Immobilien : Windende Lianen und üppige Büsche

Vom Geißblatt und der Heckenkirsche gibt es zahlreiche duftende Gartenformen

Tassilo Wengel

Als üppig wachsende Kletterpflanze erobert das Geißblatt schnell die Wipfel der Bäume, während die Heckenkirsche als Strauch häufig in Gebüschen an Feld- und Wiesensäumen zu finden ist. Beide gehören zur heimischen Pflanzenwelt und repräsentieren die reichhaltige Pflanzengattung Lonicera, die mit etwa 200 Arten auf der nördlichen Halbkugel verbreitet ist. Für den Garten gibt es zahlreiche schöne Formen. Zierend sind vor allem die Blüten, bei manchen Arten und Sorten auch die Früchte und einige schmücken sich das ganze Jahr mit immergrünem Laub.

Unter den Kletterpflanzen hat sich das Duft-Geißblatt (Lonicera x heckrottii) als wertvoller Dauerblüher einen wichtigen Platz im Hausgarten erobert. Den ganzen Sommer über erscheinen bis weit in den September in den Achseln der oberen Blattpaare die Blüten. Außen purpurrot und innen hellgelb, sind sie in quirlartigen Ständen vereint und verbreiten einen angenehm süßen, vanilleartigen Duft. Schmückend sind auch die scharlachroten Früchte. Diese schwach windende Pflanze eignet sich hervorragend für Klettergerüste von zwei bis vier Metern Höhe. Etwas kräftiger im Wuchs ist die Sorte ,Goldflame‘ mit bläulichgrünen Blättern und schönen karminroten Blüten.

Als Rote Geißschlinge wird landläufig Lonicera x brownii ,Dropmore Scarlet‘ bezeichnet. Diese ebenfalls schwach wachsende Pflanze erreicht etwa drei Meter Höhe und ist ebenfalls als Dauerblüher sehr wertvoll. Die leuchtend orangeroten Blüten erscheinen von Juni bis September, teilweise bis Oktober in reicher Fülle. Sie können bis viereinhalb Zentimeter lang werden, sehen wie kleine schmale Trompeten aus und entfalten sich an den Triebenden in Quirlen zu mehreren übereinander .

Besonders reich blühend ist das Gold-Geißblatt (Lonicera x tellmanniana), ein kräftig wachsender Schlinger von vier bis sechs Metern Höhe. Von Mai bis Juli hängen am Ende der Triebe die prächtigen Blüten in quirlartigen Ständen, die – wie der Name verrät – leuchtend goldgelb gefärbt sind. Ihnen folgen bald die attraktiven orangeroten Früchte. Für kleine Gärten empfehlen sich eher schwach wüchsige Sorten wie zum Beispiel ,Belgica‘, kaum windend und mit Blüten in Purpur und hell gelb oder die rot blühende ,Florida‘.

Üppiger Wuchs ist das Markenzeichen von Jelängerjelieber (Lonicera caprifolium), ebenfalls einer heimischen Geißblattart. Vielfach als Sinnbild der Liebe in der Malerei dargestellt, verewigte Rubens diese prachtvolle Pflanze auf einem Gemälde, das er „Die Geißblattlaube“ nannte. In Gärten schätzt man diese Art seit mehr als einhundert Jahren als beliebte Kletterpflanze, die sich an Kletterhilfen mühelos bis in die zweite Etage des Hauses emporwinden kann. Ihre Blätter sind unterseits blaugrün getönt und aus den Achseln der oberen Blattpaare entfalten sich von Mai bis Juli Quirle mit angenehm duftenden Blüten. Sie können bis fünf Zentimeter lang werden und sind weiß bis cremefarben, außen oft rötlich überlaufend. Im August und September reifen die koralleroten Früchte. Große Ähnlichkeit mit Jelängerjelieber hat eine Hybride, die bereits Anfang des 18. Jahrhunderts als Naturhybride in Südfrankreich gefunden wurde und als Lonicera x americana im Handel ist. Die duftenden Blüten erscheinen von Juni bis August in den Achseln der oberen Blätter, sind gelb-rot gefärbt und fünf Zentimeter lang.

Aus den Gebirgen Chinas stammt das Immergrüne Geißblatt (Lonicera henryi), eine stark wachsende Art, die sich an Klettergerüsten und Bäumen bis sechs Meter Höhe emporwindet. Wertvoll ist die Art vor allem wegen der immergrünen Belaubung, denn die Blüten sind wenig auffällig. Sie erscheinen von Juni bis August und haben eine gelbe bis rötliche Färbung. Ab September schmückt sich die Pflanze mit schwarzen, blau bereiften Beeren.

Neben den windenden Arten hält die Gattung auch einige strauchförmig wachsende Vertreter bereit, die sich ebenfalls im Garten gut verwenden lassen.

Eine der schönsten ist die Baum-Heckenkirsche (Lonicera maackii). Sie entwickelt sich im Alter zu einem weit ausladenden Strauch mit fast schirmförmiger Krone und einer Höhe von bis zu fünf Metern. Dekorativ sind nicht nur die leicht behaarten, länglichen Blätter, sondern vor allem die weißen, duftenden Blüten. Sie stehen zu Paaren in den Blattachseln und verfärben sich im Verblühen gelb. Im Herbst schmückt sich die Baum-Heckenkirsche mit zahlreichen dunkelroten Früchten.

Wenig bekannt ist Lonicera x purpusii, ein immergrüner Strauch von etwa zwei Metern Höhe, der als Winterblüher besonders interessant ist. Die rahmweißen Blüten erscheinen von Dezember bis in den April und verbreiten einen angenehmen, intensiven Duft. Sehr wirkungsvoll ist die Pflanze als Solitärgehölz im Vorgarten, am Wegrand oder anderen exponierten Gartenplätzen.

Einzeln oder in Gruppen lässt sich die Tatarische Heckenkirsche (Lonicera tatarica) verwenden, eine Art aus den Steppengebieten von Turkestan bis zum Altai. Die Pflanze wird zwei bis vier Meter hoch und entwickelt sich mit bogig abstehenden Ästen zu einer trichter- bis schirmartigen Form. Während die Blüten bei der Art weiß bis rot sind, gibt es auch Sorten mit Blüten in Purpurrosa und Dunkelrot.

Aus den Gebirgen Mittel- und Westchinas kommt die Immergrüne Heckenkirsche (Lonicera pileata). Sie wird nur etwa 80 Zentimeter hoch und bis 150 Zentimeter breit und eignet sich wegen ihrer Wuchsform gut als immergrüner Bodendecker.

.Alle Lonicera-Arten gedeihen gut in jedem normalen Gartenboden mit schwach saurer bis schwach alkalischer Bodenreaktion. Als Standort bevorzugen die meisten Arten lichten Schatten bis Halbschatten, nur Echtes Geißblatt, Tatarische Heckenkirsche und Baum-Heckenkirsche lieben viel Sonne.

Bezugsquelle: Havelländische Baumschule, Chausseestraße 13 a, 14542 Plessow, Telefon: 033 27 / 409 02, Fax 033 27 / 409 03. E-Mail: HavelBaum@t-online.de

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