Immobilien : Zauberhafte Stauden

Glockenblumen gibt es in vielen Varianten. Die höheren Arten und ihre Sorten sind echte Hingucker

Tassilo Wengel

In verschwenderischer Fülle leuchten zurzeit die zarten, Polster bildenden Glockenblumen mit ihren meist blauen oder violetten Blüten. Doch nicht nur die niedrig wachsenden Exemplare sind eine Zierde, auch die höheren Arten und ihre Sorten sind echte Hingucker. Mit ihnen lassen sich sonnige Rabatten ebenso schmücken wie halbschattige Gartenpartien zwischen Gehölzen. Und manche Züchtung eignet sich außerdem recht gut als Schnittblume. Mehrere Gründe also, sich etwas näher mit diesen Vertretern der Gattung Campanula zu beschäftigen.

Glockenblumen waren bereits im Mittelalter in Gärten zu finden. Damals handelte es sich vor allem um Wildarten aus den heimischen Gefilden. Davon zeugen Abbildungen in dem berühmten, 1613 erschienenen, 13 Kilogramm schweren botanischen Werk „Hortus Eystettensis“. Das damals modernste Pflanzenbuch wurde im Auftrag des Fürstbischofs von Eichstätt durch den Apotheker, Botaniker, Kupferstecher und Verleger Basilius Beseler (1561-1629) angefertigt und zeigt in 367 Abbildungen 1084 Pflanzen aus dem Garten des Bischofs, der als einer der prächtigsten seiner Zeit galt.

Die Zahl der Arten hat sich im Laufe der Jahrhunderte fast verdoppelt und dementsprechend hoch ist auch die Zahl der Sorten. Die über 300 Glockenblumenarten, fast die Hälfte davon sind in Europa heimisch, kommen in erster Linie in den Gebirgen der Nordhalbkugel vor.

Zu den wichtigen Arten gehört die Pfirsichblättrige Glockenblume (Campanula persicifolia). Sie ist eine der prächtigsten, auf lichten Hainen und auf Wiesen wachsenden Wildpflanzen. Sie lässt sich auch im Garten leicht kultivieren. Aus einem kriechenden Wurzelstock bilden sich dichte Nester schmaler glänzender Blätter. Daraus entwickelt sich ein 60 bis 100 Zentimeter hoher, beblätterter Stängel mit drei bis acht großen weißen oder blauen breitglockigen Blüten, die bis zu vier Zentimeter lang und ebenso breit werden können. Sie sind in einer lockeren Traube vereint und entfalten sich von Juni bis Juli. Von dieser Art gibt es zahlreiche Sorten. Besonders wertvoll sind ,Grandiflora Alba‘ mit großen weißen Blüten und ,Grandiflora Coerulea‘ mit leuchtend blauen Blüten. Wer gefüllte Blumen bevorzugt, findet sie zum Beispiel unter den Sorten ,Blaukehlchen‘ (blau), ,Moerheimii‘ (weiß) und ,Duett‘ (weiß, halbgefüllt).

Die Pfirsichblättrige Glockenblume liebt lehmhaltigen Boden und viel Sonne, gedeiht aber auch an halbschattigen Plätzen. Sie eignet sich für Staudenrabatten, Gehölzränder sowie Heidegärten und ist eine sehr haltbare Schnittblume. Sie verbreitet sich recht schnell durch Selbstaussaat, Voraussetzung sind allerdings gute Standortbedingungen.

Interessant ist auch die Büschel- oder Knäuel-Glockenblume (Campanula glomerata). Ihre Heimat reicht von Europa bis zum Kaukasus und dem Iran. Infolge des großen Verbreitungsbiets ist ihr Aussehen sehr unterschiedlich. Botaniker unterscheiden deshalb sieben Unterarten, die für den Garten keine Bedeutung haben. Hier werden ohnehin vorwiegend Sorten verwendet. Allen gemeinsam sind mehr oder weniger behaarte, gestreckt-herzförmige Grundblätter und breit-lanzettliche Stängelblätter. Die Blüten sind bei der Art dunkelviolett und zu endständigen, in den oberen Blattachseln sitzenden Schöpfen mit bis zu 20 Einzelblüten vereint. Sie erreichen je nach Sorte Höhen bis zu 60 Zentimetern und blühen vorwiegend im Juli und August. Auffallend große, tiefviolette Einzelblüten hat die Sorte ,Joan Elliott‘. Sie wird 40 Zentimeter hoch und ist eine gute Schnittblume. Mit dunkelblauen Blütenschöpfen auf 60 Zentimeter hohen Stängeln ist die Sorte ,Dahurica‘ (korrekter als Campanula glomerata var. dahurica bezeichnet) zu empfehlen. Das gilt auch für die sehr wüchsige ,Superba‘. Sie hat dunkelviolette Blüten und wird 50 Zentimeter hoch. Die gleiche Höhe erreicht auch ,Schneekrone‘, eine schöne weiße Sorte.

Alle Knäuel-Glockenblumen lieben viel Sonne und gedeihen am besten auf einem kalkhaltigen Boden. Sie vermehren sich leicht durch Selbstaussaat, lassen sich aber auch nach der Blüte teilen. Wirkungsvoll stehen sie auf Staudenrabatten in Gemeinschaft von Mädchenauge, Sonnenröschen und Fingerkraut.

Eine ausgesprochen reich blühende Art ist die Kuppelglocke oder Riesen-Doldenglockenblume (Campanula lactiflora) aus dem Kaukasus. Sie bildet aus einem dicken fleischigen Wurzelstock kantige, schwach behaarte Stängel mit hellgrünem Laub. Je nach Standort kann sie ein bis zwei Meter hoch werden. Die hellblauen, breitglockigen Blüten sind in einer Rispe vereint und entfalten sich von Juni bis August. Empfehlenswerte Sorten sind ,Loddon Anne‘ (zartlilarosa), ,Prichard‘ (violett) und ,Alba‘ (weiß).

Geeignet ist die Kuppelglocke für sonnige oder halbschattige Plätze am Gehölzrand sowie auf der Rabatte. Allerdings bevorzugt sie Böden mit einer gewissen Frische und entfaltet deshalb auf trockenen Sonnenplätzen nicht ihre volle Schönheit. Als Begleitpflanzen passen Fingerhüte, Geißbart, Goldfelberich oder auch Strauchrosen.

Von den ausdauernden, hohen Arten ist auch die Breitblättrige Glockenblume (Campanula latifolia) sehr dekorativ. Aus einem fast rübenförmigen Wurzelstock wächst der 80 bis 150 Zentimeter hohe Stängel. In den Blattachseln des oberen Stängelbereichs entfalten sich von Juni bis Juli einzelne oder bis zu drei violettblaue Blüten. Noch attraktiver mit ihren dunkelblauen Blüten ist Campanula latifolia ,Macrantha‘. Davon gibt es auch eine weiß blühende Sorte, die als Campanula latifolia ,Alba‘ im Handel ist. Die Ansprüche an den Standort dieser Züchtungen gleichen denen der zuvor beschriebenen Kuppelglocke.

Schließlich gehört zu den empfehlenswerten hohen Arten auch die Mittlere Marienglockenblume (Campanula medium). Hierbei handelt es sich um eine zweijährige Pflanze, die in Nord- und Mittelitalien sowie in Südostfrankreich wild wächst und bereits im 16. Jahrhundert als Bauerngartenpflanze verwendet wurde. Sie besiedelt an ihrem natürlichen Standort sonnige Hänge und Felsen. Die bis zu 60 Zentimeter hohen Pflanzen sind borstig behaart und blühen im Mai und Juni. Für den Garten empfehlen sich vor allem Sorten, die unter den Farbbezeichnungen „Weiß“, „Rosa“, „Blau“ und „Lila“ angeboten werden. Sie werden durch Aussaat vermehrt. Man sät im Juni sehr dünn in Schalen oder Töpfe und pflanzt später die kräftigen Jungpflanzen im Abstand von 40 Zentimetern auf sonnige Beete mit nahrhaftem, kalkhaltigem Boden. Über Winter muss man die jungen Pflanzen mit Fichtenreisig vor Kahlfrost schützen. Im kommenden Jahr bilden sich im Juni und Juli aus den grundblättrigen Rosetten 50 bis 90 Zentimeter hohe, kräftige Büsche mit großen glockenförmigen Blüten.

Kaum bekannt und erst seit zwei Jahren auf dem Markt sind Campanula Punctata-Hybriden, aus der Staudengärtnerei Jürgen Peters (Uetersen). Diese Neuzüchtungen bilden sehr große Blüten mit einer Länge von bis zu sieben Zentimetern in Weiß, Rosa, Rot und Violett mit hübscher Zeichnung. Wie Rosen bevorzugen sie einen sonnigen bis leicht halbschattigen Standort und nährstoffreichen Boden. Sie sind robust, reich blühend und absolut winterhart.

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