Immobilien : Weitsicht am Wannsee

Direkt am Wasser baut das „Petruswerk“ Häuser und bietet diese zu Preisen zwischen 655000 und 720000 Euro an

Insa Lüdtke

In Zeiten, in denen die privaten Investitionen zurück gehen und die Bauwirtschaft daniederliegt, wäre es schon verwunderlich, wenn 26 neue Immobilien am Stadtrand Käufer finden, bevor die Bauten stehen. Doch für die im nächsten Jahr am Wannsee entstehenden zwölf Eigentumswohnungen gibt es bereits viele Interessenten, sagt Manuela Adamczyk, die beim Bauträger Petruswerk für das Marketing zuständig ist.

Diesen schönen Erfolg ließen sich die Investoren allerdings einiges kosten: Trotz der exklusiven Lage im Bezirk Steglitz–Zehlendorf und der gehobenen Architektur planten sie für das Bauvorhaben ein Marketingbudget von 250000 Euro ein. „Wir haben die Notwendigkeit erkannt, uns von der Konkurrenz sowohl mit guter Architektur als auch mit aufwendiger Werbung abzuheben,“ sagt Adamczyk.

Daher musste eine große Berliner Werbeagentur dieses Mal nicht für Zahnpasta oder Joghurt kreativ werden, sondern für die kubischen Häuser mit Seeblick. Diese sollten bereits während der Entwurfsphase einen griffigen Namen erhalten. Mit der hydrophilen Chiffre „O26“ umwirbt heute eine großformatige Werbebroschüre im Layout eines Lifestylemagazins eine anspruchsvolle Zielgruppe von Käufern: Ärzte und Juristen. Und so locken Zeitungsannoncen Interessenten auch nicht zu Currywurst und Cola ins Musterhaus am Stadtrand, sondern Slogans wie „Frühstücken am Wannsee“ sollen Interesse beim solventen Häuslebauer wecken.

Wer 655000 bis 720000 Euro bezahlt, kann vom eigenen Frühstückstisch aus auf 2700000 Quadratmeter Wasser blicken. Einen dazugehörenden Park mit historischem Baumbestand teilen sich die Bewohner außerdem. Auf dem ehemaligen Grundstück eines Krankenhauses stehen jetzt in zwei Reihen schmale Einzel- und Doppelhäuser. Da das Gelände zum Wasser hin abfällt, haben auch Anwohner in der „zweiten Reihe“ eine gute Aussicht.

Zwischen den massiven Längswänden der Häuser öffnen sich die Schmalseiten aus Glas zum See und zum Park. „Wir wollten dem transparenten Wasser die massiven Baukörper gegenüberstellen,“ sagt der Architekt Henner Rolvien. Jeder der vielen Steine, die die Außenwände aus Beton verkleiden, hat eine eigene Farbnuance und Textur bekommen. Durch Licht und Schatten erhält die raue Wandoberfläche eine Lebendigkeit, die sich in die Natur einpasst.

Die Architektur des Büros Quick Bäckmann Quick und Partner ist schnörkellos. Die Planer haben sich auf einen Materialmix aus Glas, Naturstein, Klinker und Holz beschränkt. Muschelkalkfliesen oder Vollholzparkett bedecken den Fußboden. Holzrahmenfenster geben Ausblicke. Torfbrandziegel verkleiden die Außenwände. Die unterschiedlichen Texturen und Farben geben auch den einzelnen Räumen eine eigene Atmosphäre. Diese Flexibilität und Unterteilbarkeit verbunden mit soliden Materialien kann sich Rolvien „abgespeckt“ auch im städtischen Wohnungsbau vorstellen.

Jedes Haus ist nur sieben Meter breit. Über schmale Treppen gelangt man in drei Geschosse auf Galerien und in kompakte Zimmer. Glasflächen vergrößern optisch den Eindruck und erlauben Durchblicke auf Balkon oder See. Die Aufteilung der rund 200 Quadratmeter Wohnfläche ermöglicht verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Eine junge Familie kann das Obergeschoss zunächst als Wohnraum und Bibliothek und das Untergeschoss als Schlafbereich einrichten. Später können die heranwachsenden Sprösslinge hier ihr eigenes Reich mit separatem Eingang haben. Das untere Geschoss ist ebenerdig – nach deren Auszug kann man diesen Bereich also vermieten.

Zunächst hatten die Architekten drei Grundriss-Varianten ausgearbeitet. Wegen der vielen Sonderwünsche der Bauherren kreierten sie schließlich doch 26 zumindest innen unterschiedliche Häuser.

Die Investoren wie auch die Planer beschreiben die Zusammenarbeit mit den Behörden in Steglitz-Zehlendorf als ungewöhnlich unbürokratisch. Die Leiterin des Fachgebiets Stadtplanung Sabine Lappe gibt das Kompliment zurück: „Das Petruswerk war mutig.“ So liege die Geschossflächenzahl für die Grundstücke nur beim Faktor 0,33. Sonst kalkulierten Investoren mit einer Dichte von 0,5, damit sich die Projekte rechnen. Doch dieser Luxus hat beim Zehlendorfer Projekt eben auch seinen Preis.

0 Kommentare

Neuester Kommentar