Wirtschaft : Immobilienfonds in tiefer Krise

Anleger ziehen nach Deutsche-Bank-Skandal mehr als zehn Milliarden Euro ab

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Frankfurt am Main - Offene Immobilienfonds haben weiter große Probleme. Auch im März haben Anleger wieder Einlagen in Milliardenhöhe abgezogen. Seit Jahresbeginn waren es insgesamt 7,5 Milliarden Euro – das sind zehn Prozent des Fondsvermögens. Dies belegen aktuelle Zahlen des Fondsverbandes BVI. Spitzenmanager erwarten zunächst keine Entspannung der Lage. „Die Branche steckt mitten in einem Bereinigungsprozess, der noch rund sechs Monate anhalten dürfte“, sagte der Aufsichtsratschef der Deka Immobilien Investment, Fritz Oelrich, dem Handelsblatt.

Offene Immobilienfonds waren im Dezember in die Krise geraten, nachdem die Deutsche-Bank-Tochter DB Real Estate ihren Fonds Grundbesitz-Invest für drei Monate geschlossen hatte. Erstmals konnten Anleger in dieser Zeit ihre Anteile nicht verkaufen – obwohl die Zusage täglicher Verfügbarkeit ein zentrales Argument der Branche ist. Ausgelöst hatten die Schließung des Grundbesitz-Invest und zweier weiterer Fonds vor allem Großanleger: Wegen drohender Wertberichtigungen zogen sie große Geldsummen ab und brachten die Fonds damit in Liquiditätsnot.

In Folge der Krise zogen Anleger seit Dezember netto mehr als zehn Milliarden Euro aus den Fonds der Branche ab. Die Tendenz ist ungebrochen: Im März waren es 2,1 Milliarden Euro, nach 1,2 Milliarden im Februar und 4,2 Milliarden im Januar. Allein der Fonds der Deutschen Bank verlor seit seiner erneuten Öffnung im März gut 1,3 Milliarden Euro.

Trotz der massiven Abflüsse erklärte der Fondsverband BVI, das Vertrauen der Anleger sei „partiell zurückgekehrt“. Rechne man den Grundbesitz-Invest heraus, zeige sich, dass die Rückflüsse im März gegenüber Februar und Januar abgenommen hätten. Immobilienfondsexperten wie der Fachjournalist Stefan Loipfinger bewerten die Zahlen anders. Sie zeigten, „dass das Vertrauen in die gesamte Branche erschüttert ist“, sagte Loipfinger. Um verlorenes Vertrauen der Anleger zurückzugewinnen, hat der BVI Ende Januar ein Regelwerk vorgestellt, das mehr Transparenz schaffen und eine bessere Liquiditätssteuerung ermöglichen soll. Laut BVI haben alle 18 Anbieter offener Immobilienfonds das Regelwerk unterschrieben. Kritikern geht die Selbstverpflichtung nicht weit genug.

Für die Fonds drängt die Zeit, den Ruf ihres einstigen Verkaufsschlagers wieder aufzupolieren. Denn die offenen Immobilienfonds dürften 2007 starke Konkurrenz erhalten: durch die Einführung von Immobilien-Aktien, den Real Estate Investment Trusts (Reits). Diese jederzeit handelbaren Aktien „könnten die Totengräber der offenen Immobilienfonds werden“, sagte Stefan Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Reits haben anders als die renditeschwache offenen Immobilienfonds nicht den Systemfehler, dass mit kurzfristigem Kapital sehr langfristige Anlagen finanziert werden. HB

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