Immobilien : Wenn guter Rat teuer ist

ANDREAS LOHSE

Kennen Sie einen guten Zahnarzt? Schwierige Frage.Deshalb beginnen die meisten Antworten mit: "Also, ich persönlich...".Das gleiche Problem stellt sich bei der Suche nach einem Rechtsbeistand: Allein im vergangenen Jahr gab es 580 neu zugelassene Anwälte in der Stadt, insgesamt mehr als 6 100.Den für alle am besten geeigneten wird man nicht finden, allenfalls auf eigene Erfahrungen oder Hörensagen bauen können.Ob Anwälte "gut" sind oder "schlecht", mithin den Streit gewinnen oder verlieren (denn daran bemißt sich gemeinhin der Eindruck des Mandanten) hängt auch vom gegnerischen Anwalt ab, von Richtern - und natürlich vom Sachverhalt.

Aus fachlichen Gründen, aber auch aufgrund der Wirtschaftlichkeit bilden Anwälte zunehmend größere Kanzleien.Anwälte in nicht spezialisierten Kanzleien kümmern sich um sämtliche Rechtsprobleme ihrer Mandanten.Spezialkanzleien bleiben demgegenüber zumeist bei ihren Spezialgebieten.Da Rechtsprobleme sehr persönlich sind, ist die "Chemie" von großer Bedeutung.Wenn die nicht mehr stimmt, wird aus einem guten Anwalt schnell ein schlechter.Wer bei einer Beratung ein mulmiges Gefühl hat, sich nach dem Gespräch genauso schlau fühlt als wie zuvor, sollte einen Wechsel des Anwalts nicht scheuen.Ein laufendes Mandat zu kündigen, ist wirtschaftlich jedoch wenig sinnvoll und nur in Ausnahmefällen zu empfehlen.Warten Sie damit, bis eine Instanz abgeschlossen ist.

"Fachanwalt" darf sich nicht jeder nennen, sondern nur nach einer seinem Fachgebiet ensprechenden Prüfung vor der Anwaltskammer, beispielsweise in Arbeitsrecht, Sozialrecht, Strafrecht oder Steuerrecht.Den Fachanwalt für Mietrecht sucht man vergebens.Wer in mietrechtlichen Fragen einen Anwalt benötigt, findet in Berlin allerdings zahlreiche in dieser Hinsicht spezialisierte.Das Branchenbuch der Telekom unterscheidet Tätigkeitsschwerpunkte und Interessenschwerpunkte.Damit darf ein Anwalt für sich mit dem Schwerpunkt Mietrecht werben, ohne hinsichtlich der Inhalte kontrolliert zu werden.Doch Obacht: Nicht jeder Jurist für Mietrecht ist für Mieter und Vermieter gleichermaßen geeignet.Wer hauptsächlich Vermieterinteressen vertritt, wird es zwar nicht ablehnen, auch einem Mieter beizustehen, tut dies jedoch unter Umständen nicht mit Leib, Seele und allen Mitteln seiner Trickkiste.Fragen Sie also zuvor nach der Stammklientel.

Der Berliner Anwaltsverein bietet eine Spezialistendatei.Ein Anruf genügt, und der Verein nennt kostenlos bis zu drei Adressen von Mitgliedern der Organisation.Man kann auch persönlich vorbeischauen und sich einen Computerausdruck mitnehmen.Daneben gibt es noch einige weitere privatwirtschaftlich organisierte Auskunfteien.Wer beispielsweise die Nummer des Anwaltsuchservice anwählt, bekommt ebenfalls im Umgang mit Mietrecht geübte Juristen genannt, deren Kanzleien im Amtsgerichtsbezirk des Anrufers liegen.Die Auskunft ist kostenfrei.Anwälte lassen sich dort gegen eine Gebühr eintragen, Anrufer zahlen lediglich ihre Telefonkosten.Wer ausdrücklich nachfragt, bekommt bis zu drei Adressen genannt, üblicherweise nur eine.Der Anwaltsuchservice ist auch im Internet vertreten.

Teurer ist das System der Anwaltsdatenbank.Die 0190er Telefonnummer kostet den Anrufer 1,20 Mark pro Minute - und die vergeht recht rasch, besonders beim Warten auf einen freien Telefonisten-Platz.Die Informationen beruhen hier ebenso wie bei den beiden zuvor genannten auf Selbstauskünften der Anwälte.Es werden bis zu sechs Adressen weitergegeben.In beiden Fällen ist zu bedenken, daß die Dateien nicht vollständig sein können.Für Kanzleien mit fester Klientel kann es uninteressant sein, sich dort aufnehmen zu lassen, wenngleich es für Mieter oder Vermieter lohnend wäre, bei ihnen vorzusprechen.

Mitglieder einer Mieterorganisation sind fein raus: Hier sind Rechtsrat und Anwalt meist im Mitgliedsbeitrag enthalten.Wer besonders schlau sein will, weil es Beiträge spart, und erst dann eintritt, wenn er in mietrechtlichen Schwierigkeiten ist, fällt jedoch auf die Nase.Zwischen Beitrittstermin und Übernahme der Kosten für den ersten Streit liegt in der Regel eine Karenzzeit von mehreren Wochen.Und zu welchem Vorgehen bei der Anwaltssuche kann man dann noch raten? "Also, ich persönlich..."

Berliner Anwaltsverein: 251 33 34 (Kosten: nur Telefongebühren) Montag bis Freitag 9 bis 13 Uhr, Obentrautstr.27, 10963 Berlin

Anwaltsuchservice: 0180 / 525 45 55, (Kosten: nur Telefongebühren), Montag bis Donnerstag 8 Uhr 30 bis 16 Uhr 30, Freitags 8 Uhr30 bis 15 Uhr30.

Internet: www.anwalt-suchservie.de

Anwaltsdatenbank: 0190 / 51 46 14 (Kosten: 1,20 Mark pro Minute)

Berliner Mieterorganisationen finden Sie im Telefonbuch unter "Mieter".alo

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