Wohnungsverwalter : Beruf ohne Brief und Siegel

Die Klagen über Missmanagement häufen sich. Verbraucherschützer fordern Sachkundenachweis.

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Ein guter Hausverwalter muss neben technischen und rechtlichen auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen. Eigentümer bemängeln regelmäßig fehlerhafte Abrechnungen.
Ein guter Hausverwalter muss neben technischen und rechtlichen auch betriebswirtschaftliche Kenntnisse mitbringen. Eigentümer...Foto: Jens Büttner/dpa

In diesen Wochen finden sie wieder einmal statt: die jährlichen Versammlungen der Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG), in denen über die Höhe des Hausgelds, die Planung von Instandhaltungsarbeiten und nicht zuletzt über die Entlastung des Verwalters entschieden wird. Über dessen Qualität kommt es dabei nicht selten zu Diskussionen. Eine ganze Reihe von Versäumnissen listet der Verbraucherschutzverein Wohnen im Eigentum auf: fehlerhafte Jahresabrechnungen, mangelhafte Instandhaltung, unvollständige Beschlusssammlungen – und im Extremfall Veruntreuung von Geldern der Wohnungseigentümer.

Nicht nur Verbraucherschützer sehen einen wesentlichen Grund für diese Mängel darin, dass in Deutschland keine Zugangsvoraussetzungen für den Beruf existieren. Wer ein Gewerbe angemeldet hat, kann loslegen – obwohl die Aufgaben anspruchsvoll sind. Der Verwalter muss ordnungsgemäß mit den Geldern der Eigentümer umgehen, sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen auskennen, Architekten und Handwerker beauftragen sowie den richtigen Umgangston auch mit schwierigen Eigentümern finden.

„Der ideale Verwalter muss gleichzeitig Jurist, Techniker, Betriebswirtschaftler, Mediator und Seelsorger sein“, sagt Martin Kaßler, Geschäftsführer des Dachverbandes Deutscher Immobilienverwalter (DDIV). In den vergangenen Jahren hätten sich die Anforderungen noch erhöht: „Trinkwasserverordnung, Mietrechtsänderungsgesetz, neue Energieeinsparverordnung: mit all dem muss der Verwalter sich auseinandersetzen.“ Auch die Energiewende sei ohne kompetente Verwalter nicht zu schaffen – denn die energetische Gebäudesanierung sei teuer und stelle die Eigentümergemeinschaften vor große Herausforderungen.

Insbesondere weil die Anforderungen so hoch sind, setzen sich sowohl die Berufsverbände der Verwalter als auch Verbraucherschützer dafür ein, dass der Gesetzgeber den Zugang zum Beruf reglementiert. „Wir müssen Eigentümer und Mieter besser schützen, und das geht nur mit der Einführung von Mindestvoraussetzungen für die Tätigkeit als Immobilienverwalter“, sagt Kaßler, in dessen Verband gut 1600 Verwalter organisiert sind. Die Politik fordert er auf, „endlich dafür zu sorgen, dass eine Vermögens- und Vertrauensschadenhaftpflichtversicherung für jeden Verwalter zur Pflicht wird“.

Diese Forderung nach einer Versicherungspflicht geht anderen Interessenverbänden nicht weit genug. So spricht sich der Immobilienverband IVD in einem Positionspapier zur Bundestagswahl für die Einführung eines gesetzlich vorgeschriebenen Sach- und Fachkundenachweises aus. „Der Eigentümer“, heißt es darin, „muss vor der Gefahr geschützt werden, an einen Verwalter zu geraten, der nicht über die erforderliche Sach- und Fachkunde verfügt.“ Einen solchen Nachweis verlangt auch der Verein Wohnen im Eigentum. Geprüft werden sollten laut Gabriele Heinrich, geschäftsführendes Vorstandsmitglied, unter anderem Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Rechnungswesen, Miet- und Baurecht, Kommunikation und Gruppenmoderation.

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