Immobilien : Wirkungsvolle Wedel

Aus den feuchten Tropen stammen zahlreiche Farne, die sich in kultivierter Form als Zimmerpflanzen bewähren

Tassilo Wengel

Lange bevor die ersten Blütenpflanzen die Erde besiedelten, existierten Farne. Ihre Entwicklung begann vor rund 400 Millionen Jahren und erreichte mit den riesigen Baumfarnen ihren Höhepunkt.

Neben diesen heute noch existierenden 20 Meter hohen tropischen Farnen gehören zur Klasse der Farne (Filicatae) etwa 10 000 Arten. Sie unterscheiden sich von den Blütenpflanzen nicht nur durch ihre Form, sondern vor allem durch eine spezielle Art der Vermehrung. Aus den an der Blattunterseite sich entwickelnden Sporen bildet sich auf feuchtem Boden ein Vorkeim mit männlichen und weiblichen Zellen, aus dem nach dem Verschmelzen dieser Zellen eine neue Farnpflanze heranwächst. Ihre größte Formenvielfalt erreichen die Farne in den feuchten Tropen. Hier gedeihen auch zahlreiche Vertreter, die sich als Zimmerpflanzen bewährt haben.

Zu den weit verbreiteten Zimmerfarnen gehört der Schwertfarn (Nephrolepis exaltata). Er ist der Vertreter einer Gattung mit etwa 30 Arten, die in den Tropen auf dem Waldboden oder als Aufsitzer auf Bäumen wachsen. Die Wedel entspringen einer Rosette, können bis 70 Zentimeter lang werden und hängen wirkungsvoll über. Sie bestehen aus zahlreichen Fiederblättern, die bei den einzelnen Sorten recht unterschiedlich ausgebildet sind. Neben einfachen glatten Fiedern gibt es auch Sorten in gewellter oder gekrauster Form.

Der Schwertfarn ist nicht sehr anspruchsvoll und gedeiht auch noch im Zimmer mit relativ trockener Luft von etwa 50 Prozent Luftfeuchte bei Temperaturen zwischen 20 und 22 Grad. Der Standort sollte hell, aber nicht sonnig sein. Zum Gießen verwendet man am besten Regenwasser oder entkalktes Leitungswasser und hält das Substrat immer gleichmäßig feucht. Staunässe schadet den Pflanzen mehr als gelegentliche Ballentrockenheit. Im Frühjahr oder Sommer sollte man den Farn verpflanzen.

Die Vermehrung des Schwertfarns ist recht einfach, denn er bildet lange fadenförmige Ausläufer. Sobald sie das Substrat berühren, entwickeln sich an ihnen Jungpflanzen. Sie können abgetrennt und eingetopft werden.

Erstaunlich gut kommt auch der Nestfarn (Asplenium nidus) mit der trockenen Luft unserer Wohnräume zurecht. Er ist in den feuchten Tropen von Ostafrika über das Malaiische Archipel bis nach Australien verbreitet und wächst auf Bäumen oder Felsen. Mit seinen über einen Meter langen, zungenförmigen Wedeln erreicht er enorme Ausmaße. Sein Name bezieht sich auf die Wuchsform, denn die Wedel bilden einen Trichter, in dem sich Humus und Wasser sammeln. Typisch für den Nestfarn sind die an der Unterseite der Wedel parallel zur Mittelrippe angeordneten Sporenlager (Sori). Ein heller bis halbschattiger Platz ohne direkte Sonne und übliche Zimmertemperaturen zwischen 20 und 24 Grad Celsius sind optimal. Bei zu trockener Luft zeigen sich an den Blatträndern braune Stellen. Dann sollte man durch gelegentliches Übersprühen der Pflanze oder einen Standortwechsel die Luftfeuchtigkeit erhöhen. Empfehlenswert ist ganzjährig eine gleichmäßige Ballenfeuchtigkeit ohne Staunässe und von Frühjahr bis Herbst eine monatliche Gabe eines milden Blumendüngers. Alle zwei Jahre kann der Nestfarn im Sommer verpflanzt werden.

Anspruchsvoller sind die Rippenfarne (Blechnum), die mit etwa 200 Arten vor allem in den Tropen und Subtropen der südlichen Hemisphäre zu Hause sind. Dort besiedeln sie hauptsächlich schattige Regenwälder mit hoher Luft- und Bodenfeuchtigkeit. Für das Zimmer ist der Höckerige Rippenfarn (Blechnum gibbum) geeignet. Er stammt von den Neuen Hebriden und wird auch als „Miniatur-Baumfarn“ bezeichnet. Im Laufe der Jahre bildet er einen Stamm von etwa einem Meter Höhe, den ein Schopf aus rosettenartig angeordneten Wedeln ziert.

Während junge Pflanzen gut im Zimmer zu halten sind, eignen sich ältere Exemplare wegen der Größe besser für einen Wintergarten oder das Treppenhaus. Das gilt auch für den Brasilianischen Rippenfarn (Blechnum brasiliense), obwohl diese Art mit Wedeln von etwa 60 Zentimetern Länge und einer Stammhöhe von etwa 50 Zentimetern etwas kleiner bleibt. Der Standort soll für die Rippenfarne hell, aber nicht sonnig sein und die Temperaturen im Winter zwischen 16 und 18 Grad Celsius liegen. Empfindlich reagiert der Rippenfarn auf kalte „Füße“. Ein Platz auf einem zugigen Fensterbrett ist daher völlig ungeeignet. Der Wurzelballen wird immer gleichmäßig feucht gehalten, denn die Art verträgt keine Trockenheit. Alljährlich im Sommer sollte umgepflanzt werden.

Recht häufig findet man im Handel den Saumfarn (Pteris cretica), der in fast allen tropischen und subtropischen Ländern vorkommt und auch im Mittelmeerraum anzutreffen ist. Von diesem hübschen kleinen Farn gibt es viele Sorten, die sich in Form und Farbe der Blattwedel unterscheiden. Die Palette reicht von hell- bis dunkelgrün, gelb und silbrigweiß panaschierte Sorten sind ebenso im Angebot, aber auch solche mit gefransten oder gekrausten Wedeln. Sehr schön ist die Sorte ,Albo-Lineata‘ mit einem silberweißen Mittelstreifen auf den grünen Fiedern.

Ein heller, aber halbschattiger Standort ist für alle Saumfarne am besten. Während vom Frühjahr bis Herbst die übliche Zimmertemperatur günstig ist, kann der Farn im Winter kühler stehen. In dieser Zeit sind Temperaturen zwischen zwölf und 16 Grad Celsius ausreichend. Das ganze Jahr über hält man das Substrat gleichmäßig feucht, vermeidet allerdings Staunässe. Verpflanzt wird dieser Farn jedes Jahr im Frühjahr.

Zum Umpflanzen der Farne sollten humose Mischungen verwendet werden, die Weißtorf enthalten. Hier bietet sich Einheitserde an, aber auch Substrate, die neben Weiß- und Schwarztorf auch Tonmineralien enthalten, sind geeignet. Der pH-Wert sollte zwischen 5 und 5,5 liegen.

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