Immobilien : Wenn Klingeln sprechen Ein Zuhause der Zukunft: In Döbeln wurde

eine komplett altersgerechte Wohnung vorgestellt.

Schlüssel nicht vergessen! Die Wohnung in Döbeln denkt mit. Foto: dapd
Schlüssel nicht vergessen! Die Wohnung in Döbeln denkt mit. Foto: dapdFoto: dpa

Wenn der Fernseher laut ist, dann ist die Türklingel oft kaum zu hören. Vor allem, wenn man schon etwas schwerhörig ist. Wie gut, wenn dann gleichzeitig die Deckenlampe blinkt, das Telefon klingelt und eine Frauenstimme sagt: „Es läutet an der Tür.“ Eine solche sprechende Wohnung ist vor kurzem im sächsischen Döbeln der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Stefan Viehrig, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Fortschritt Döbeln, zeigte, wie sich sein Unternehmen das Wohnen der Zukunft vorstellt.

Als Beispiel dient eine Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Siedlungsbau aus den 1950er-Jahren im Döbelner Osten. Die unscheinbare gelbe Fassade und der rote Balkon lassen noch nicht erahnen, was sich drinnen in den vergangenen zwei Jahren getan hat. Die Musterwohnung ist Teil des Projektes „Alter Leben“, konzipiert vom Verband Sächsischer Wohnungsgenossenschaften (VSWG) und gefördert durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Für rund 25 000 Euro wurden die rund 60 Quadratmeter aufwändig umgebaut und mit modernster Technik ausgestattet. Bald schon sollen die Kosten dafür deutlich sinken, um das Konzept der „mitalternden Wohnung“ auch für Normalverdiener und Rentner attraktiv zu machen, verspricht Viehrig. Immerhin liegt der Altersschnitt seiner Mieter schon heute bei 61,7 Jahren, Tendenz steigend.

Neben der sprechenden Klingel bietet ein technisches Assistenzsystem in der Musterwohnung auch die Kontrolle über intelligente Küchengeräte. Programme für Handys und Tablet-Computer wie das iPad ermöglichen die Überwachung und Steuerung der Wohnung unabhängig von Ort und Zeit. Ein elektronischer Hausschlüssel, der aussieht wie ein blauer Eierlöffel, prüft, ob noch Fenster geöffnet sind und schaltet bei Bedarf automatisch Lichter und den Herd aus.

Ein handtellergroßer Deckensensor misst ständig Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Bewegungen. Ein anderer Sensor im Bad kann den Notdienst verständigen, wenn die Badewanne überläuft. „Es wurde eine Havarie festgestellt“, sagt die nette Frauenstimme dann. Die Wasserversorgung wird automatisch abgestellt.

Zu den technischen Raffinessen kommen praktische Hilfen wie Haltegriffe an der Toilette, eine ebenerdige, sehr große Dusche mit Klappsitz und ein Panikknopf am Bett. „Ziel soll es sein, zehn Prozent aller Wohnungen in Sachsen derartig umzugestalten“, sagt VSWG-Vorstand Axel Viehweger. „Das ist eine Aufgabe für die nächsten 20 bis 30 Jahre.“

Für die Musterwohnung sind schon Mieter gefunden. Am 1. November soll ein älteres Ehepaar einziehen. Bei der Vorstellung sahen auch sie die Wohnung zum ersten Mal fertig. Die Szene hätte aus einer Fernsehsendung stammen können, in der Menschen mit einem neuen Zuhause überrascht werden. Beim Anblick ihrer neuen Küche hält sich die ältere Dame staunend die Hand vor den Mund. Noch wohnt das Paar in einem Dorf in der Nähe von Döbeln, Kinder und Enkel wollen sie näher in der Stadt haben. „Das sieht schon toll aus“, sagt die Frau. „Nur das mit der Technik, das müssen wir noch lernen.“ Einen Computer haben die beiden bislang nicht.dapd

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