässt er den Tagesspiegel wissen: „Ob wir den allseits geäußerten Wunsch, den Turm für die Öffentlichkeit wieder zugänglich zu machen umsetzen können, lässt sich derzeit noch nicht beantworten.“ Man sei mit der Bestandsaufnahme beschäftigt und mit dem Bezirksamt im Gespräch.

Marius Helmuth-Paland, Fachbereichsleiter Stadtplanung und Denkmalschutz im Bezirksamt Reinickendorf, redet auf Anfrage Klartext: „Der Turm entzieht sich jeder Betrachtung, die einzige Erschließung ist eine einläufige Treppe. Dort wird es nie eine öffentliche Nutzung geben, denn es gibt keinen Fluchtweg.“ Es sei denn, man baut neben dem Turm noch einen Fluchtturm.

Die Feuerwehr kann bis zu dieser Höhe keine Leitern angelegen und ein zweites Treppenhaus lässt sich wegen des Denkmalschutzes nicht einfach so anbauen. Allein im Erdgeschoss scheint eine Nutzung möglich. Sollte man den Turm also abreißen? „Nein, der Turm bleibt stehen“, sagt Helmuth-Paland.

Mit dem großen Geschäfts- und Wohngebäude, das über das Übergangsgebäude mit dem Turm verbunden ist, sieht das schon anders aus. Den neuen Eigentümer schwebt nach Tagesspiegel-Informationen ein Teilabriss des Ensembles vor.

Dürfen die Eigentümer das, Herr Helmuth-Paland? „Es müsste ein neuer Antrag gestellt werden, denn der vorläufige Bescheid sah vor, die leeren Ecken des Anbaus zu füllen. Jetzt aber geht es darum, den gesamten Bau wegzunehmen, weil es wegen des unpraktischen Fundaments einfacher ist, einen Neubau mit der historischen Kubatur zu errichten.“

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