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DER ROTE PUNKT

Jede Woche gibt der Botanische Garten eine Liste mit besonders sehenswerten Pflanzen heraus, die durch ihre Blüten oder auch Früchte beeindrucken. Sie sind auf dem Gelände oder in den Gewächshäusern mit einem roten Punkt gekennzeichnet. Aus Platzgründen können wir nur jeweils ein Gewächs vorstellen. Der Garten ist täglich von 9 Uhr an geöffnet, die Gewächshäuser am Wochenende ab 10 Uhr. Weitere Informationen im Internet unter www.bgbm.org .

Gewächshaus. Nicht nur für die Augen, auch für den Gaumen hat die Passionsblume mitunter etwas zu bieten. Denn die Frucht einer ihrer vielen Arten ist die Maracuja (Passionsfrucht). Diese Leckerei lässt sich im Gewächshaus B im Botanischen Garten zwar nicht ernten, einen Augenschmaus bietet aber auch die dort mit dem Roten Punkt in dieser Woche ausgezeichnete Passiflora citrina. Diese kleinblütige Passionsblume ist unter den 450 bis 660 Arten der Gattung Passiflora eine der wenigen gelbblühenden. Die vielen Blüten werden laufend gebildet und können teils bis in den Dezember hinein bewundert werden.

Der Ursprung der Passiflora-Arten, die aus der Familie der Passifloraceae stammen, liegt hauptsächlich in den tropischen und subtropischen Regionen Mittel- und Südamerikas. Einige stammen auch aus Nordamerika, Südostasien, Australien und Ozeanien. Die Passiflora citrina ist sozusagen ein „Neuling“, denn sie wurde erst 1989 in Westhonduras entdeckt. Dort wächst sie in 900 Meter Höhe auf Wiesen und geräumigen Flächen.

Der Name Passiflora stammt aus dem Lateinischen und bedeutet Leidensblume (passio – Leiden, flos – Blume). Diese Bezeichnung geht auf Papst Paul zurück, der im Jahr 1605 eine westindische Passionsblume geschenkt bekam. Mit den Blüten der Passionsblume kann nämlich das Leiden Christi assoziiert werden. Die Staubblätter erinnern an die Wundmale, die Griffel an die Nägel, der Strahlenkranz an die Dornenkrone und die gezackten Blätter an die Lanzen. Und die Ähnlichkeiten gehen noch weiter: Die zehn Blütenblätter können für zehn von zwölf Aposteln stehen – Judas und Petrus fehlten bei der Kreuzigung.

Die Passiflora-Arten sind meist Kletterpflanzen oder verholzte Lianen. Die Passiflora citrina wird bis zu vier Meter hoch und zweieinhalb Meter breit. Ihre einzigartigen, kompliziert gebauten Blüten leuchten in den verschiedensten Farben und werden von Kolibris bestäubt. Die Blüten bestehen in der Regel aus fünf Kelch- und fünf Kronblättern, aus fünf Staubgefäßen und drei Stempeln. Das Besondere der Gattung Passiflora ist der Strahlenkranz (Corona), der bei vielen Arten aus fadenförmigen Auswüchsen gebildet wird. Bei anderen Arten sind die Fäden – in Anpassung an die Bestäubung durch Kolibris – zu einer Röhre verwachsen.

Die etwa sieben Zentimeter langen und vier Zentimeter breiten Blätter treten ebenso vielgestaltig wie die Blüten auf. Sie sind zwei- bis dreilappig licht behaart, die Stängel haarig und hakig. Dadurch, dass sie in vielen Formen auftreten, wehren sie Schmetterlinge aus der Gruppe der Heliconinen ab, für die die Passiflora Nahrungsblumen sind. Ein weiterer Abwehrmechanismus sind Nektardrüsen an den Blattstielen, Blatträndern und anderen Pflanzenteilen. Diese Nektardrüsen locken Ameisen und Wespen an, die wiederum die Eier und Larven der Schmetterlinge vertilgen.

Passiflora-Arten gibt es für unterschiedliche Standorte: Die meisten im Topf oder Kübel gezogenen Arten bevorzugen einen hellen Platz unter Glas, sind also fürs Gewächshaus geeignet. Dort sollte es allerdings frostfrei sein. Einige wenige vertragen auch die Wärme normaler Wohnräume, sollten im Winter aber möglichst nah am Fenster stehen. Die ideale Wintertemperatur beträgt etwa zwölf Grad. Mittlerweile gibt es sogar Arten, die Frost vertragen. Passiflora caerulea oder Passiflora incarnata etwa halten Temperaturen bis zu minus 15 Grad aus. rok

Am Sonntag, dem 9. November, findet im Botanischen Garten ein Familienfest statt. Von 12 bis 17 Uhr werden Laternen gebastelt, es gibt ein Suchspiel in den Gewächshäusern und einen Umzug mit Martinspferd. Weiteres im Internet: www.bgbm.org

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