Wirtschaft : Immobilienfonds kämpfen um ihren Ruf

Kunden ziehen 3,1 Milliarden Euro ab / Branchenverband will Vertrauen der Anleger zurückgewinnen

Rolf Obertreis

Frankfurt am Main - Anleger haben im Dezember erhebliche Mittel aus Immobilienfonds abgezogen. Rund 3,1 Milliarden Euro flossen aus den 35 Fonds ab, nachdem die Deutsche Bank ihren größten Immobilienfonds Mitte des Monats überraschend geschlossen hatte. Trotz der umstrittenen Maßnahme hat sie allein 1,2 Milliarden Euro in diesem und dem zweiten nicht geschlossenen Fonds an Anlagekapital verloren. Alle anderen Fonds büßten im Dezember knapp 1,9 Milliarden Euro ein. Mit einem Maßnahmen-Paket aus Selbstverpflichtungen und Gesetzesänderung, die allerdings frühestens ab Herbst greifen, will der Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) dem entgegenwirken.

Trotz der Probleme bei der Deutschen Bank sowie zuletzt bei der Münchner Kan Am Kapitalanlagegesellschaft sieht BVI-Vorstandssprecher Markus Rieß die Qualität der offenen Immobilienfonds nicht beschädigt. „Für langfristig orientierte Anleger, die an den positiven Wachstumsperspektiven der Immobilienmärkte teilhaben wollen, sind und bleiben offene Immobilienfonds erste Wahl“, sagte Rieß am Dienstag in Frankfurt. Der Mittelabfluss von insgesamt 3,43 Milliarden Euro über das gesamte vergangene Jahr gesehen sei nicht dramatisch. Dies entspreche knapp vier Prozent des Fondsvermögens von Ende 2004. Bezogen auf den Stand Ende Dezember waren es 3,5 Prozent. Zuletzt hatten die Fonds im Jahr 2000 Mittelabflüsse zu verkraften. Damals waren es 2,8 Milliarden Euro oder sechs Prozent des Vermögens. 2002 und 2003 hatten offene Immobilienfonds allerdings insgesamt fast 29 Milliarden Euro an frischem Kapital eingesammelt.

Für Rieß zeigt sich gleichwohl in den Zahlen eine „besonnene“ Reaktion der Privatanleger auf die Krise. Für die Fonds der Deutschen Bank, der Commerzbank, der Deka-Bank und des Volksbanken-Ablegers Difa gilt dies allerdings nicht. Zusammen haben sie im vergangenen Jahr 6,6 Milliarden Euro verloren, allein knapp 2,3 Milliarden Euro wurden aus den Deka-Immobilienfonds abgezogen.

Mit einem ganzen Bündel von Maßnahmen will der BVI jetzt gegensteuern. Dazu zählt, dass bei Neuanlagen von mehr als einer Million Euro eine Kündigungsfrist von zwölf Monaten gilt wie auch eine Selbstverpflichtung der Fondsfirmen, die Mindestliquidität von fünf auf zehn Prozent zu verdoppeln und bei einer Liquiditätsquote von 40 Prozent den Verkauf von Fondsanteilen einzustellen. Daneben sollen die Gutachter für die Immobilien öfter gewechselt und eine erhöhte Kreditaufnahme der Fonds veröffentlicht werden. Einzelne Maßnahmen erfordern allerdings auch Gesetzesänderungen. Sollte ein Immobilienfonds tatsächlich einmal geschlossen werden, soll nach Auffassung des BVI der Handel über die Börse weiter möglich sein. So könnten Anleger ihre Fondsanteile weiter verkaufen, wenn auch mit höherem Kursrisiko. Rieß rechnet damit, dass erste Schritte ab Herbst umgesetzt werden können.

Trotz der Schwierigkeiten mit den offenen Immobilienfonds ist der BVI mit dem Geschäftsjahr 2005 zufrieden. Das insgesamt verwaltete Fondsvermögen stieg um 16 Prozent auf rund 1,2 Billionen Euro. Insgesamt wurden 81,4 Milliarden Euro netto in Fondsanteile gesteckt, bei den für Privatanleger relevanten Publikumsfonds waren es 42 Milliarden Euro. Im Jahr zuvor waren es nur 6,5 Milliarden Euro. Renner waren 2005 die Rentenfonds, die fast 31 Milliarden Euro einsammeln konnten. Dagegen steigt die Lust der Anleger auf Aktienfonds nur langsam. Trotz der guten Börsensituation wurden nur 2,7 Milliarden Euro frisch in Aktienfonds gesteckt. „Dieser Betrag ist sicher noch ausbaufähig“, umschreibt Ries seine Enttäuschung. Im Jahr zuvor waren allerdings noch 3,3 Milliarden Euro abgezogen worden.

Insgesamt sieht der BVI-Chef in der Fondsanlage in Deutschland immer noch erhebliches Potential, nicht nur wegen der privaten Altersvorsorge. 75 Prozent der Deutschen besitzen bisher keine Fonds. Im Schnitt beläuft sich der Anlagebetrag pro Kopf auf 6600 Euro. Das sind zwar 1000 Euro mehr als Ende 2004, aber immer noch weniger als die Hälfte als etwa in Frankreich.

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