Wohnheimplätze : Studentenbuden bleiben in Berlin Mangelware

Eine neue Allensbach-Umfrage zeigt: Bezahlbarer Wohnraum für Studierende ist schwer zu finden. Von geplanten 5000 neuen Wohnheimplätzen ist nicht einmal die Hälfte in Sicht.

Susanne Ehlerding
Großer Bedarf. 82 Prozent der Berliner Studierenden beklagen sich über die Situation auf dem Wohnungsmarkt.
Großer Bedarf. 82 Prozent der Berliner Studierenden beklagen sich über die Situation auf dem Wohnungsmarkt.Foto: Thomas Frey/dpa

Fast drei Viertel der Studenten beklagen sich über Schwierigkeiten bei der Suche nach bezahlbaren Wohnungen. Von rund 2000 befragten Studenten im Alter von 18 bis 29 Jahren gaben 72 Prozent an, dass bezahlbarer Wohnraum schwer zu finden sei, wie eine in dieser Woche in Berlin veröffentlichte Allensbach-Umfrage für das Reemtsma-Begabtenförderungswerk ergab. In Berlin ist die Lage deutlich angespannter. Hier beklagten sich sogar 82 Prozent der Befragten über die Situation auf dem Wohnungsmarkt – der Spitzenwert im Vergleich der Bundesländer.

Das Deutsche Studentenwerk (DSW) forderte Bund und Länder auf, mehr Wohnheimplätze zu schaffen. Die Studie sei ein weiterer Beleg dafür, „wie dringend zusätzlicher, staatlich geförderter und damit bezahlbarer Wohnraum für Studierende geschaffen werden muss“, erklärte DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde.

Klaus Wowereit (SPD) hatte den Berliner Studierenden bereits vor über einem Jahr mehr Wohnheimplätze versprochen. Der Senat werde alles dafür tun, zusätzliche Kapazitäten zu ermöglichen, hieß es nach einem Gespräch des Regierenden Bürgermeisters mit Petra Mai-Hartung, der Geschäftsführerin des Studentenwerks Berlin. 5000 zusätzliche Wohnheimplätze sollten geschaffen werden.

Doch in der Praxis kommt das Studentenwerk auch bei landeseigenen Flächen kaum zum Zug. Fünf Grundstücke waren in der engeren Auswahl, rund 500 Wohnheimplätze hätten in Wedding, Steglitz und Weißensee entstehen können. Doch letztlich blieben die Bemühungen ohne Ergebnis. Der Grund: Weil das Land Berlin für das Studentenwerk als Anstalt des öffentlichen Rechts haftet, soll es keine Kredite aufnehmen, sagt Ricarda Heubach, Leiterin der Abteilung studentisches Wohnen beim Studentenwerk Berlin.

1600 Studierende stehen zum Semesteranfang regelmäßig auf der Warteliste

Im Grunde müsste dieses Gebot fallen, damit das Studentenwerk mehr unternehmen kann, als Gebäude instand zu halten – wofür Rücklagen gebildet werden. Bei Sanierungsvorhaben wird es bereits eng. Gestoppt wurden jetzt Verhandlungen des Studentenwerks mit der Berliner Immobilienmanagement Gesellschaft, einer Tochtergesellschaft des Landes, die Dienstgebäude zentral verwaltet. In den Gesprächen ging es darum, die Hälfte des Wohnraums eines Internates in Prenzlauer Berg mit 120 Plätzen zu übernehmen. Jetzt geht es an die städtische Wohnungsbaugesellschaft Berlin-Mitte (WBM), sagt Ricarda Heubach.

1600 Studierende stehen zum Anfang eines Wintersemesters regelmäßig auf der Warteliste des Studentenwerks Berlin. Kein Wunder, denn die Glücklichen, die einen Platz ergattern, müssen im Schnitt nur 204 Euro für ein Zimmer zahlen. 9500 Plätze kann das Studentenwerk anbieten; damit sind rund sechs Prozent aller Studierenden versorgt. Früher haben Studierende praktisch problemlos bezahlbaren Wohnraum in den beliebten studentischen Wohngebieten wie Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte oder Prenzlauer Berg bekommen. Doch hier hat sich die Lage dramatisch geändert.

In Verhandlungen mit Grundstücksgebern oder Immobilienbesitzern hat Ricarda Heubach immer wieder erlebt, dass am Ende doch private Investoren zum Zuge kamen, weil sie mehr Geld bieten konnten. Darum möchte sie den Standort eines kirchlichen Wohnheims nicht nennen, bei dem die Übernahmeverhandlungen kurz vorm Erfolg stehen. Immerhin 95 Plätze könnten hier erhalten werden und in die Trägerschaft des Studentenwerks übergehen.

Der Weg zu mehr Wohnheimplätzen ist also steinig. Angewiesen auf Plätze des Studentenwerks sind vor allem ausländische Studierende, sagt Ricarda Heubach. Auf dem freien Markt findet sich kaum ein Vermieter, der ihnen einen Mietvertrag gibt. „Deutsche mit Eltern im Hintergrund, die als Bürgen auftreten, haben es leichter", sagt Heubach.

Investoren und Projektentwickler wittern gutes Geschäft

Für solvente Kunden bauen private Investoren mehr und mehr Studentenwohnungen als Renditeobjekte, 400 allein an der Keibelstraße am Alexanderplatz. „Studio:B“ ist ein Projekt der auf Studentenwohnungen spezialisierten Lambert- Gruppe aus Regensburg. 2015 sollen die Wohnungen fertig sein, knapp 20 Euro pro Quadratmeter werden hier fällig. Wie bei den meisten Studentenwohnungen ist es ein All-inclusive-Preis. Offenbar rechnen sich solche Apartmenthäuser. Laut der jüngsten Sozialerhebung des Studentenwerks haben Studierende in Deutschland durchschnittlich 864 Euro im Monat zur Verfügung, ein Viertel aber kann mehr als 1000 Euro ausgeben, sieben Prozent sogar mehr als 1300 Euro. Für sie sind Wohnungen bezahlbar, die das Unternehmen International Campus unter der Marke „The Fizz“ baut. Gut 200 Apartments an der Köpenicker Straße sollen zum Wintersemester bezugsfertig sein, 460 bis 630 Euro sind hier als Mietpreise aufgerufen.

Auch der deutschlandweit tätige Immobilienentwickler GBI hat nun ein Projekt in Berlin. Auf dem Campus der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) in Treptow errichtet das Unternehmen ein Apartmenthaus aus seiner SMARTment-Reihe mit 200 Wohnungen. Baubeginn soll Anfang 2015 sein, die Miete 385 Euro betragen. Geplant ist der Umbau der ehemaligen kubanischen Botschaft an der Warschauer Straße zu 400 edlen Studentenapartments durch Cresco Capital, einen Investor aus London.

Doch nicht nur große Projektentwickler tummeln sich auf dem Markt. Viel beachtet wird eine ungewöhnliche Siedlung aus Frachtcontainern im Plänterwald, wo ein Teil der 400 Wohnheimplätze zum Preis von 390 Euro schon bezogen ist. Die Studentendorf Schlachtensee Genossenschaft baut 380 Plätze in Adlershof. Sie sollen zum Wintersemester bezugsfertig sein, die Miete liegt zwischen 390 und 450 Euro im Monat. Ein weiteres Projekt hat sich die Genossenschaft am Friedrichshainer Spreeufer vorgenommen. Dort ist sie als Betreiberin für das geplante Studentenwohnhaus im Holzmarkt-Projekt vorgesehen. Auch in Schöneweide tut sich Neues: Für den dortigen zweiten Standort der HTW ist ein Neubau mit 140 Wohnungen und ein ökologischer „Bambus-Campus“ in einem bestehenden Gebäude mit 100 Einheiten geplant. Überlegungen gibt es für den Umbau des alten Kulturhauses mit 150 Plätzen.

Zählt man diese Vorhaben zusammen, könnten in Berlin bald mehr als 2000 neue Wohnheimplätze für Studierende auf den Markt kommen. Sie kosten aber wohl alle mehr als die 300 Euro monatlich, die laut Sozialerhebung des Studentenwerks zurzeit im Schnitt bezahlt werden. Die große Sorge der Studierenden, in Berlin keinen bezahlbaren Wohnraum zu finden, ist weiterhin begründet.

0 Kommentare

Neuester Kommentar