Immobilien : Wie sich eine Studentenbude finanziert Kaufen oder mieten? Eine Musterrechnung

K. D. Voss
Studentenapartments sind derzeit Mangelware. Foto: Promo patnera AG
Studentenapartments sind derzeit Mangelware. Foto: Promo patnera AG

Mareike ist drei Jahre alt, putzmunter – und sie soll einmal studieren. Darin sind sich Eltern, Großeltern und die übrige Sippschaft aus Quedlinburg einig. Und zwar in Berlin, wo denn sonst.

Der klassische Weg, die Ausbildung der Tochter zu sichern, wäre ein Sparvertrag oder eine Ausbildungsversicherung. Aber magere Renditen versalzen diese Mitgift. Mareikes Eltern geht es nicht schlecht – beide arbeiten als Studienräte, sie können sich etwas leisten, etwas Solides.

Der Vorschlag des Berliner Maklers passt: 44 Quadratmeter in einem schick sanierten Altbau aus dem Jahr 1900, ganz nahe am Schloss Charlottenburg. Sozusagen im Innenkreis der Berliner Hochschulen und Universitäten. Das großzügig geschnittene Ein-Zimmer-Apartment mit separater Küche und modernem Bad kostet 1800 Euro je Quadratmeter, für Berlin ein angemessener Wert.

Die Berliner Wohnung wird also 80 000 Euro kosten, mit den Nebenkosten für Notar, Makler, Grundbuch und Finanzamt sowie einer Einbauküche kommen noch einmal 15 000 Euro hinzu. Die Familie will 10 000 Euro an Eigenkapital einsetzen – die Hausbank akzeptiert dies, weil das Finanzierungskonzept insgesamt stimmt, und gibt 85 000 Euro als Kredit aus. Das Darlehen wird mit 3,15 Prozent verzinst, zugleich ist eine recht hohe anfängliche Tilgungsrate von 3,25 Prozent vereinbart. Das macht Sinn bei den derzeit niedrigen Zinssätzen, denn der Kredit soll in 15 Jahren abgetragen sein; über diesen Zeitraum ist der Zinssatz garantiert. Dazu kommt eine vereinbarte jährliche Sondertilgung von 1500 Euro – diese Summe steuern die Großeltern bei. Bleiben unter dem Strich für die Eltern rund 460 Euro als monatliche Rate. Abschlussgebühren, aber auch Steuervorteile bleiben bei dieser Modellrechnung einmal außer Betracht.

Die Gegenrechnung: Bis zum „Abi 2028“, wenn Mareike nach Berlin wechselt, soll die Wohnung vermietet werden. Bei freundlich kalkulierten 6,50 Euro Miete je Quadratmeter in dieser Lage lässt sich ein solventer Mieter finden. Das wären also 290 Euro im Monat. Das Hausgeld beträgt 120 Euro im Monat und wird zur Hälfte in den Nebenkosten verrechnet. Kluge Menschen rechnen bei Mieteinnahmen konservativ und setzen höchstens 80 Prozent der Mietzahlungen in die Kalkulation ein: also 2785 Euro netto.

Der jährliche Aufwand der Eltern für den Kredit beläuft sich auf 5520 Euro, der Hausgeldanteil von 720 Euro kommt hinzu. Verrechnet mit der Nettomiete bleiben 3455 Euro jährlich oder 287 Euro im Monat, die die Eltern tragen müssen. Die Großeltern väterlicher und mütterlicher Linie haben jeweils rund 63 Euro im Monat für die Enkeltochter zurückgelegt.

Und so geht die Rechnung auf: Im Jahr 2028 wird die Schuld bis auf 3800 Euro getilgt sein, Mareike kann in Berlin mietfrei leben – damit ist der dickste Posten im Leben eines Studenten bezahlt. Der Rest wird sich machen lassen. K. D. Voss

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