Wohnen in Brandenburg : Auf die Schiene gesetzt

Die Zahl der Baugenehmigungen wächst im Umland oft dynamischer als in großen Städten. Der Zuzug konzentriert sich entlang der Schienentrassen.

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Bauarbeiten nahe Potsdam. 38 Prozent der Brandenburger leben im "Speckgürtel".
Bauarbeiten nahe Potsdam. 38 Prozent der Brandenburger leben im "Speckgürtel".Foto: Ralf Hirschberger/dpa

In den Großstädten steigen die Mieten weiter, auf dem Land sind Wohnungen günstig. Dieses Phänomen ist nicht nur in Berlin und im Speckgürtel der Hauptstadt zu beobachten, wie das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) in der vergangenen Woche mitteilte.

Immer mehr Bauherren suchten deshalb Alternativen im Umland, wo die Baugenehmigungszahlen überdurchschnittlich zulegten. Die „Speckgürtel“ der Städte wüchsen, heißt es in dem Bericht „Wohnungs- und Immobilienmärkte in Deutschland 2016“. Danach werden im Umland der großen Städte nicht nur Einfamilienhäuser, sondern auch immer mehr Wohnungen gebaut.

Angesichts der hohen Baulandpreise in Großstädten suchen sich mehr Bauherren bezahlbare Alternativen im Umland, sodass sich aktuell eine leichte Verlagerung der Baugenehmigungen von den kreisfreien Großstädten in das Umland ergibt. Dies zeigen auch die unten aufgeführten „Top Five“ im Berliner Umland, wenn es um die Zuzugszahlen geht.

Die Zahl der Baugenehmigungen in den städtischen und ländlichen Kreisen wächst aktuell deutlich dynamischer als noch im Jahr 2014. Geht es um die Immobilienwahl, sind viele Parameter zu beachten. Eine wichtige Rolle spielt dabei das direkte Umfeld, wie das aktuelle „Immobilienbarometer“ von Interhyp und ImmobilienScout24 Mitte August auf der Grundlage einer Studie mitteilte.

Für die Mehrheit der Deutschen sind die „Must-Have‘s“ ihres Traumobjektes gute Einkaufsmöglichkeiten sowie eine günstige Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel. Im Gegenzug sind Lärm und problematische Nachbarn „No Go‘s“ in der Umgebung.

Der Lärm ist lästiger als problematische Nachbarn

2010 wollten laut Erhebung aus dem Mai 2016 noch zwei Drittel aller Befragten (64 Prozent) von einem Hauskauf Abstand nehmen, wenn die Nachbarschaft nicht den Vorstellungen entsprach. Heutzutage ist das am häufigsten genannte Ausschlusskriterium der Lärm, zum Beispiel durch eine große Straße (46,7 Prozent). Die problematische Nachbarschaft ist auf den zweiten Platz gerückt und stört sechs Jahre später nur noch 36 Prozent der Immobilieninteressenten.

Als weitere „No Go‘s“ in der Umgebung werden eine fehlende Garage (22 Prozent) genannt und Objekte ohne Garten (26,9 Prozent). Um zu diesen Ergebnissen zu kommen, wurden für die Immobilienbarometer-Umfrage 2225 Kaufinteressenten befragt.

Oberste Priorität bei der Lageauswahl haben gute Einkaufsmöglichkeiten, gefolgt von einer guten Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln, Naturnähe sowie ärztlicher Versorgung. Gut ein Drittel der Befragten bezieht die Entfernung zum Arbeitsplatz bei der Objektauswahl mit ein.

Potsdam ist Spitzenreiter bei den Zuzugszahlen

Es ist dabei nicht naturgegeben, dass das Umland finanziell günstiger ist als die Metropole ganz in der Nähe. In den Metropolregionen München, Stuttgart und Rhein-Main zum Beispiel werden die hohen Mieten weit in die ebenfalls wirtschaftlich starken Umlandkreise getragen.

In anderen Regionen wie in der nordrhein-westfälischen Rheinschiene oder im Großraum Berlin reichen die hohen Mieten der Großstädte nur bis in das engere Umland, so das BBSR in seinem Bericht über die Immobilienmärkte 2016. Vor allem durch die Wanderungsgewinne prosperierender Städte und ihres Umlands sind dort die Wohnungsleerstände im marktaktiven Segment zwar rückläufig. Andererseits sind Schrumpfungsregionen umso stärker von zunehmenden Leerständen betroffen.

Die zehn Gemeinden, die in den letzten zehn Jahren die größten Zuzugszahlen zu vermelden hatten, sind im Berliner Umland die unten aufgeführten Städte Potsdam, Falkensee, Oranienburg, Königs Wusterhausen und Bernau – gefolgt von Hennigsdorf, Hohen Neuendorf, Strausberg, Hoppegarten und Schönefeld auf den Plätzen sechs bis zehn. Die Zuzugszahlen zeigen, dass das Wachstum sich generell entlang der Schienentrassen konzentriert.

Richtet man den Blick auf die zehn Gemeinden, die in den letzten zehn Jahren prozentual am stärksten gewachsen sind, so ergibt sich bei der Auswertung der Zahlen der Statistikämter ein anderes Bild: Teltow wuchs mit 25,4 Prozent am stärksten, gefolgt von Glienicke/ Nordbahn mit immerhin 23 Prozent. Auf Platz drei: Dalgow-Döberitz mit einem Wachstum von zwanzig Prozent. Auf den Plätzen vier bis zehn: Großbeeren, Hoppegarten, Schönefeld, Wustermark, Potsdam, Stahnsdorf und das Mühlenbecker Land.

Am stärksten wächst die Bevölkerung also im südlichen und westlichen Umland Berlins. Aktuell wohnen im Speckgürtel bereits deutlich mehr als 900 000 Menschen. Die Statistiker rechnen mit weiteren 75 000 Zuzüglern bis 2030.

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