Immobilien : "Wir bleiben ein Herlitz-Unternehmen"

RALF SCHÖNBALL

Vorstandschef der Falkenhöh AG über die Zukunft der Immobilientochter des BüroartikelherstellersVON RALF SCHÖNBALL N ach dem schwächeren Jahresabschluß des Büromultis Herlitz, wurden Absichten gemeldet, die Immobilientochter Falkenhöh AG zu verkaufen.Deren Vorstandsvorsitzenden Martin Kleinschmitt befragte Ralf Schönball dazu. TAGESSPIEGEL: Haben Sie schon Interessenten für Ihr Unternehmen, das seit der Vorstandsitzzung der Herlitz AG offenbar zum Verkauf ansteht? KLEINSCHMITT: Zunächst sind die Presseberichte der letzten Wochen etwas zu korrigieren.Wir suchen einen strategischen Partner für unser Untenehmen, und das ist nicht mit einem Verkauf gleichzusetzen.Es besteht Konsens mit der Herliz AG darüber, daß eine wesentliche Beteiligung der AG an unserem Unternehmen erhalten bleibt.Wir bleiben also ein Herlitz-Unternehmen.Das ist für uns wichtig, weil wir erhebliche Synergien aus der Verbindung mit Herlitz als Industrienunternehmen haben und vom Imagetransfer profitieren. TAGESSPIEGEL: War die schwierige Lage am Immobilienmarkt auch Ursache dafür, daß Sie nicht schnell vorankamen? KLEINSCHMITT: Die Dresdner Bank beteiligte sich 1994 zu 10 Prozent an unserem Unternehmen.Die gemeinsame Zielstellung war es, die Herlitz Falkenhöh AG bis 1999 zum Börsengang vorzubereiten.Dabei war immer auch die Option enthalten, stattdessen einen starken strategischen Partner aufzunehmen.Wir liegen also voll im Zeitplan.Außerdem führen wir bereits Vorgespräche über mögliche Partnerschaften, haben aber keinen zeitlichen Druck. TAGESSPIEGEL: Der Zeitplan dürfte nicht zuletzt von der Vermarktung der Wohnungen und Häuser abhängen, die sie errichten ... KLEINSCHMITT: Hier folgt der Neubau dem Verkauf, um keine Überkapazitäten zu erzeugen.Dadurch haben wir nicht den wirtschaftlichen Druck, etwas zu verkaufen, was sich am Markt nicht absetzen läßt.Bei unserem Projekt Am Borsigturm verzeichneten wir zudem einen Vermarktungserfolg bereits Ende letzten Jahres, als wir einen wesentlichen Teil des Gesamtvorhabens an den Offenen Immobilienfonds DEGI verkauften. TAGESSPIEGEL: An eine Tochter der Dresdner Bank, die selbst zu 10 Prozent der Falkenhöh trägt.Half das Geldhaus nach beim Geschäft zwischen den Töchtern? KLEINSCHMITT: Nein, die Geschäftsführung der DEGI hat immer betont, daß sie allein ihren Anlegern rechenschaftspflichtig ist.Der Übergabezeitpunkt für die fertiggestellten Immobilien ist im Jahr 1999.Damit ist unser größtes Projekt realisiert und verkauft zu dem Zeitpunkt, an dem wir entweder an die Börse gehen oder einen strategischen Partner aufnehmen.Das wiederum verspricht gute Erlöse für unserer Muttergesellschaft und legt gleichzeitig die Grundlage dafür, neue interessante Projekte in Angriff zu nehmen.Wir haben die Braut dann schon ein wenig geschmückt. TAGESSPIEGEL: Das Projekt am Borsigturm ist eines ihrer Bauvorhaben.Wie viele sind es insgesamt und in welchen Etappen werden sie fertiggestellt? KLEINSCHMITT: Wir haben zwei weitere, große Wohnungsbauprojekte.Die Gartenstadt Falkenhöh werden wir in den nächsten zwei bis drei Jahren vollenden.Wir bauen 200 bis 300 Einheiten pro Abschnitt, die wir dann zunächst verkaufen, bevor wir den nächsten Abschnitt beginnen.Am Ende werden rund 1700 Wohnungen auf dem Areal stehen.Unser jüngstes Projekt ist Neu Döberitz, westlich von Spandau.Hier entstehen rund 3000 Wohneinheiten, die wir gemeinsam mit der Landesentwicklungsgesellschaft Brandenburg in den nächsten zehn Jahren bauen.Zudem wollen wir parallel dazu einige kleinere Wohnungsbauvorhaben in Berlin und Umgebung realisieren.Das ist mit unserem Stamm von rund 120 Mitarbeitern gut möglich. TAGESSPIEGEL: Mußten Sie Garantien an den Käufer geben, daß er auch marktgerechte, also vermietete Immobilien erwirbt, und welchen Preis erlösten Sie bei dem Geschäft? KLEINSCHMITT: Dieser besagte erste Abschnitt des Gesamtprojektes Borsigturm besteht aus einem Einzelhandelszentrum, einem Multiplexkino, rund 16 000 Quadratmetern Büro, einem Hotel und einem Parkhaus.Über den Kaufpreis haben wir mit dem Erwerber Stillschweigen vereinbart.Wir übernahmen für einen Teil der Flächen angemessene Mietgarantien und sorgten so für eine faire Risikoverteilung.Die Vermietung der Büros garantieren wir nicht im vollen Umfang.Daß dennoch ein offener Immobilienfonds ein Projekt erwirbt, das zu diesem Zeitpunkt keine Vorvermietungen hatte, zeugt von der Attraktivität des Standortes in Reinickendorf.Hier besteht eine Unterversorgung mit Einzelhandel.Hinzu kommt die besondere Verkehrsanbindung dank Autobahn, Flughafen sowie U- und S-Bahn.Das Einzugsgebiet für das 22 000 Quadratmeter Verkaufsfläche große Zentrum reicht über die Berliner Stadtgrenzen hinaus.Zudem entwickelt sich hier ein völlig neuer Wirtschaftsstandort.Unser Gründerzentrum eröffneten wir am Freitag, zudem gibt es Produktionsflächen sowie einen Gewerbe- und Innovationspark.So werden hier einmal rund 4500 Menschen arbeiten. TAGESSPIEGEL: Sie haben attraktive Wohnungsbauten errichtet, die aber auch teuer sind.Werden Sie angesichts der künftig größeren Bedeutung von Eigennutzern die Preise zurücknehmen, und welche Ergebnisse haben Sie mit ihrem Unternehmen gehabt und erhoffen sie sich für die Zukunft? KLEINSCHMITT: Wir versuchen unterschiedliche Marktsegmente zu bedienen und konzentrieren uns auf die Reduzierung der Baukosten.Wir bieten Reihenhäusern mit 100 bis 140 Quadratmetern Wohnfläche ab 380 000 DM und bis 650 000 DM mit Grundstück an, für jeden Käuferanspruch etwas.Unser Unternehmen hatte 1996 einen Umsatz von rund 130 Mill.DM und erzielte einen Bilanzgewinn von 7,2 Mill.DM.Für 1997 peilen wir eine ähnliche Größenordnung an.

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