Immobilien : Weniger Leute, aber mehr Haushalte Die Folge: Wohnfläche könnte knapp werden

Die Menschen in Deutschland beanspruchen mehr Platz zum Wohnen. Obwohl die Bevölkerung zurückgeht, wird es 2025 nach einer Hochrechnung des Statistischen Bundesamts mehr Haushalte geben als derzeit. Dabei drängen die kleinen Haushalte mit ein oder zwei Bewohnern die größeren immer mehr an den Rand. Der Bestand an Häusern und Wohnungen allein reicht für den Zuwachs nicht aus: Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) in Bonn erwartet zumindest in den nächsten zehn Jahren eine wachsende Nachfrage nach Wohnfläche. „Es könnte sonst einen Engpass geben“, sagt der BBR-Referatsleiter Wohnungsmarkt, Matthias Waltersbacher.

„Die kleinen Haushalte verbrauchen pro Kopf mehr Fläche.“ Die Zahl aller privaten Haushalte wird der Hochrechnung zufolge bis 2025 von rund 39,5 (2006) auf 40,5 Millionen steigen. Die Bevölkerung zwischen Kiel und Konstanz sinkt dagegen gleichzeitig von 82,3 Millionen auf voraussichtlich 78,8 Millionen. Vor allem die kleinen Haushalte breiten sich rasant aus: In fast vier von fünf Haushalten werden 2025 nur noch ein oder zwei Menschen leben.

„Wir werden reicher und uns steht mehr Wohnraum zur Verfügung“, sagt Walter Bien vom Deutschen Jugendinstitut in München. Es würden aber auch aus steuerrechtlichen Gründen in einem Haus mehrere Haushalte geführt. Die Statistiker nennen die steigende Lebenserwartung, die niedrige Geburtenrate, mehr Partnerschaften mit getrennter Haushaltsführung und die hohe berufliche Mobilität als Gründe für die Entwicklung.

Die Singlehaushalte sind schon jetzt mit einem Anteil von 38 Prozent (2006) die dominante Haushaltsgröße. 2025 sollen sie 41 Prozent ausmachen, das sind absolut 16,7 Millionen Haushalte und elf Prozent mehr als 2006. Noch stärker (plus 13 Prozent) nehmen der Hochrechnung zufolge die Haushalte mit zwei Menschen zu. Ihr Anteil soll damit von 34 auf 37 Prozent steigen. Die Zahl der Wohnungen oder Häuser mit drei oder mehr Menschen unter einem Dach wird dagegen stetig sinken – um 21 Prozent auf etwa 8,8 Millionen. Damit werden 2025 nur noch in gut jedem fünften Haushalt mehr als zwei Menschen leben. „Drei- und Vierzimmerwohnungen werden immer häufiger auch von Menschen ohne Kinder gesucht“, berichtet Waltersbacher. Vor allem bei solchen Wohnungen tummelten sich viele Interessenten. „Leerstände gibt es meist nur bei ganz kleinen Wohnungen.“

Familiensoziologe Bien formuliert es so: „Es wird mehr in erträglicher Distanz gelebt.“ Diese sei gerade zwischen den Generationen nicht immer unter einem Dach am besten. „Die Mobilität erzwingt zudem immer größere Abstände zwischen den einzelnen Haushalten.“ Es gebe aber auch viele Paare, die nicht in einem Haushalt zusammenleben wollten. Und: Die Übergangszeit vom Auszug bei den Eltern bis zur Gründung eines neuen Familienhaushalts werde länger.dpa

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