Wetter : Nach dem Sturm ist immer auch vor dem Sturm

Einen Vorgeschmack auf die allfälligen Frühjahrsstürme haben die Berliner bereits zu Beginn der Woche erleben dürfen. Der Schaden in der Region hielt sich noch in Grenzen. Doch nicht immer geht es glimpflich ab.

Thomas Voigt

 „Wenn Sturmböen Dächer abdecken und Bäume umknicken, ist die Schadensregulierung in der Regel ein Fall für die Versicherung“, sagt Michael Wortberg, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Rheinland- Pfalz in Mainz. Er rät dringend, dem Versicherer Sturmschäden unverzüglich zu melden. Viele Unternehmen halten hierzu entsprechende Notrufnummern bereit. Zudem sind Betroffene verpflichtet, alles zu unterlassen, was die Feststellung des Schadens erschweren könnte – sonst riskieren sie ihren Versicherungsschutz, in vollem Umfang oder zumindest teilweise. „Im Zweifel fragen Sie beim Versicherer nach, wie Sie sich verhalten sollen“, empfiehlt Wortberg.

Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen haften nach Angaben des Fachmanns für Sturmschäden ab Windstärke acht. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 62 bis 74 Stundenkilometern. „Hat der Orkan Ziegel und Dachpappe mitgehen lassen, müssen Sie dies nicht einzeln nachweisen“, erklärt Michael Wortberg. Nach den Versicherungsbedingungen reiche es aus, dass es vorher eine offizielle Sturmwarnung gegeben hat und auch Häuser in der Nachbarschaft beschädigt worden sind. Gefahrenquellen müssen beseitigt werden, Schäden sind notdürftig zu reparieren, damit sie nicht noch größer werden. Die Angaben bei Schadensmeldung müssen wahrheitsgetreu und nachweisbar sein.

Aufgetretene Schäden sollten laut Wortberg in einer Schadensliste aufgeführt und durch Fotos oder Filme dokumentiert werden. Im Zweifelsfall sei es sinnvoll, Zeugen zu benennen. „Ist ein Gebäude beschädigt, sollten Sie nicht nur detaillierte Foto- oder Filmaufnahmen machen, sondern auch gegenseitig beispielsweise mit den Nachbarn Protokolle darüber anfertigen“, empfiehlt der Verbraucherberater. Dies gelte insbesondere vor der Ausführung von Notreparaturen. Die Versicherung müsse zudem die Möglichkeit haben, die Schäden zu begutachten: „Deshalb entsorgen Sie kaputte Gegenstände am besten erst nach Rücksprache mit dem Versicherer.“ Wurden Hausratgegenstände zum Spielball des Sturms, sind diese Schäden durch die Hausratversicherung nur abgedeckt, wenn sie während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren und dieses ebenfalls vom Wind beschädigt wurde. Eine Ausnahme dieser Regelung gilt für Antennen und Markisen, die einem Mieter gehören, außen am Gebäude angebracht sind oder waren und ausschließlich durch die Bewohner der versicherten Wohnung genutzt werden.

„Hausrat- und Wohngebäudeversicherungen zahlen nach dem seit kurzem für alle Verträge geltenden Versicherungsvertragsgesetz (VVG) auch für Schäden, die grob fahrlässig hervorgerufen wurden“, erklärt der Experte. Die Höhe der Entschädigung hängt davon ab, wie schwerwiegend der Verstoß des Kunden war.

Hat der Sturm Dachziegel auf ein parkendes Auto geschleudert, ist die Teilkaskoversicherung in der Zahlungspflicht. Versichert ist nach Wortbergs Worten allerdings nicht der Wiederbeschaffungswert, also der Neupreis des Gefährts, sondern nur der Zeitwert, den es zum Zeitpunkt der Schadensmeldung noch hat. „Oftmals hat der Versicherungsnehmer auch eine Selbstbeteiligung vereinbart, die von der Entschädigungssumme noch abgezogen wird“, weiß Wortberg. Ist dagegen ein Auto gegen einen umgestürzten Baum gefahren, springt nur eine Vollkaskoversicherung für den Blechschaden ein.

Bei überfluteten Kellern kommt die Elementarversicherung auf. Diese reguliert Schäden etwa auch bei Überschwemmung oder Schneedruck. „Allerdings gibt es diesen Schutz im Katastrophenfall meist nur in einem größeren Paket“, so Michael Wortbergs Erfahrung. Verderben Lebensmittel in der Gefriertruhe infolge von Stromausfall nach einem Sturm, hilft oft nur eine besondere Klausel in der Police der Hausratversicherung. ddp

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