Immobilien : Zierde fürs Staudenbeet

Zur Gattung der Binsenlilie gehören rund 100 verschiedene Arten – eine kleine Typologie

Tassilo Wengel

Eine sehr wirkungsvolle Pflanze auf Staudenrabatten ist die Binsenlilie (Sisyrinchium). Sie ist allerdings in unseren heimischen Gärten – im Gegensatz zu den englischen – eher selten zu sehen. Der Grund ist die geringe Winterhärte mancher Arten.

Der Name Sisyrinchium wurde bereits bei den griechischen Philosophen und Naturheilkundigen für eine Pflanze verwendet, die heute unter dem Namen Gynandriris sisyrinchium bekannt ist und im gesamten Mittelmeerraum vorkommt. Warum die Binsenlilien 1753 von Linnaeus mit diesem griechischen Namen bezeichnet wurden, ist nicht belegt. Er blieb für diese Gattung, die zur Familie der Schwertliliengewächse (Iridaceae) gehört, bis heute erhalten.

Bekannt sind etwa 100 Sisyrinchium-Arten, die in Nord- und Südamerika sowie auf den Westindischen Inseln ihre Verbreitung haben. Man findet sie vor allem in Gebieten mit geringer Austrocknung des Bodens, teilweise auf feuchten Stellen. Interessant ist der Wurzelstock, dessen unterschiedliche Ausbildung bei der Kultur und der Vermehrung von Bedeutung ist. Wie viele Mitglieder der Familie der Iris haben auch die Binsenlilien ein fleischiges Speicherorgan, das den Pflanzen ein Überleben bei längerer Trockenzeit ermöglichen soll. Da dieser unterirdische Teil bei Sisyrinchium nur aus einem kleinen Rhizom mit geringer Speicherkapazität besteht, ist auch die Trockenheitsresistenz gering. Daraus lässt sich ableiten, dass die Sisyrinchium auch in Kultur keine langen Trockenzeiten und Hitzeperioden im Sommer ertragen kann.

Ihrem Habitus nach lassen sich die Sisyrinchium-Arten in zwei Gruppen einteilen. Einige haben Blätter mit einem runden Querschnitt und erinnern an Binsen. Davon leitet sich auch der deutsche Name dieser Pflanzengattung ab. Die andere Gruppe hat sehr grasähnliche, schmale, aufrecht stehende Blätter und blaue Blüten. Darauf bezieht sich der gelegentlich verwendete populäre Name „Blauäugiges Gras“. Obwohl Blau in verschiedenen Variationen von Dunkelviolett bis Blassblau oder zweifarbig bei den Sisyrinchium häufig vorkommt, gibt es auch Arten mit weißen, cremefarbenen oder gelben Blüten. Sie entwickeln sich an der Spitze oder den Enden der verzweigten Stängel über eine lange Zeit nacheinander.

Bei einigen der binsenblättrigen Arten dominieren auch Einzelblüten. Nach der Blüte bilden sich als Fruchtstände kleine, trockene Kapseln mit vier Kammern, in denen viele Samen stecken, aus denen sich leicht neue Pflanzen ziehen lassen.

Von der Artenvielfalt eignen sich wegen der geringen Winterhärte nur wenige für eine Kultur im Garten. Eine der bekanntesten und attraktivsten davon ist Sisyrinchium striatum, die in Argentinien und Chile zu Hause ist. Sie bildet spitz zulaufende, schwertförmige, graugrüne Blätter, die steif und aufrecht stehen. Sie ähneln den „Fächern“ mancher Irisarten und verleihen den Pflanzen bereits ohne Blüten einen hohen Schmuckwert. Im Frühsommer bilden sich die 40 bis 80 Zentimeter hohen Blütenstände, die bis zur Spitze dichte Büschel von jeweils acht bis zehn Einzelblüten mit einem Durchmesser von eineinhalb Zentimetern tragen. Sehr kräftige Pflanzen können an einem Stängel bis zu 100 Blüten entwickeln. Sie sind blass cremegelb mit dunklerer Mitte, die von feinen purpurbraunen Adern durchzogen ist. Von der Art gibt es eine Form mit panaschierten Blättern, die „Variegatum“.

Erst seit Ende des 20. Jahrhunderts eingeführt, ist Sisyrinchium macrocarpon eine der auffälligsten Erscheinungen. Die Art wird nur etwa 25 Zentimeter hoch, hat blaugrüne Blätter und besticht durch große Blüten. Sie erreichen einen Durchmesser von zweieinhalb bis drei Zentimetern, sind leuchtend gelb gefärbt und haben in der Mitte braune Flecken.

Unter den Arten mit blauen oder violetten Blüten ist Sisyrinchium angustifolium eine der bekanntesten. Sie stammt aus den östlichen Staaten Nordamerikas und gilt als eine der besten winterharten Arten. Die Pflanze wird 25 bis 40 Zentimeter hoch und bildet dichte Horste aus dunkelgrünen, leicht bläulich-bereiften, schmalen Blättern. Von Mai bis Juni öffnen sich die violettblauen Blüten mit gelbem Auge und einem Durchmesser von ein bis eineinhalb Zentimetern.

Im Wuchs ähnlich ist Sisyrinchium idahoense aus den westlichen USA. Die Art ist sehr variabel und kann sich von zwergartigem Wuchs mit Höhen von zehn Zentimetern bis zu großen Pflanzen mit 25 Zentimetern Höhe entwickeln. Die Blüten sind blass- bis dunkelblau und haben einen Durchmesser von etwa zwei Zentimetern. Eine sehr schöne Auslese ist Sisyrinchium idahoense „Album“. Sie wird nur zehn Zentimeter hoch und hat reinweiße Blüten mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern.

Neben diesen Arten sind auch Hybriden in manchen Gärtnereien im Angebot, die meist zwischen 15 und 25 Zentimeter Höhe erreichen. „Biscutella“ hat gelbe Blüten mit purpurroten Adern, „E. K. Balls“ blüht in einem tiefen Purpurblau und „Mrs. Spivey“ entfaltet zahlreiche weiße Blüten mit gelber Mitte.

Alle genannten Sisyrinchium wachsen am besten an einem sonnigen Platz und gedeihen in normaler, gut dränierter Gartenerde. Man wählt eine Stelle, an der die Pflanzen vor eisigen Winden im Winter geschützt sind. Ist der Boden reichlich lehmhaltig, sollte man ihn durch Zugabe von Sand durchlässiger machen. Dadurch verbessert sich auch die Chance, dass die Pflanzen den Winter überstehen. Auch das Bedecken mit Fichtenzweigen kann helfen. Sicherer ist allerdings eine Überwinterung in Töpfen, die man ins Frühbeet oder in einen kalten Raum stellt.

Sobald im Frühling die Tage wärmer werden, pflanzt man sie an den gewünschten Orten im Garten aus. Für die niedrigen Arten eignen sich Steingärten und für höhere die Staudenrabatte, wo sie zwischen niedrigen Polsterstauden wie Heiligenkraut (Santolina chamaecyparissus), niedrigem Beifuß (Artemisia schmidtiana) oder Federnelken (Dianthus plumarius) am besten wirken.

Bezugsquelle: Friesland Staudengarten, Uwe Knöpnadel, Husumer Weg 16, 26441 Jever, Tel. 04461/ 3763, Fax 04461/ 2307.

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