• Zehn Euro gegen die Erhöhung: Flatrent mit Tücken Gagfah bietet Absicherung gegen Mietsteigerungen. Doch nicht für jeden lohnt sich das Angebot

Immobilien : Zehn Euro gegen die Erhöhung: Flatrent mit Tücken Gagfah bietet Absicherung gegen Mietsteigerungen. Doch nicht für jeden lohnt sich das Angebot

Kai Kolwitz

Auf Anhieb klingt das Angebot erst einmal recht pfiffig: Zehn Euro im Monat werden auf die Miete freiwillig obendrauf gezahlt – und dafür gibt es die Garantie des Vermieters, zwei Jahre lang auf alle weiteren Erhöhungen der Grundmiete (nicht der Nebenkosten) zu verzichten. Auf die Idee gekommen ist der Großvermieter Gagfah, ehemals im Besitz der Bundesanstalt für Angestellte, dann verkauft an einen Finanzinvestor, der wiederum einen Teil der Anteile an die Börse gebracht hat. „Flatrent“ nennt die Gagfah das Angebot. Nachdem man einige Wochen lang im Rahmen eines Pilotprojekts den Markt dafür getestet und gute Resonanz geerntet hat, will das Unternehmen die „Flatrent“ nun bundesweit Mietern anbieten.

„Wir sprechen mit unserem Angebot Mieter an, die freifinanzierte Wohnungen gemietet haben und bei denen wir glauben, dass unser Angebot für sie interessant sein könnte“, beschreibt Gagfah-Sprecher Peter Kummer. In Berlin besitzt das Unternehmen nach eigenen Angaben gut 30 000 Wohnungen, unter anderem seit kurzem die Hüttenwegsiedlung in Zehlendorf, aber auch Einheiten zum Beispiel in Reinickendorf und Charlottenburg.

Und dort ist die Offerte bereits unangenehm aufgefallen: „In zahlreichen Fällen ist das ein unmoralisches Angebot“, kommentiert Reiner Wild, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Berliner Mietervereins. Denn generell unterliegen Mieterhöhungen Beschränkungen, als Basis dient dabei die sogenannte ortsübliche Vergleichsmiete, die in Berlin aus dem Mietspiegel folgt. Ist sie bereits überschritten, so darf der Vermieter die Miete nicht weiter erhöhen – zumindest dann nicht, wenn der Mieter nicht einverstanden ist. Und genau das sei zum Beispiel bei etwa einem Drittel der Wohnungen in der Hüttenwegsiedlung der Fall, beschreibt Mieterschützer Wild. Das Angebot bekamen die Mieter aber trotzdem, obwohl die Gagfah dort zumindest so lange die Miete gar nicht erhöhen könnte, bis in Berlin ein neuer Mietspiegel in Kraft tritt.

Das soll im kommenden Jahr der Fall sein. Im Jahr 2010 endet allerdings auch schon die Gagfah-Flatrent, so dass Bewohner, die sich auf das Geschäft einlassen, de facto nur ein Jahr Absicherung für zwei Jahre Zahlung erhalten. Wild rät daher allen Mietern, vorher erst anhand des Mietspiegels zu prüfen, ob ihre Miete nicht schon jetzt auf dem Niveau der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt – oder sogar darüber. Auch in Bochum hat es bereits einen vergleichbaren Fall gegeben, dokumentiert von der Neuen Ruhr Zeitung. Pikant war dort, dass die Miete nicht nur um zwölf Prozent über dem Ortsüblichen lag, sondern, dass die Vergleichsmiete laut jüngstem Mietspiegel sogar noch gefallen war.

„Die Entwicklung der Verbraucherpreise zeigt, dass davon auszugehen ist, dass die Mieten in den nächsten Jahren weiter steigen werden“, hält Gagfah-Sprecher Kummer dagegen. „Mit unserem Angebot ,Flatrent’ können Mieter ihre Grundmiete langfristig planen.“ Was die Fälle angeht, in denen die Vergleichsmiete bereits überschritten war, fügt er hinzu: „Wir nehmen einen solchen Fall sehr ernst und werden ihn prüfen.“

Auch Mieterschützer Wild streitet nicht ab, dass die Zehn-Euro-Absicherung zumindest für Planungssicherheit sorgen kann, wenn der Vermieter ansonsten noch Spielraum für weitere Erhöhungen hätte. Daneben sieht er aber auch, dass sich der Arbeitsstil bei einstmals öffentlichen, jetzt privaten Unternehmen verändert hat: „Die neuen Eigner machen mehr Druck. Die Mieter merken das an regelmäßigen Mietsteigerungen.“ Man überprüfe in regelmäßigen Zeitabständen die Mieten, beschreibt auch Kummer das Procedere. Immerhin, vom Umkehrschluss „keine ,Flatrent’ gleich Mieterhöhung“ will er nichts wissen: „Es gibt keinen Automatismus.“ Im Übrigen sei das Angebot natürlich für alle Gagfah-Mieter freiwillig.

In Berlin haben Wilds Beobachtungen derweil ergeben, dass die Erhöhungen der Privaten Spielräume geschaffen haben, die inzwischen auch die unter Erlösdruck stehenden öffentlichen Wohnungsanbieter gern nutzen: „Bei Neuabschlüssen unterscheiden sich städtische und private Unternehmen in der Miethöhe nicht mehr.“ Besonders bitter sei das, weil die Mieter der Öffentlichen im Schnitt ein geringeres Einkommen hätten als die der Privaten, so dass sie in Relation höher belastet seien: „Das sorgt natürlich für eine größere soziale Problematik.“

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