Zwangsversteigerungen (1) - Termin beim Amtsgericht : Weniger wird mehr

Die Zahl der Zwangsversteigerungen an Amtsgerichten ist 2010 erneut zurückgegangen. In Brandenburg gibt es sogar ein Minus von 8,6 Prozent.

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Exakt 82 208 Gerichtstermine listet der Ratinger Fachverlag Argetra für das abgelaufene Jahr mit dem Blick auf Zwangsversteigerung von Immobilien in Deutschland auf. Das sind 5,1 Prozent weniger als 2009. Die Summe der Verkehrswerte fiel demnach um 9,8 Prozent auf 13,62 Milliarden Euro.

Auch in Berlin war die Entwicklung auf diesem sehr speziellen Markt rückläufig: 2281 Terminen im Jahr 2009 standen 2190 im Jahr 2010 gegenüber: ein Minus von glatten vier Prozent. Auch die Verkehrswerte der Versteigerungsobjekte in der Hauptstadt sanken im Durchschnitt – von 317 955 Euro auf 286 331 Euro.

In Brandenburg ist in der prozentualen Betrachtung der Fälle sogar ein Minus von 8,6 Prozent verzeichnet. Hier lag der durchschnittliche Verkehrswert der versteigerten Objekte 2010 bei 146 839 Euro, im Jahr davor bei 169 751 Euro.

Der Rückgang der Prozentzahlen ist aber nur relativ. Zwar sind die neuen Länder in der Betrachtung der absoluten Zahlen nicht mehr die Spitzenreiter in der Zwangsversteigerungsstatistik. Doch betrachtet man die Anzahl der Versteigerungstermine pro 100 000 Einwohner, so ist die Zahl zum Beispiel in Sachsen trotz eines Rückgangs von 3,2 Prozent vier Mal so hoch wie in Baden-Württemberg. In Brandenburg gab es im vergangenen Jahr 4062 Zwangsversteigerungen, 2009 waren es 4443.

73 Prozent der Immobilien kamen 2010 erstmals unter den Hammer, rund 27 Prozent wurden zum wiederholten Mal angeboten. Die zeitliche Spanne zwischen der Beschlagnahme eines Objektes und der Veröffentlichung des ersten Versteigerungstermins betrage zwischen 347 und 586 Tagen, so der Verlag. 

In der Betrachtung der vergangenen Jahre ist 2010 eher positiv zu werten – wenn man nicht eben ein Fan von Zwangsversteigerungen ist. Nach dem Platzen der Internetblase vor acht Jahren waren nämlich die Termine erstmals von knapp 80 000 (2001) auf fast 88 000 hochgeschnellt. Höhepunkt der Negativentwicklung war 2005 mit mehr als 92 500 Ansetzungen.

 Die Termine gingen in den Bundesländern Schleswig-Holstein (minus 12,6 Prozent), Niedersachsen (minus 10,2 Prozent), Bayern (minus 11,5 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (minus 10,5 Prozent) um mehr als ein Zehntel zurück. Den Rückgang in Hamburg um 42 Prozent auf 411 Termine begründete der Verlag mit einem Großobjekt, dessen Wohnungen 2009 zum Teil einzeln angeboten wurden. Lediglich in Bremen und im Saarland wurden mehr Gerichtstermine als 2009 notiert.

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