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Zwischennutzung als Geschäftsmodell : Friseursalon der schönen Dinge

01.12.2012 00:00 Uhrvon
Design statt Dauerwelle. „adding“-Initiatorin Anke Rommel verkauft im früheren Friseursalon „Orchidee“ in der Weddinger Transvaalstraße ihre T-Shirts mit Berliner Stadtmotiven – bis ein fester Mieter gefunden ist. Foto: Kitty Kleist-HeinrichBild vergrößern
Design statt Dauerwelle. „adding“-Initiatorin Anke Rommel verkauft im früheren Friseursalon „Orchidee“ in der Weddinger Transvaalstraße ihre T-Shirts mit Berliner Stadtmotiven –... - Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Das Netzwerk „adding“ vermittelt leer stehende Läden an Nutzer auf Zeit. Vor allem junge Kreative ergreifen diese Chance – und werten ihren Kiez auf.

Längst werden im Friseursalon „Orchidee“ keine Haare mehr geschnitten, die alten Mieter sind ausgezogen. Nur der Schriftzug hängt noch über der Tür. Und er passt noch immer. Denn das, was sich in den Räumen der Weddinger Transvaalstraße 13 eingerichtet hat, ist auch eine Orchidee – ausgefallen und ungewöhnlich, ein zartes Pflänzchen im Kiez. Anke Rommel hat es zum Blühen gebracht.

Die Architektin und Innenarchitektin hat Anfang des Jahres die Initiative „adding“ gegründet, ein Netzwerk, das Ladeninhaber, Makler und interessierte Mieter für eine temporäre Nutzung von leer stehenden Geschäften zusammenbringen soll – denn davon gibt es einige im Bezirk.

Sie selbst ist zusammen mit anderen Kreativen in den Friseursalon gezogen, bis die Immobilienfirma einen dauerhaften Mieter gefunden hat.

Anke Rommel betreibt das Label „aroshi“ und bedruckt T-Shirts und Kapuzenpullis mit stilisierten Stadtansichten, die aussehen wie Architekturmodelle. Ihr Motiv mit der Museumsinsel und der sich teilenden Spree wird sogar im Shop des Bode-Museums verkauft. Dennoch wollte sie einen eigenen Laden. „Ich bin immer wieder durch die Gegend gelaufen und habe nach einem günstigen Ort gesucht.“ Ihr fielen die zahlreichen toten Schaufenster auf. „Ehrlich gesagt, geht mir der Leerstand auf den Sender“, sagt sie und lehnt sich an einen Kleiderständer. Sie hat schon versucht, konkrete Zahlen herauszubekommen, „aber keiner weiß sie genau“.

Mit ihrer Plattform hat sie nun beides erreicht: Sie hat ihr eigenes, zumindest zeitweiliges Ladengeschäft und wertet mit der Zwischennutzung den Kiez auf. Lassen sich Mieter und Vermieter auf den ungewöhnlichen Deal ein, können beide eigentlich nur profitieren. Bedingung ist, dass die temporären Nutzer die Betriebskosten übernehmen. Die Eigentümer haben so Zeit, bis der passende Interessent hereinschneit. „Außerdem sieht es immer besser aus, wenn man einen Laden zeigen kann, der in Betrieb ist“, sagt Innenarchitektin Rommel. „Wir beleben den Laden und machen Werbung.“

Wer mitmacht, bekommt ein Schild fürs Schaufenster: „Anziehendes Ladenlokal zu vermieten“, steht darauf. Darunter sind alle beteiligten Zwischennutzer aufgelistet. Vor allem junge Kreative nutzen diese ungewöhnliche Chance, sich auf diese Weise öffentlich zu präsentieren. Doch fällt es Anke Rommel immer noch schwer, Eigentümer von den Vorteilen des Projekts zu überzeugen. Die meisten seien es einfach gewohnt, dass Läden auch mal leer stehen. „adding“ bedeutet aber kaum Mehraufwand. „Ich will zeigen, dass auch ein Mietvertrag von einer Seite Länge ausreicht“, sagt die Gründerin. Außerdem gilt eine 14-tägige Kündigungsfrist.

Es gibt durchaus schon Erfolgsgeschichten zu erzählen. In eine ehemalige Kneipe mit Butzenscheiben und Holzvertäfelung ist dank der Vermittlung durch „adding“ inzwischen ein Fotostudio fest eingezogen. Auch ein Laden in der Kameruner Straße ist wieder an einen kleinen Verlag vermietet, nachdem dort für kurze Zeit Modedesigner die Immobilie bespielt haben. Vermieterin und Weddingerin Doris Gramm lobt das Projekt: „Das war ganz wunderbar; etwas Lebendiges fürs Haus und tut der Mietsache gut.“ Die Nutzer seien rücksichtsvoll mit der Immobilie umgegangen. Besonders gefällt ihr an dem Projekt, dass es die Menschen im Kiez zusammenbringt.

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