Immobilien : Wie viel Verkauf ist gesund?

Die Zukunft der städtischen Wohnungsbaugesellschaften: Mieterverein lädt zu Diskussion mit Sarrazin

-

Die Berliner Wohnungsbaugesellschaften kommen nicht aus den Schlagzeilen. Nach dem Verkauf von Gehag und GSW sowie der schweren wirtschaftlichen Krise bei der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) hatte die SPD-Fraktion zwar zunächst den Stopp von weiteren Privatisierungen landeseigener Wohnungsbestände durchgesetzt. Doch auch an diese Regelung halten sich nicht alle Gesellschaften. Deshalb bewertet der Berliner Mieterverein den Beschluss als „Wahlkampfente“: Der Verkaufsstopp diene nur dem Zweck, die beunruhigte Wählerschaft in Sicherheit zu wiegen – um die Stimmenverluste beim bevorstehenden Urnengang zu begrenzen.

Muss man sich also Sorgen machen um „die Zukunft der städtischen Wohnungsbaugesellschaften in Berlin“? Zu diesem Thema findet eine Podiumsdiskussion statt, die der Berliner Mieterverein am 22. Mai veranstaltet. Ihre Teilnahme zugesagt haben der Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin sowie die Wohnungsmarktexperten der größten politischen Fraktionen im Berliner Abgeordnetenhaus und der Spitzenkandidat der FDP in Charlottenburg-Wilmersdorf. Während der Finanzsenator als Befürworter des Privatisierungskurses gilt, sehen Vertreter der Opposition die Wohnungsverkäufe kritisch. Auch in den Reihen der Regierungskoalition wächst der Widerstand gegen die Veräußerung des städtischen Tafelsilbers: Zu den Wahlversprechen der PDS zählt die Ablehnung weiterer Wohnungsverkäufe – von Einzelfällen abgesehen.

Großes Interesse am Verkauf von Beständen hat dagegen vor allem die WBM. Um die finanziell angeschlagene Gesellschaft zu sanieren, wollen die Geschäftsführer rund 15 000 Wohnungen veräußern. Der Senat stoppte das Vorhaben und gab zunächst nur den Verkauf von etwa 3000 Objekten frei.

In Berlin sind noch rund 270 000 Wohnungen im Eigentum städtischer Gesellschaften. Die relativ günstigen Mieten bei diesen Immobilien galten in der Vergangenheit als Mittel, um den Preisauftrieb am Wohnungsmarkt zu bremsen. Doch in den letzten Jahren sank die Nachfrage, immer mehr Wohnungen stehen leer. Inzwischen haben sogar Gerichte befunden, in Berlin herrsche ein „Mietermarkt“.

Deshalb schritt die Privatisierung kommunaler Wohnungen seit der Veräußerung der Gehag im Jahr 1998 immer zügiger voran. Rund 70 000 Wohnungen gingen Berlin durch den Verkauf der Gemeinnützigen Siedlungs- und Wohnungsbaugesellschaft (GSW) vor zwei Jahren verloren. Und auch danach wurden viele kleinere Wohnungspakete an private Investoren verkauft. ball

Die Veranstaltung findet am 22. Mai um 19 Uhr im Berliner Congress-Centrum, Saal A08 statt, Alexanderplatz 4, Eingang „Haus des Lehrers“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben