Immobilien : Wo Wohnen unerschwinglich wird Immobilien in Europas Metropolen boomen

Ralf E. Krüger (dpa)
In Paris explodieren die Preise. Altbauten sind besonders gefragt. Foto: Ralf Krüger/dpa
In Paris explodieren die Preise. Altbauten sind besonders gefragt. Foto: Ralf Krüger/dpaFoto: dpa

Der fünf Quadratmeter große Raum in der Pariser Avenue Saint Mandé liegt in einem Altbau auf der sechsten Etage. Kein Wasseranschluss, kaum Licht – eine Abstellkammer in Toilettengröße.

Dennoch war die Verkaufsanzeige nach wenigen Tagen mit dem Schild „Vendu“ überklebt – verkauft! Die Maklerin macht kein Hehl daraus, dass der geforderte Kaufpreis von 30 000 Euro erzielt wurde. Ein Quadratmeterpreis von 6000 Euro – in Berlin wird für eine normale Wohnung gerade einmal die Hälfte gefordert.

Auch in anderen europäischen Metropolen belebt sich der Markt. In London etwa kostet eine 50- bis 60-Quadratmeter-Wohnung in halbwegs vernünftiger Lage um die 350 000 Euro, also mehr als 7000 Euro pro Quadratmeter. Wer Pech hat, findet dafür dann Schimmel an den Wänden, Mäuse im Keller und einfach verglaste Fenster vor.

Die Preise haben sich in den vergangenen zwei bis drei Jahren zwar nur unwesentlich verändert. Doch einem kleinen Einbruch in der Finanzkrise folgte rasche Erholung. Viele Viertel sind zudem im Modernisierungsprozess; die Preise steigen dort rasant – besonders, wenn die Stadtteile an den öffentlichen Nahverkehr angebunden werden. Noch unklar ist bisher der Effekt der bevorstehenden Olympischen Spiele.

In Paris macht der verrückte Wohnungsmarkt seit Wochen auf den Titelseiten Schlagzeilen. Nie zuvor lagen die Preise dort so hoch: die Notarkammer berichtet von einem Rekord bei den Preisen für Altbauten, die wie in anderen Metropolen auch weiter das Gros der Wohnungen ausmachen. Im Schnitt liegt der Quadratmeter-Preis bei 6680 Euro – im beliebten Viertel Saint-Germain sogar bei 12 440 Euro. „Die Nachfrage hat das Angebot weit hinter sich gelassen“, erklärt der Vorsitzende der Notarkammer für den Großraum Paris, Christian Lefebvre.

In Madrid zogen die Wohnungsverkäufe in den vergangenen Monaten dank steuerlicher Anreize und günstiger Preise an. Sie sind seit dem Platzen der Immobilienblase 2007 im Schnitt um bis zu 11 Prozent gefallen. Im gesamten Land waren es nach Regierungsangaben 12 Prozent – die Branche selbst spricht sogar von 17 bis 25 Prozent. Vor allem an der Mittelmeerküste um Valencia und Alicante, wo viele Spanier und auch Deutsche und Briten Ferienwohnungen haben, gingen die Preise in den Keller. Die Branche sitzt derzeit in ganz Spanien auf 600 000 bis 700 000 Wohnungen, die keine Käufer finden.

Der durchschnittliche Quadratmeterpreis in Madrid lag dem führenden Immobilienportal idealista.com zufolge im zweiten Quartal bei 3831 Euro – und damit nur leicht über Berliner Preisniveau. Auch in der deutschen Hauptstadt berichten Branchenvertreter von anziehender Nachfrage und steigenden Preisen. Auffällig teurer würden etwa Eigentumswohnungen im ehemaligen Ostteil, urteilt die bundeseigene Immobiliengesellschaft TLG. In mittleren Wohnlagen würden inzwischen bis zu 3500 Euro pro Quadratmeter gezahlt.

Junge Familien mit höherem Einkommen mieteten zunehmend Häuser, statt sie zu kaufen, beobachtet der Branchenverband IVD. Berlins Mietpreise liegen allerdings noch weit unter denen in Paris, wo 70- bis 75-Quadratmeter-Wohnungen in halbwegs guter Lage die 2000-Euro- Grenze hinter sich gelassen haben.

Pariser Verbraucherschützer rufen angesichts eines durchschnittlichen Mietpreises von 22,30 Euro pro Quadratmeter schon zum Einfrieren der Mieten auf. Der Siedlungsdruck ist dort enorm hoch: knapp 12 Millionen Menschen verteilen sich auf etwa 105 Quadratkilometern. Zum Vergleich: In Berlin sind es knapp 3,5 Millionen auf 891 Quadratkilometern.

Die französische „Liberation“ hat untersucht, was man sich für 300 000 Euro in Paris leisten könnte – und was man dafür in anderen Städten des Landes bekäme. Das Ergebnis war verblüffend. Gab es in Lille noch ein Haus mit großem Garten oder in Marseille ein 120 Quadratmeter-Appartement in bester Innenstadtlage, so reichte es in Paris nur für ein 30 Quadratmeter großes Zimmer. Ralf E. Krüger (dpa)

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