Immobilien : Wenn sich der Heizkessel lautstark meldet, hilft ein kleines Gerät

Elektrotechniker am Stuttgarter Fraunhofer-Institut für Bauphysik entwickelten einen winzigen Schalldämpfer mit „akustischer Sperre“. Das Produkt ist jetzt auf dem Markt

Frank Bantle

Sechs Uhr am Morgen. Im Reihenhaus nebenan macht es brumm, klick und klack. Grund: Der Nachbar steht unter der Dusche und der Heizkessel meldet sich lautstark zu Gehör. Was dem Einen sein Morgenvergnügen, ist dem Anderen schlicht lästig. Nicht selten beschäftigen sich auch Gerichte mit solchen Fällen von Ruhestörung.

Solche Geräusche entstehen durch Luftströmungen bei der Verbrennung, die vom Gebläse oder durch die brennende Flamme des Heizkörpers erzeugt werden. „Unsere Erfahrungen zeigen, dass sich besonders Nachbarn oder Mieter vom Brummen aus der Wand oder aus dem Kamin belästigt fühlen“, sagt Stefan Zimmermann. Er ist Elektrotechniker am Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP) in Stuttgart und hat sich mit seinen Kollegen intensiv damit beschäftigt, die Lärmquelle Heizung einzudämmen. Nach ausgiebigen Feldversuchen haben die Experten einen „Schalldämpfer“ für Heizanlagen entwickelt. Das rund 50 Zentimeter große Gerät „Aktiv Plus“ ist patentiert und wird von der Firma Kutzner und Weber (Maisach) für rund 750 Euro auf dem Markt angeboten.

Das Funktionsprinzip: Im trommelförmigen Edelstahlgehäuse des Schalldämpfers sitzen ein Lautsprecher, ein Mikrofon und Elektronik. Das System wird in das Abgasrohr der Heizung integriert und wirkt an dieser Stelle als Puffer: Vor dem Schalldämpfer wird der Lärm gebunden, dahinter entsteht Stille. Und zwar durch zwei Stufen: Der Lärm trifft zuerst auf den Lautsprecher und versetzt ihn in Schwingungen; so schluckt das Gerät einen Teil des Lärms. Um aber die Heizanlage komplett ruhig zu stellen, bedarf es der Elektronik von „Aktiv Plus“. Ein kurzer Befehl ans Mikrofon verstärkt dabei die Schwingungen des Lautsprechers, dem Lärm wird auf diese Weise noch mehr Energie entzogen. Die Fachleute sprechen von einer „akustischen Sperre“.

Das Lautsprecher-Modul ist zudem mit einer Folie überzogen und wird so vor Hitze und Abgaspartikeln geschützt. Auch Alterserscheinungen, wie zum Beispiel verrottende Dämmfasern, gibt es bei dieser Neuentwicklung nicht.

Die wirkliche Innovation und der echte Produktnutzen für Hausbesitzer liegt jedoch in der Größe des Winzlings: Denn bislang wurden Geräte angeboten, die bis zu drei Meter lang waren und in vielen engen Heizungsräumen oder neben dem Kamin keinen Platz fanden.

Infos: Kutzner & Weber GmbH, Telefon: 081 41 / 95 70. www.kutzner-weber.de

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