Immobilien : Zu Hause, am Pool

In Deutschland gibt es über 600000 Schwimmbäder auf Privatgrundstücken. Reiner Luxus nur für die Reichen? In den meisten Fällen nicht. Denn Becken und Technik gibt es schon ab 5000 Euro. Aber Hallenbäder mit Sonderwünschen kosten leicht 100000 Euro und mehr

Ralf Schönball

Die Ausstattung des Schwimmbades, das Rolf E. Rambow mit seiner Firma zuletzt in einem Berliner Altbau angelegt hat, beschreibt er so: „17 Scheinwerfer im Becken, zwei Unterwasserlautsprecher, eine Gegenstromanlage, ein Luftsprudelsitz, eine Schwalldusche – und ein kleiner Wildbach.“ Das mit dem Wildbach ist nicht ganz wörtlich zu verstehen, sondern so: Der kleine Wasserfall ergießt sich in den Pool von einem Auslass in der darüberliegenden Wand. Deren weiße Fläche dient als Leinwand. Darauf projiziert ein hochauflösender Beamer das Bild eines Wildbachs – täuschend echt, ein bisschen Fantasie vorausgesetzt.

Sonderanfertigungen wie diese sind die Ausnahme beim Bau von Schwimmbädern für den privaten Gebrauch. Viele Haushalte, die rund 100000 Euro für einen innenliegenden Pool wie diesen ausgeben können, gibt es in Zeiten von Arbeitslosigkeit und wirtschaftlicher Stagnation wohl auch nicht. Und dennoch: schlecht geht es der Branche nicht. Bundesweit gibt es 160 Fachbetriebe, die auf das Geschäft mit der Sommerfrische auf dem eigenen Grundstück spezialisiert sind. Und nach Angaben des Bundesverbandes Schwimmbad und Wellness gibt es hier zu Lande rund 625000 private Pools. Damit stehen die Deutschen europaweit an dritter Stelle – übertroffen nur noch von Spaniern und Franzosen.

Wer glaubt, der Bau eines Pools sei nur etwas für Reiche, der täuscht sich: Der weitaus größte Teil der verkauften Pools sind so genannte „Stahlwand-Konstruktionen“. Die gibt es ab 5000 Euro. Allerdings ist es mit dem Erwerb des Pools und der Technik meistens nicht getan. In der Regel müssen außerdem Handwerker beauftragt werden. Diese heben zunächst eine Grube aus und legen in der gewünschten Tiefe eine Bodenplatte aus Zement an. Anschließend kommt die Konstruktion aus Stahl hinein. Alternativen sind Pools aus Kunststoffen oder aus Styropor-Teilen, die mit Zement gefüllt werden. Bei den meisten Schwimmbädern verkleidet außerdem eine Kunststofffolie als „Außenhaut“ den Baustoff.

Nur noch selten sind die Schwimmbecken gefliest. Der Nachteil: An den Fugen setzen sich Algen fest. Diese halten ebenso wie Laub oder Äste Pooleigentümer ohnehin auf Trab. „Man muss sich schon regelmäßig um Reinigung und Technik kümmern“, sagt ein Poolbesitzer, der nicht genannt werden will.

Die viele Arbeit bereut er allerdings nicht: Jeden Morgen vor Dienstantritt springt er in sein zehn Meter langes und fünf Meter breites Becken. Das steht im Garten, wobei das Wasser von einer Solarabsorberanlage erwärmt wird. Grob gesagt, handelt es sich dabei um Schläuche, die in Schlingen auf dem Garagendach ausgelegt sind. Durch diese wird das Wasser gepumpt, von der Sonne erwärmt und ins Becken zurückgedrückt – „das reicht, um zwischen Mai und Oktober schwimmen zu können“, sagt der brandenburgische Grundeigentümer.

Dessen Pool ist seit zehn Jahren in Betrieb und hat damals rund 10000 Euro gekostet. Allerdings ist die Technik nicht voll automatisiert. Den pH-Wert des Wassers und dessen Chlorgehalt misst der Hauseigentümer mit seinem kleinen Chemiekasten per Hand. Auch die Zusatzstoffe, die Algen und Bakterien fern halten sollen, mischt er selbst und führt sie dem Wasser zu. Dieses wird von einer Umwälzpumpe durch den Kreislauf geschleust, in dem es zur Reinigung außerdem noch durch einen sandgefüllten Kessel gedrückt wird.

Die Chemikalien für den Betrieb des Pools kosten in diesem Fall bis zu 200 Euro pro Jahr. Außerdem empfehlen Hersteller, etwa alle fünf Jahre das Wasser auszutauschen. Das kostet rund 3,50 Euro je Kubikmeter, im Falle des Brandenburger Poolbesitzers sind es noch ein Mal 150 bis 200 Euro. Hinzu kommen noch die Stromkosten für den Betrieb der Wasserpumpe. Doch diese machten sich in der Rechnung dank des Einsatzes von Nachtstrom kaum bemerkbar.

Höhere Kosten für den privaten Schwimmbadbetrieb nennt man beim Poolverband in Köln: „Für ein Hallenbad muss man mit fünf Euro am Tag rechnen, bei Außenbädern mit 2,50 Euro“, sagt Geschäftsführer Dieter Rangol.

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