Immobilien : Zu viel Sonne – das Fördergeld schmilzt

Wer in Solartechnik investiert, bekommt Zuschüsse vom Staat -– theoretisch jedenfalls. Tatsächlich sind die Töpfe längst leer

Stefan Weißenborn

Eine umweltfreundliche Technologie findet reißenden Absatz – aber die Fördermittel reichen dafür hinten und vorne nicht. 124 000 Anträge auf Zuschüsse für eine Solaranlage wurden bis Ende September beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gezählt, zu Spitzenzeiten etwa 1300 pro Tag. Doch schon Mitte des Jahres war der mit 180 Millionen Euro gefüllte Fördertopf leer. Obwohl die Antragsflut anhält, gehen Zehntausende Interessenten für den Rest des Jahres leer aus. Hält die Nachfrage nach Solarheizungen ungebremst an, könnte so eine Situation auch 2007 eintreten.

„Die Nachfrage überwältigt uns“, sagt Bafa-Pressesprecher Holger Beutel im Gespräch mit dem Tagesspiegel. Das sogenannte Markt-Anreiz-Programm, das neben Solarthermie auch Biomasseanlagen fördert, wird zwar 2007 wieder aufgelegt. Die Haushaltsmittel werden jedoch bis auf 163 Millionen Euro im Jahr 2010 abgeschmolzen, wie im Bundesumweltministerium zu erfahren ist. Für 2007 sind 174 Millionen eingeplant.

Gegen diese Mittelkürzung regt sich selbst in den Reihen der SPD-Bundestagsfraktion Widerstand, die immerhin in Regierungsverantwortung steht. „Die große Nachfrage muss komplett abgedeckt werden“, fordert SPD- Umweltpolitiker Hermann Scheer. Es gebe keinen „finanzwirtschaftlichen Grund“, dies nicht zu tun, da durch Investitionen im Bereich der Solarthermie der Staat später mehr Steuern und Abgaben einnehme, als er für die Förderung hineinstecke.

Beim Bundesverband Solarwirtschaft (BSW) sieht man den Solarwärme-Boom durch den Förderstopp 2006 und das Zurückfahren der Fördermittel in den kommenden Jahren gänzlich gefährdet. Unabhängiges Marktwachstum sei nur dann möglich, wenn die Förderpraxis „schnell auf ein Wärmegesetz nach Vorbild des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im Stromsektor“ umgestellt werde, sagt BSW-Geschäftsführer Carsten Körnig. Er fordert, den Anspruch auf Fördermittel in einem Wärme-Gesetz auf Jahre festzuschreiben. Nur so könne Planungs- und Investitionssicherheit geschaffen werden, bis sich die Technologie „in fünf bis sieben Jahren“ von selbst trage.

Mit oder ohne Förderung in 2006 – eine Sonnenwärmeanlage kann dennoch lohnen. Körnig verweist im Gespräch mit dem Tagesspiegel zwar auf die vergleichsweise hohen Anschaffungskosten. Danach aber bekomme man die Energie fast kostenfrei. Tatsächlich stellt die Sonne ihre Strahlen niemandem in Rechnung. Vollständig ersetzt sie herkömmliche Heizungssysteme in der Regel noch nicht; Solarthermieanlagen werden meist ergänzend eingesetzt. Mit ihnen können bis zu 60 Prozent des Wassers erwärmt werden, das jährlich in einem Haushalt benötigt wird.

In einem Altbau mit 150 Quadratmetern Wohnfläche sieht die BSW-Modellrechnung für eine vierköpfige Familie so aus: Eine Solaranlage zur Erwärmung des Trinkwassers kostet abzüglich staatlicher Förderung etwa 4700 Euro. Eingespart werden können über 300 Liter Heizöl pro Jahr, über die 20-jährige Lebensdauer der Solaranlage entspricht dies rund 4800 Euro – ein Nullsummenspiel also. Schon eher lohnt sich die Sache, wenn man in eine (teurere) Solarkombianlage investiert: Mit der wird nicht nur Wasser erwärmt, sondern auch die Raumheizung entlastet. Bei einer angenommenen Investition (abzüglich Förderung) von 15 000 Euro lassen sich jährlich 40 Prozent oder 1500 Liter Heizöl sparen. Im Laufe von 20 Jahren kann das ein Plus von mehreren Tausend Euro bedeuten.

Diese Rechnung geht allerdings nur mit den Zuschüssen des Staates auf. Im Schnitt wurde in diesem Jahr mit 820 Euro pro Antragssteller gefördert. Die gestoppten Bafa-Zuschüsse lagen in diesem Jahr bei mindestens 54,60 Euro je angefangenem Quadratmeter Sonnenkollektorfläche. Die Konditionen für die Neuauflage des Markt-Anreiz-Programms im kommenden Jahr sind noch offen.

Das Umweltministerium plant, die für die nächsten Jahre vorgesehenen Mittel „besser und zielgerichteter“ einzusetzen als bisher. Wie das angesichts des dezimierten Förderbudgets funktionieren soll, ist unklar.

Auch wenn es im laufenden Jahr keine Zuschüsse mehr gibt, werden Solarfans auch an anderer Stelle umworben: Die KfW-Bankengruppe hilft mit zinsgünstigen Darlehen der Programme „CO2-Gebäudesanierung“ und „Wohnraum Modernisieren“ (siehe Kasten). Mit dem CO2-Programm wird zum Beispiel der Austausch oder der Umbau einer Heizung in Altbauten gefördert. Voraussetzung ist, dass das betreffende Eigenheim bis Ende 1983 fertiggestellt wurde. Eingespart werden müssen mindestens 40 Kilogramm CO2 je Quadratmeter Gebäudenutzfläche und Jahr – ein Ziel, das mit Sonnenenergie leichter zu erreichen ist als ohne. Ist das Eigenheim jüngeren Datums, greift das Programm „Wohnraum Modernisieren“. Bei beiden Angeboten kann die Kreditsumme die komplette Investition abdecken – pro Wohneinheit maximal 50 000 Euro. Bereitstellungsprovisionen fallen nicht an, je nach Kreditlaufzeit bleiben die Kredite bis zu fünf Jahre tilgungsfrei. Die Nachfrage nach den KfW-Programmen ist derzeit riesengroß.

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