Immobilien : Wohnen und wohnen lassen

Wer sein Domizil während des Urlaubs nicht allein lassen möchte, kann Haushüter engagieren – für 50 Euro am Tag

Kerstin Heidecke

Noch ist der Beruf ziemlich neu. Zumindest in Deutschland. In den USA ist der Housesitter oder Haushüter längst gang und gäbe. Wenn die Familie in Urlaub fährt, betreut er das Haus, gießt die Blumen, sichtet die Post, sprengt den Rasen, füttert die Katze. Das Wichtigste aber: Er schreckt Einbrecher ab. Denn besonders die Urlaubszeit ist Einbruchzeit. Wenn Einfamilienhäuser und Wohnungen wochenlang leer stehen, beobachten das nicht selten auch professionelle Langfinger – alle zwei bis vier Minuten wird in Deutschland ein Einbruch begangen.

Weil Haushüter für die vereinbarte Zeit im Objekt wohnen, empfiehlt die Stiftung Warentest einen Haushüter als gute Möglichkeit, Einbrüchen vorzubeugen. Und auch Studien des Deutschen Forums für Kriminalprävention bestätigen die abschreckende Wirkung eines bewohnten Hauses auf potenzielle Straftäter.

Nur für drei Stunden am Tag und eine Stunde während der Dunkelheit darf der Haushüter das zu betreuende Heim verlassen. So steht es in der Dienstanweisung des Verbandes Deutscher Haushüter-Agenturen. 28 gibt es derzeit davon in Deutschland. Wer dort seinen Housesitter bucht, weiß ziemlich genau, was er bekommt. „Wir beschäftigen verantwortungsbewusste Senioren. Oft waren sie früher in Führungspositionen und wollen sich noch nützlich machen“, sagt Günter Kratz vom Verbandsvorstand. Ein blütenreines polizeiliches Führungszeugnis ist Voraussetzung für den Job. Der Kunde lernt den Haushüter vor der Übergabe kennen, bespricht mit ihm Details.

Ganz billig ist die Hausbetreuung nicht: Etwa 50 Euro täglich, Sonderwünsche gehen extra, etwa die Pflege eines Haustieres. Schon das ist manchem die Ausgabe wert. „Denn für Tierhalter ist der Urlaub ein Problem, wenn ihr Hund oder ihre Katze verstört auf Ortswechsel reagieren“, sagt Günter Kratz. Im Preis mit drin sind Betriebshaftpflicht- und Unfallversicherung für den Haushüter. Kratz: „Das ist einer unserer Vorteile gegenüber freien Anbietern. Denn im Haushalt kann immer mal etwas zu Bruch gehen.“ So geschehen, als kürzlich ein Haushüter über den Sennenhund der Familie stolperte, Halt suchte und nach der teuren Wanduhr griff, die dann auf dem Boden zerschellte.

Reich wird der Haushüter nicht, rund 15 Euro am Tag erhält er. Aber er bekommt kostenfrei einen Tapetenwechsel und eine Aufgabe. So wie der 59-jährige Berliner Horst Rathfux. Über eine Zeitungsanzeige hatte er sich bei einer Haushüter-Agentur beworben. „Ich war nach Krankheit und Operation berufsunfähig. Aber in fast 60 Lebensjahren hat sich viel an Erfahrung und Wissen angesammelt, das muss doch nicht brachliegen“, findet der ehemalige Lehrer. So hütet er jetzt zweimal im Jahr fremde Häuser. Und hat genug Freizeit, um die unbekannten Gegenden zu erkunden. „Am besten hat es mir bisher in der Lüneburger Heide gefallen“, erzählt Rathfux. Sogar über Weihnachten hat er schon eine fremde Wohnung behütet – mit seiner Frau.

Extrawünsche wie den Einkauf knackfrischer Salate für die daheim gebliebenen Schildkröten erfüllt er gelassen. Haariger war allerdings der Besuch eines Gläubigers, der vor einem Haus in Neuss stand. „Ich habe ihm erklärt, dass ich nicht der Hausherr bin und ihm kein Geld geben kann. Daraufhin hat der Mann mich übel beschimpft.“ In solchen Fällen ist strategisches Geschick gefragt. Waffen tragen die Haushüter nicht. „Wenn ’s ernst wird, können wir nur unsere Agentur und die Polizei verständigen“, sagt Rathfux.

Eine andere Möglichkeit des Housesitting ist der Haustausch. Dabei geht es den Mitgliedern allerdings besonders darum, günstig Urlaub zu machen. Einer der größten Anbieter ist Home Link. Die Haustauschbörse agiert weltweit. Seit Ende der Siebzigerjahre gibt es Home Link als eingetragenen Verein in Deutschland. Der Berliner, der eine Fortbildung in München machen möchte, kann in der HomeLink-Datenbank nach einer kostenfreien Bleibe suchen; genauso wie die Familie, die einen Australien-Urlaub plant. Möglich ist jede Variante: Der Wohnungstausch auf Gegenseitigkeit zur gleichen Zeit. Der zeitversetzte Tausch – oder das Haushüten. Die Mitgliedschaft kostet 120 Euro im Jahr plus 15 Euro für ein Foto. Home-Link-Sprecher Manfred Lypold: „Obwohl unsere Mitglieder sich vor dem Tausch meist nur per Internet und Telefon kennen lernen, hatten wir in den vergangenen Jahrzehnten nur sehr wenige Beschwerden und nie einen Diebstahl.“

Für das Konzept spricht, dass Mitglieder es immer wieder tun. Einer von ihnen ist der Vermessungsingenieur Dirk Kowalewski aus Staaken: „Mit zwei Kindern könnten wir sonst nicht mehrmals im Jahr verreisen. Acht Mal haben wir jetzt schon unser Haus getauscht, sogar mit Autos. Die anfängliche Hemmschwelle überwindet man, denn wir vertrauen uns unsere Häuser ja gegenseitig an.“ So richtig geärgert hat er sich beim Haustausch nur ein Mal. „Dort sollten wir nur nach 20 Uhr Waschmaschine und Geschirrspüler benutzen, wegen des Nachtspartarifs. Wer so strenge Regeln aufstellen will, sollte vielleicht besser nicht tauschen.“

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