Immobilien : Wohnen, Wiese, Wald und Wannsee

Ehemaliges Klinikgelände in Heckeshorn wird zur Siedlung mit Einfamilien- und Reihenhäusern

Christian van Lessen

Immer wieder halten Autofahrer oder auch Radler in der Einbahnstraße inne, um sich die Sache genauer anzugucken. Passanten bleiben stehen, schauen auf das Bauschild. Und auf das, was dahinter schon an Neuem zu sehen ist. Hier verbarg sich einst recht unauffällig ein Schwesternheim der Klinik Heckeshorn unter Bäumen. Nun aber öffnet sich ein größeres, teils sandiges, teils mit Rasen bepflanztes Terrain. Neue, schlüsselfertige Häuser stehen dort, Bauarbeiten deuten darauf hin, dass noch mehr Gebäude errichtet werden. An der Straße Zum Heckeshorn in Wannsee, in der Nähe des Flensburger Löwendenkmals, wird groß gebaut und das erregt bei Anwohnern und Ausflüglern erst einmal eine gewisse Skepsis – aber auch viel Neugierde. Natürlich vor allem bei denen, die sich vorstellen, hier einmal wohnen zu können.

Andrea Stroszczynski hat sich das zunächst nicht so recht vorstellen können. Sie wohnte bis vor kurzem in Prenzlauer Berg, an der Prenzlauer Allee. Sie hatte wegen der vielen Autos oft Angst um den Nachwuchs. „Ein kleines Kind will raus, ich hätte es keine Sekunde allein lassen können.“ Die junge Akademikerfamilie entschloss sich – anfangs noch zweifelnd – zum Umzug in eine andere, grünere, ruhigere Welt. „Wir dachten, wir würden Prenzlauer Berg vermissen“, sagt sie.

Aber der Trennungsschmerz währte nur kurz. Nun lebt sie in Zehlendorf, am Rand des Wannsees, in den ersten Häusern der Eigenheimsiedlung. Mit dem Bau wurde im letzten Jahr ohne viel Aufsehen begonnen, jetzt ist die Siedlung gut zur Hälfte fertig. Das schwedische Unternehmen NCC verkauft die Eigenheime schlüsselfertig. Ende nächsten Jahres soll nach Auskunft von Teus van Mourik alles fertig und möglichst auch veräußert sein. Der gebürtige Holländer gehörte zu den ersten, die hier einzogen. Und er ist für den Vertrieb der Wohnungen zuständig, führt regelmäßig durch die Musterwohnung. Insgesamt sollen sieben Einfamilienhäuser, zwanzig Doppelhaushälften und sieben Reihenhäuser entstehen.

Er berichtet, dass neun Wohnungen bisher belegt, zwei weitere verkauft sind. Die neuen Bewohner – das seien Zuzügler aus Stuttgart oder Frankfurt am Main, natürlich auch Berliner – etwa auch aus der Wannseeer Umgebung. Sie verdienten gut, seien Ärzte oder Geschäftsleute, auffallend viele Juristen. Er selbst hat Jura studiert, arbeitet hauptberuflich als Reiseunternehmer. Viele Passanten fragten ihn beim Anblick der Siedlung, ob es sich um Ferienhäuser handele, sagt er.

Vielleicht sind es allein die Lage und der lockere Baustil der zwei bis dreigeschossigen, „Stein auf Stein“ gebauten Häuser, die an Urlaub denken lassen. Auch die Prospekte des Bauherrn wirken auf den ersten Blick wie ein Ferienkatalog. „Willkommen auf der Insel Wannsee – Ihrem familienfreundlichen Naturparadies“. Die Häuser selbst könnten in die Landschaft einer Modelleisenbahn passen, sind nach Ansicht von Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD) „nicht der große architektonische Entwurf“. Aber sie haben große Fenster, überraschen im Inneren durch 2,69 Meter hohe Decken, vermitteln ein luftiges Raumgefühl und sind sehr hell. Die Bewohner haben auch die Möglichkeit, Wände – so es nicht tragende Teile sind – zu versetzen und Dachräume zu einer Terrasse zu erweitern. Wer will, kann sich auch einen Kamin oder eine Sauna in der Wohnung einrichten lassen. Platz genug ist da. Die Häuser sind zwischen 153 und 238 Quadratmeter groß. Das hat seinen Preis. Er beginnt bei 329 000 Euro (hier kämen für einen Keller noch weitere 22 500 Euro hinzu) und endet bei 498 000 Euro.

Eine kostbare Gegend – dazu mit Südwestlage in Richtung See. Die Königstraße ist das nächste Einkaufsgebiet. Wer hier wohnt, weiß, worauf er sich einlässt. Er braucht, um Anschluss an Geschäfte oder die S-Bahn in Wannsee zu finden, ein Auto, ein Fahrrad, den Bus. Dafür hat er ein Ausflugsgebiet vor der Haustür. Das Gelände ist, obwohl noch nicht fertig, umzäunt, die Kinder spielen sicher und vergnügt, etliche Nachbarn verzichten auf Grundstücksgrenzen.

Andrea Stroszczynski atmet durch. Die Luft ist frisch, der Baulärm hält sich in Grenzen. Sie hat von ihrer Terrasse noch einen recht weiten, freien Blick. Aber sie weiß, dass es hier bald doch etwas enger wird. So, wie es auf dem Bauschild vor der Siedlung aussieht. Die gegenüberliegenden Häuser müssen erst noch gebaut werden.

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