Immobilien : Wohnen in Paris: Ein Abenteuer ohne Glanz und Glamour

Vermieter stellen Studenten aus dem Ausland auf eine harte Probe – Komfort gibt es nur gegen viel Bares.

Sabine Vogel (dpa)
Auf Zimmersuche. Viele ausländische Studenten beginnen ihr erstes Semester in Paris mit einem Spießrutenlauf. Foto: Reuters
Auf Zimmersuche. Viele ausländische Studenten beginnen ihr erstes Semester in Paris mit einem Spießrutenlauf. Foto: ReutersFoto: REUTERS

„Das hier müsste ich eigentlich mal wegmachen“, sagt Malak Maatoug und zeigt auf die Schimmelflecken an seiner Wand. Der 22-jährige Berliner studiert Kulturwissenschaften und ist mit dem Austauschprogramm Erasmus nach Paris gekommen. Dort wohnt er in einem zwölf Quadratmeter großen Dachzimmer im siebten Stock. Die schwarzen Flecken über dem Bett sind nicht das einzige Problem. Das Fenster ist undicht, und die Elektroheizung, die in der Ecke steht, funktioniert auch nicht. „An manchen Morgen war es so kalt in meinem Zimmer, dass ich mich gar nicht getraut habe, aus dem Bett aufzustehen“, erzählt er.

„Wenn du Glück hattest, als junger Mensch in Paris zu leben, dann trägst du die Stadt für den Rest deines Lebens in dir, wohin du auch gehst, denn Paris ist ein Fest fürs Leben“, schrieb Ernst Hemingway über Paris in den 1920er Jahren. Viele deutsche Studenten, die heute für ein Auslandssemester nach Paris kommen, verabschieden sich aber schon bei der Wohnungssuche von manchen romantischen Vorstellungen. Auch Malaks Zimmer ist eine für Paris typische Studentenunterkunft. Es ist eines der Bedienstetenzimmer, in denen ab Mitte des 19. Jahrhunderts das Hauspersonal der Pariser Bourgeoisie wohnte. „Viele Studenten beziehen ein Chambre de bonne, weil sie gerne zentral wohnen. Wohnungen sind den meisten zu teuer“, sagt Alfonso Mostacero, der ausländische Studenten an der Pariser Universität Sorbonne betreut. Wohngemeinschaften sind weniger verbreitet als in Deutschland, viele Studenten leben noch bei ihren Eltern.

Der durchschnittliche Mietpreis liegt in Paris bei 22 Euro pro Quadratmeter, bei kleinen Wohnungen auch höher. Ein zehn bis zwölf Quadratmeter großes Zimmer ohne Küche und Bad kostet im Schnitt etwa 400 Euro monatlich. Die Vermieter renovieren die Zimmer nur ungern, die Nachfrage ist groß genug. Da das Personal früher in der Küche des Dienstherren aß, gibt es auch nur selten Küchen, von Badezimmern ganz zu schweigen. Die Toilette befindet sich in vielen Fällen genau wie damals im Hausflur auf der Halbtreppe. Bei Malak gibt es nicht einmal Licht auf der Toilette, er zündet eine Kerze an. Bei anderen gibt es statt einer Spülung einen Wassereimer.

Die Wohnungssuche ist für ausländische Studenten oft ein Drama. Der 25-jährige Lukas Haupt studiert in Bremen Wirtschaftswissenschaften und ist für ein Praktikum nach Paris gekommen. Er spricht gut Französisch und brachte bereits alle Unterlagen mit, die Pariser Vermieter oft sehen wollen, unter anderem eine Bürgschaft seines Vaters samt dessen Lohnabrechnung und einer Bescheinigung über dessen Immobilienbesitz. „Ein paar Mal haben mir die Vermieter gleich gesagt, dass sie keine Ausländer wollen, weil es schwierig sei, einen Ausländer zu verklagen, wenn er seine Miete nicht zahlt“, sagt Haupt. Fünf Wochen lang dauerte die Suche, zwölf Zimmer hatte er sich angesehen, bis er einen Mietvertrag bekam: Für 15 Quadratmeter zahlt er 675 Euro. Sabine Vogel (dpa)

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