Immobilien : Zu hoher Energieverbrauch bei vielen Häusern

Tagesspiegel-Leser ließen ihre Heizkosten überprüfen. Bilanz: Bei einem Viertel der Gebäude wird zu viel geheizt. In vielen Fällen könnte eine Sanierung die Kosten drastisch senken. Das würde sich rechnen. Für Mieter. Und für Eigentümer

Ralf Schönball

Knapp ein Viertel der Tagesspiegel-Leser, die sich an der Aktion zur Überprüfung der Heizkosten beteiligten, leben in Wohnungen mit einem zu hohen Energieverbrauch. Auch die Nebenkosten für den Betrieb der Anlagen waren bei einem Viertel aller überprüften Rechnungen überdurchschnittliche Beträge festzustellen – und bei der Hälfte der insgesamt 202 eingesandten Rechnungen sahen die Experten der Initiative co2-Online Einsparpotenziale.

Die Aktion war an dieser Stelle im November vergangenen Jahres in Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium sowie der Agentur co2-Online gestartet worden. Tagesspiegel-Leser mussten ihre Heizkosten-Abrechnungen einschicken und Angaben zum Baujahr des Hauses, zur beheizten Fläche und der Art der Warmwasserbereitung angeben. Im Gegenzug erhielten sie ein unentgeltliches Gutachten, in dem Kosten und Qualität der Energieversorgung des Hauses im Vergleich zu den in Berlin üblichen mittleren Werten ausgewiesen wurden.

Unangenehm überrascht von dem schlechten Ergebnis „seiner“ Wohnung war beispielsweise Christof Weber. Er lebt in einem Altbau in Friedenau. Die Heizung seiner Wohnung verbraucht fast doppelt so viel Energie wie eine durchschnittliche Berliner Immobilie. Dadurch wird die Umwelt mit 228 Tonnen CO2 belastet, statt mit 172.

Weber wohnt in einem typischen Berliner Altbau, Baujahr 1910. „Da pfeifft der Wind auch schon mal durch die Doppelkastenfenster“, sagt er. Auch die Heizanlage sei eine Antiquität: Die Heizköper sind aus Gusseisen und die Leitungsrohre wurden seit dem Einbau der Anlage nicht erneuert. Immerhin, der Eigentümer investierte vor etwa 15 Jahren in einen neuen Heizkessel. Das gesetzlich Vorgeschriebene hat er damit erfüllt. Aber eben nicht mehr.

Trotz des mangelhaften energetischen Zustands im Wohnhaus wird Weber seinen Vermieter nicht zu größeren Investitionen in Dämmung und Umbau drängen. Der Altbau sei in Familienbesitz, „und eine energetische Modernisierung des Gebäudes würde den Eigentümern wirtschaftlich das Rückgrat brechen“, vermutet der Mieter. Außerdem habe er sich mit diesen Mängeln des Altbaus in den über 20 Jahren, die er die Wohnung nutzt, angefreundet. Dabei weiß Weber auch: „Für eine sanierte Wohnung dieser Größe und in dieser Lage würde ich 400 Euro monatlich mehr bezahlen.“ Kurz: Die erhöhten Heizkosten würden nicht so stark zu Buche schlagen, wie Umlagen für Sanierungsmaßnahmen, so Weber.

Doch genau damit liegt er falsch. Dieser Auffassung ist jedenfalls Ingenieur Peter Henning. Er ist spezialisiert auf Heiz- und Dämmtechnik und hat für die Initiative die Rechnungen ausgewertet. Seine Empfehlung in diesem Fall: Maßnahmen im Gesamtwert von 50000 Euro. Diese Kosten könnten anteilig auf den Mieter umgelegt werden. Die Miete von Christof Weber würde sich dann monatlich um 23 Cent pro Quadratmeter erhöhen. Doch er würde aller Voraussicht nach 35 Cent weniger Heizungskosten bezahlen. Sollten die Ölpreise weiter steigen, wäre die Einsparung noch höher.

Nicht nur für den Mieter würde sich die Sanierung rechnen. Auch für den Eigentümer. Er könne die Kosten über ein Darlehen der Kreditanstalt für Wiederaufbau finanzieren. Bei diesen Krediten werden die Zinsen subventioniert. Der Hauseigentümer zahlt je nach Programm zwischen 1,9 und vier Prozent. Und er profitiert von einer Umlage auf den Mieter in Höhe von elf Prozent. Die Investition rechnet sich also auch für ihn.

Und was würde mit dem Geld an dem Haus gemacht? In die alten Kastenfenster würde ein Tischler eine Nut fräsen und darin eine Gummidichtung einfassen. Der Vorteil: Der kalte Luftzug an den Fenstern würde stark verringert und es würde sich fast keine Feuchtigkeit mehr niederschlagen. Die zweite Maßnahme: Überprüfung und Einstellung der Heizung, bessere Verteilung der Wärme und Optimierung der Leitungswege. Eventuell muss die Wärmepumpe ausgetauscht werden. Die dritte Maßnahme wäre die Dämmung von Dachboden und Keller.

Die Wahrscheinlichkeit, dass durch diesen Eingriff die Energieeinsparung erzielt wird, ist sehr hoch. Das liegt an dem weit überdurchschnittlichen Energieverbrauch des Gebäudes bisher. Ingenieur Henning räumt jedoch ein, dass prognostizierte und erreichte Einsparungen nicht immer übereinstimmen. Er rät Mietern mit hohem Verbrauch ihren Hauseigentümern das Gutachten weiterzuleiten. „Die Hälfte der Eigentümer ist erfahrungsgemäß bereit, Maßnahmen zu ergreifen“, sagt der Ingenieur. Zum Beispiel ein Energiegutachten für das Haus einzuholen. Auch das wird subventioniert.

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