Immobilien : Wenn Handwerker zu dick auftragen

Müssen Maler noch einmal ran, wenn ein neuer Anstrich mit alter Farbe wieder abblättert?

WAS STEHT INS HAUS?

Wir haben unsere Altbauwohnung renovieren lassen. Auch die aufwendig profilierten alten Zimmertüren haben einen neuen Anstrich bekommen. An den Türblattfüllungen hat die Farbe z. T. erhebliche Risse bekommen. An einigen Stellen blätterte die neue Farbe mit dem darunter befindlichen Altanstrich ab. Diese Mängel reklamierten wir bei der Malerfirma. Die Malerfirma lehnte sie mit der Begründung ab, dass das Holz arbeiten würde und der Altanstrich zuvor fest anhaftete. Wir sind aber der Meinung, dass die Tür falsch bearbeitet wurde. Wie kann man das prüfen?

WAS STEHT IM GESETZ?

Beauftragen Sie eine Malerfirma, Ihre Zimmertüren neu anstreichen zu lassen, muss sie die Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB) und die betreffende Norm DIN 18363 anwenden. Der Maler muss zuerst prüfen, ob die zu beschichtende Oberfläche geeignet ist, einen neuen Anstrich aufzunehmen. Mit einem handwerklichen Test (Gitterschnitt) kann er prüfen, wie viele Farbschichten auf dem Holz vorhanden sind und wie fest sie anhaften. Dabei wird schachbrettartig in Millimeterabständen die Beschichtung mit einem Messer bis auf das Holz eingeritzt. Darauf wird ein selbstklebendes Band verstrichen und abgezogen. Auch dieses Verfahren ist genormt. Löst sich die Beschichtung flächig, sollte sie bis zur Holzoberfläche entfernt werden, da sie nur noch gering anhaftet. Sind mehr als 2 Erhaltungsanstriche bereits ausgeführt worden, sollten auch alle Farbschichten bis zum Holz abgetragen werden, da sonst die Gesamtbeschichtung zu dick wird. An den Fugen zwischen Füllungen und Türblattrahmen wird häufig zu viel Farbe aufgestrichen und damit die Fuge verfüllt. Da das Holz über den Jahresverlauf einem Quell- und Schwindprozess ausgesetzt ist, dehnt sich die Fuge. Ist bei einem Neuanstrich die Farbe in gleichmäßiger Dicke aufgetragen, kann zwar die Fuge aufklaffen, es kommt aber nicht zu einem Riss. Löst sich der neue Anstrich vom Untergrund ab, ist dies ein Mangel, der handwerklich verursacht wurde.

UND WIE STEHEN SIE DAZU?

Obwohl ein Erhaltungsanstrich weniger kostet, als alle Farbanstriche vom Türblatt zu entfernen und anschließend einen neuen Anstrich aufzubringen, sollte sehr genau geprüft werden, ob die bereits vorhandenen Anstriche auf Ihrer alten Tür noch einen weiteren Anstrich vertragen. Fugenweitungen zwischen Füllungen und Türblattrahmen lassen sich zwar nicht verhindern, können aber durch eine sachgerechte malermäßige Bearbeitung als unwillkürliche Rissbildung im Anstrichsystem verhindert werden. Unabhängig davon, ob der Maler einen Neuanstrich zu dick aufgetragen hat oder einen Erhaltungsanstrich auf bereits zu viele Einzelschichten aufbrachte, sind die Mängel an Ihren Türen auf eine fehlerhafte Ausführung und/oder unsachgemäße Prüfung des Untergrundes zurückzuführen. Ihre Kritik ist berechtigt.

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