Immobilien : Zarte Überlebenskünstler

Duftende, leuchtende Blüten schmücken die Pfingstnelken

Waltraud Hennig-Krebs,Tassilo Wengel

Eine kleine zarte Pflanze, die in der Natur nur noch recht selten anzutreffen ist und deshalb seit längerem auf der Roten Liste der gefährdeten Arten steht, ist die Pfingstnelke (Dianthus gratianopolitanus, syn. Dianthus caesius). Wegen ihrer schönen Blüten und ihres Duftes gehörte sie zu den Blumen, die die Menschen ausgruben und auf diese Weise bereits seit dem Mittelalter in ihre Gärten holten. Das darf heute niemand mehr, zumal es eine Reihe von schönen Züchtungen gibt, die ursprünglich von der wilden Pfingstnelke abstammen.

Einer etwas blutrünstigen Legende zufolge, die der römische Dichter Ovid niedergeschrieben haben soll, verdanken die Menschen der Jagdgöttin Diana die Pfingstnelke. Der Sage nach überraschte sie nach einer erfolglosen Pirsch in ihrem Wald einen Hirten, der die Schalmei blies. Aus Wut über den vermeintlichen Störenfried, der ihr – wie sie meinte – das Wild vertrieben habe, riss die jähzornige Göttin ihm die Augen aus und warf sie zwischen Felsspalten und Steine. Doch sie bereute ihre Schandtat und verwandelte die Augen in leuchtende Blumen. Das nutzte zwar dem armen Hirten nichts, aber der Menschheit.

Das natürliche Verbreitungsgebiet der Pfingstnelken reicht von West- über Mitteleuropa bis zur westlichen Ukraine, wo sie auf basenreichen, oft auch kalkarmen Böden wachsen. Sie besiedeln dort felsige Hänge und Felsspalten und gelten mit ihren flachen und kurzen Wurzeln als Überlebenskünstler: Extreme Hitze, äußerste Trockenheit, aber auch Frost machen den wintergrünen Pflanzen nichts aus. Die graugrün bis blaugrau gefärbten Blätter sind klein und verleihen der Pflanze auch ohne Blüten ein dekoratives Aussehen. Von Mai bis Juni entfalten sich auf zehn bis 20 Zentimeter hohen Stängeln die Blüten. Allerdings findet man im Gegensatz zu ihren Sorten die reine Art nur selten im Handel. Im Angebot sind Züchtungen besonders von deutschen, österreichischen und schweizerischen Gärtnereien, die als Dianthus gratianopolitanus-Hybriden, gelegentlich auch als Dianthus-Caesius-Hybriden angeboten werden. Die Farbpalette der Blüten der Sorten reicht von Weiß über Rosa bis Dunkelrot, die der Wildarten von unterschiedlichen Rosa- bis hin zu Violett-Tönen.

Im Hausgarten gedeihen die Sorten entsprechend ihrem natürlichen Standort besonders im Steingarten oder in Fugen von Trockenmauern besonders gut – also an warmen, sonnigen und trockenen Plätzen. Niedrig wachsende Exemplare lassen sich auch gut in Trögen oder in einem Mini-Heidegarten verwenden. Da die Pflanzen meist in kleinen Töpfen angeboten werden, kann vom Frühjahr bis zum Herbst gepflanzt werden.

An den Boden stellen sie keine besonderen Ansprüche, denn sie gedeihen sowohl in leichteren als auch in etwas schwereren Böden gut. Lediglich der Säuregrad des Bodens (pH-Wert) ist von Bedeutung und sollte im alkalischen Bereich bei einem pH-Wert von sieben liegen. Voraussetzung für eine optimale Entwicklung ist allerdings eine sehr gute Drainage. Unabhängig davon, ob sie in Steingärten oder Trockenmauern, in Gefäßen oder im Freiland kultiviert werden, muss lehmhaltiger Boden mit Kalksplitt oder anderen Materialien durchlässiger gemacht werden, damit es in niederschlagsreichen Zeiten nicht zu Staunässe im Boden kommt.

Die Vermehrung der Pfingstnelken erfolgt – von einigen samenvermehrbaren Sorten abgesehen – durch Stecklinge. Die beste Zeit dafür ist von Ende Mai bis Mitte Juli. Geeignet dafür sind kräftige, aber nicht blühende Triebe, die so lang sein müssen, dass vier Blattpaare vorhanden sind. Als Substrat verwendet man eine Mischung aus Torfmull und Sand zu gleichen Teilen, das in Saatschalen oder Töpfe gefüllt wird. Nach dem „Stecken“ wird angegossen und die Gefäße an einem schattigen Platz aufgestellt. Bis zum September/Oktober haben sich Wurzeln gebildet. Die jungen Pflanzen können nun an den vorgesehenen Standort.

Als Begleitpflanzen zu den rot oder rosa blühenden Pfingstnelken passen neben anderen Nelkenarten auch verschiedene Polsterglockenblumen. Außerdem bieten sich als Nachbarn kleine Silbergarben an, ebenso niedriger Ehrenpreis und verschiedene Sedum-Arten sowie Thymian. Auch kleine Gräser und niedrig bleibende Gehölze sind dekorative Begleitpflanzen.

Bezugsquellen: Friesland Staudengarten, Uwe Knöpnadel, Husumer Weg 16, 26441 Jever, Telefon: 04461/3763, Fax 04461/ 2307; Sortiments- und Versuchsgärtnerei, Werner Simon, Staudenweg 2, 97828 Marktheidenfeld, Telefon: 09391/ 3516; Alpenpflanzengärtnerei, Jakob Eschmann, Gärtnerei Waltwil, CH-6032 Emmen, Telefon: 041/ 2606473.

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