Immobilien : Wie hingewürfelt

Im Südwesten Berlins ist der Grundstein für ein Konferenzhotel der Freien Universität gelegt worden. Helmut Jahns Dahlem-Cube ist ein Beispiel dafür, wie öffentliche Institutionen und private Investoren zusammenarbeiten können

Christian Hunziker

Seit kurzem ist es offiziell: Die FU ist eine der deutschen Eliteuniversitäten. Und damit ist FU-Präsident Dieter Lenzen seiner Vision eines „Oxford Deutschlands“ näher gekommen Angelsächsische Universitäten aber haben einen Campus, auf dem sich der gesamte Lehr- und Forschungsbetrieb konzentriert – wie jeder weiß, der einmal einen im britischen oder amerikanischen Universitätsmilieu spielenden Film gesehen hat,

Auch auf dem Weg zu einem solchen Campus hat die FU jetzt einen großen Schritt gemacht. Auf einem 9 800 Quadratmeter großen Grundstück zwischen Takustraße, Lansstraße und Hechtgraben ist der Grundstein für das „Seminaris Campushotel Berlin – Science & Conference Center“ gelegt worden – auch wenn ein Besuch vor Ort verdeutlicht, dass die Feierlichkeit eher symbolischen Charakter hatte und die Bauarbeiten noch gar nicht richtig begonnen haben. Hinter dem sperrigen Namen verbirgt sich ein Vorhaben, das der FU-Präsident seit Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2003 verfolgt: ein Konferenzzentrum mit angeschlossenem Hotel, in dem sich Wissenschaftler zu Tagungen treffen und auch gleich an Ort und Stelle übernachten können.

Wenn das Campushotel im Frühjahr 2009 seine Eröffnung feiert, wird Berlin-Dahlem über „ein weiteres architektonisches Glanzlicht“ verfügen. So jedenfalls jubelt der Hotelbetreiber Seminaris in einer Pressemitteilung – und hat damit vermutlich nicht einmal Unrecht. Denn der Entwurf des Gebäudes stammt von dem als Stararchitekt apostrophierten Deutsch-Amerikaner Helmut Jahn. Die FU erhält damit zum zweiten Mal innerhalb kurzer Zeit ein Gebäude aus der Feder eines berühmten Baumeisters: 2005 konnte sie bereits die von Lord Norman Foster entworfene Philologische Bibliothek in Betrieb nehmen.

Jahn, in Berlin vor allem durch das Sony-Center zu Ruhm gekommen, konzipierte mit seinem Berliner Kontaktarchitekten Steffen Duemler einen aus zwei Teilen bestehenden Komplex: Auf zwei Seiten des Grundstücks erstreckt sich ein L-förmiges, vierstöckiges Gebäude, welches das Hotel mit seinen 186 Zimmern und Suiten beinhaltet. Dieser Winkel umgibt das dreigeschossige Konferenzzentrum, den so genannten „Dahlem Cube“, der 13 Tagungsräume auf insgesamt 2 600 Quadratmeter Fläche aufnimmt. Hinzu kommen eine Tiefgarage mit 140 Plätzen sowie Gastronomie- und Dienstleistungsflächen im Erdgeschoss.

Wie von Helmut Jahn nicht anders zu erwarten, ist der 34 Millionen Euro teure Komplex aus Stahl und Glas konstruiert, ein Projekt der Helligkeit. Mit seiner transparenten Architektur steht er nach Ansicht von FU-Präsident Lenzen für die Offenheit der Universität. Kalt und ungemütlich soll das Hotel trotzdem nicht sein: „Wir möchten trotz der Stahl-Glas-Konstruktion einen gewissen Wohlfühlcharakter herein bekommen“, sagt Ralf Boldt, Projektentwickler beim Betreiber Seminaris. Nach seinen Worten richten sich Hotel und Kongresszentrum zwar vorrangig, aber keineswegs ausschließlich an Wissenschaftler. Auch Geschäftsreisende und Touristen will Seminaris ansprechen – schließlich, so Boldt, befänden sich mit den unmittelbar benachbarten ethnologischen Sammlungen der Staatlichen Museen, dem Botanischen Garten, dem Alliiertenmuseum und der Domäne Dahlem attraktive Ziele in der Nähe. „Das Haus ist auf den gesamten Hotel-, Konferenz- und Tagungsmarkt einschließlich der nicht weit entfernt liegenden Berliner Messe ausgerichtet“, sagt auch Günther Strube, geschäftsführender Gesellschafter von Seminaris.

Die FU wird zwar Hauptnutzer des Campushotels sein, fungiert aber keineswegs als Investor. Um das Projekt zu realisieren, ging sie einen anderen Weg: Sie schrieb das brach liegende Universitätsgrundstück an der Lansstraße aus und suchte auf diesem Weg einen Investor, der den Neubau errichten sollte. Den Zuschlag erhielt 2005 das Unternehmen Kommunalprojekt privatepublicpartnerships aus dem süddeutschen Brigachtal, das in der Folge Seminaris als Betreiber gewann. Damit, so Kommunalprojekt-Geschäftsführer Wilfried Pritzlaff, „kooperiert erstmals ein privatwirtschaftlich geführtes Hotelunternehmen langfristig mit einer Körperschaft öffentlichen Rechts“.

Auch wenn Pritzlaffs Unternehmen den Begriff Public Private Partnership (PPP) im Namen trägt: Ein PPP-Modell im strengen Sinn ist der Dahlem Cube nicht. Unter PPP (auf deutsch: öffentlich-private Partnerschaft) verstehen Immobilienfachleute nämlich ein Modell, bei dem private Unternehmen im Auftrag der öffentlichen Hand ein Gebäude errichten oder sanieren (zum Beispiel ein Justizzentrum oder eine Schule) und anschließend auch betreiben, ohne indes dauerhaft Eigentümer des Objekts zu werden. Beim Campushotel dagegen, erläutert Pritzlaff, liege die gesamte Verantwortung bei privaten Unternehmen. Das wird auch nach der Fertigstellung der Fall sein: Kommunalprojekt hat das Campushotel bereits an den Baltic Property Trust aus Kopenhagen verkauft, einen der ausländischen Immobilienfonds, die derzeit in Berlin auf Einkaufstour sind.

Herrscht somit bei allen Beteiligten eitel Sonnenschein? Nicht ganz. Der sudanesische Botschafter ist über das Projekt vermutlich alles andere als erbaut: Seine Residenz befindet sich direkt gegenüber der Baustelle – so dass Seine Exzellenz sich von den Bauarbeiten arg belästigt fühlen dürfte.

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