Immobilien : Zwischen Plattenbau und Promivilla

Nach Potsdam zogen zuerst Stars und Studenten. Nun finden auch junge Familien einen Markt für preiswerte Einfamilienhäuser und Baugrundstücke

Jutta Burmeister

Der Designer Wolfgang Joop kam als einer der Ersten. Seit 1998 wohnt er in seiner Villa Wunderkind am Heiligen See in Potsdam. Ihm folgten zahlreiche andere Prominente: Günther Jauch und Nadja Auermann zog es an den Heiligen See, Ufa-Chef Wolf Bauer und Verlegerwitwe Friede Springer. Joop hat vor kurzem sogar sein zweites Haus am Heiligen See gekauft. Dort will der Designer im Herbst einen Showroom eröffnen.

Doch nicht nur Prominente sorgen für den Einwohnerzuwachs der Stadt. Die Lage im Grünen zwischen Havelseen, Schlössern und Lennéscher Feldflur sowie die gute Erreichbarkeit Berlins ziehen auch junge Familien an. Babelsberg und der Wissenschaftspark im Ortsteil Golm machten die Brandenburgische Landeshauptstadt zudem für Medienleute und Wissenschaftler aus dem In- und Ausland derart interessant, dass die Stadt den bundesweit höchsten Anteil an Wissenschaftlern in der Bevölkerung hat. Und wer sich als Student nicht nur an der Universität Potsdam immatrikuliert, sondern auch in der Stadt wohnt, bekommt sogar ein Begrüßungsgeld.

Egal ob Miet- oder Eigentumswohnung, Einfamilienhaus oder Villa – Potsdam könne trotz eines Zuwachses an Einwohnern fast jede Nachfrage nach Wohnraum abdecken, glaubt Winfried Schmidt, Vorsitzender des Gutachterausschusses für Grundstückswerte der Stadt. Lediglich sehr preiswerte Einfamilienhäuser unter 150000 Euro gebe es kaum. Die mittleren Grundstückspreise liegen – trotz eines leichten Rückgangs im Jahr 2003 – mit 193 Euro je Quadratmeter bundesweit im oberen Drittel. Der Umsatz leidet aber nicht darunter. Im Gegenteil: Die Anzahl der verkauften Ein- und Zweifamilienhäuser wächst, so Schmidt.

Auch wenn die Grundstücke in den neu eingemeindeten Ortsteilen Fahrland oder Krampnitz billiger sind und es dort „Perspektiven“ gibt, wie Potsdams Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz sagt, will man sich vorrangig auf die Entwicklung des Zentrums konzentrieren. „Stadt der kurzen Wege“ und „Innenstadtentwicklung vor Außenzersiedlung“ lauten die Schlagwörter der Stadtplaner. Sie wollen die Innenstädte von Potsdam und Babelsberg durch Neubauten in „zweiter Reihe“ verdichten sowie die Gebiete mit Plattenbauten stärken und deren Sanierung vorantreiben – weil dort 40 Prozent der Potsdamer Bevölkerung lebt.

Die dritte Maßnahme ist die Bebauung des Bornstedter Felds. Auf diesem ehemaligen Militärgelände zwischen Kirschallee, Pappelallee und Nedlitzer Straße soll ein komplett neuer Stadtteil für rund 14000 Bewohner entstehen. Bisher sind etwa 1700 der geplanten 6800 Wohneinheiten fertig gestellt. Miet- und Eigentumswohnungen, Stadtvillen und Einfamilienhäuser sollen in „Potsdams neuem Norden“ ebenso entstehen wie Büros und Gewerbeflächen, Kindergärten, Schulen sowie Freizeiteinrichtungen. Voll erschlossene Baugrundstücke kostet 179 Euro je Quadratmeter. „Wegen der geplanten Streichung der Eigenheimzulage sind die privaten Hausbauer im Moment rege“, sagt Gabriele Kaupmann. Die Verantwortliche für die Vermarktung beim Entwicklungsträger Bornstedter Feld spricht von einem „Run“ auf Grundstücke bis 400 Quadratmeter.

„Stark nachgefragt werden aber auch Eigentumswohnungen“, so Gabriele Kaupmann. Obwohl noch nicht bezugsfertig, seien viele Wohnungen für 2000 Euro je Quadratmeter, die derzeit im „Stadthaus am Park“ und in den „Wohnhöfen am Parktor“ entstehen, vom Blatt weg verkauft. Vergeben seien auch jene 13 Maisonette-Wohnungen, die gerade im ehemaligen Pferdestall der Garde-Ulanen-Kaserne gebaut werden – einer von sieben Kasernen im Bornstedter Feld.

Vom Entwicklungsgebiet kann man Schloss Sanssouci und die Potsdamer Innenstadt zu Fuß erreichen. Ebenso schnell ist man auf der Lennésche Feldflur und seiner zahlreichen Radwegen unterwegs oder im Wald „Nedlitzer Holz“ sowie dem 63 Hektar große Volkspark, der den grünen Mittelpunkt des Gebiets bildet. Vielfältig ist auch das Immobilienangebot: Die Gewoba bietet Genossenschaftswohnungen mit Teileigentum an. Private Anleger, die ein Bestandsgebäude im Bornstedter Feld zur Vermietung erwerben wollen, erhalten sogar noch Sonder-Afa. Das steuerliche Jahrhundertgeschenk gibt es hier noch, weil das Gebiet wie ein Sanierungsgebiet eingestuft wird. Wer jedoch heute schon kauft, muss Nerven haben: Erst 2015 soll der Stadtteil fertig sein, bis dahin wird an allen Ecken und Enden gebaut.

Erst teilweise fertig ist auch die Siedlung „An der Fährwiese“ auf der Halbinsel Hermannswerder, nahe Potsdamer Hauptbahnhof: 20 Doppel- und Reihenhäuser mit Wohnflächen zwischen 130 und 145 Quadratmetern hat die Hoffmeister Stiftung errichtet, 16 weitere sollen folgen. Ein Reihenendhaus kostet 210000 Euro, eine Doppelhaushälfte 240000 Euro. Hinzu kommt eine monatliche Erbpacht, da die 180 bis 400 Quadratmeter großen Grundstücke nicht verkauft werden. Vor allem junge Familien aus Potsdam oder Berlin ziehe es auf die Insel, sagt Matthias Klussmann, Vorstand der Cenda Invest AG, die das Projekt mitentwickelt hat.

Daneben entstehen auf vielen kleineren Flächen in Potsdam Stadtvillen oder Einfamilienhäuser: an der Vogelweide, in Babelsberg und am Hügelweg in Bornim. Der Schwerpunkt der Verkäufe liege bei Ein- und Zweifamilienhäusern für 150000 bis 200000 Euro, sagt Winfried Schmidt vom Gutachterausschuss. Der Anteil der verkauften Häuser über 250000 Euro sei rückläufig. Auch der meiste Leerstand bestehe in den teuren sanierungsaufwändigen Häusern der noblen Berliner und Nauener Vorstadt. Die Plattenbaugebiete in Drewitz, am Schlaatz und in der Waldstadt seien dagegen ihr Negativ-Image los, so Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz. Der Leerstand aller Potsdamer Plattenbaugebiete betrage weniger als 3 Prozent.

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