Wirtschaft : Immobilienkrise weitet sich aus

Viele Anleger trauen jetzt auch dem zweiten Fonds nicht mehr und steigen beim „Grundbesitz-Global“ aus

Heike Jahberg

Berlin – Die Deutsche Bank hat am Freitag Berichte zurückgewiesen, wonach auch ihr international engagierter Immobilienfonds „Grundbesitz-Global“ in Schwierigkeiten steckt, Fondsexperten haben Anlegern dennoch zum Verkauf ihrer Anteile geraten. Nach dem miserablen Krisenmanagement beim Schwesterfonds „Grundbesitz-Invest“ sollten sich Anleger von ihren Anteilen trennen, sagte Analyst Stephan Loipfinger dem Tagesspiegel. „Die Deutsche Bank will keine offenen Immobilienfonds mehr“, betonte Loipfinger. Aus Verärgerung über die Bank haben nach Informationen aus Branchenkreisen inzwischen viele Kunden ihre Konten beim Marktführer gekündigt.

Die Fondstochter der Bank, die DB Real Estate, bemühte sich am Freitag um Schadensbegrenzung. Der „Grundbesitz-Global“ sei nicht von einer Schließung bedroht, „Anleger können ihre Anteile jederzeit verkaufen“, sagte ein Sprecher. Von dieser Möglichkeit haben anscheinend in den vergangenen Tagen viele Fondsbesitzer bereits Gebrauch gemacht. Nachdem der Fonds im August noch eine Liquidität von 40 Prozent hatte, sind es jetzt nur noch 27 Prozent. Viele Fondssparer befürchten, dass auch beim „Grundbesitz-Global“ eine Wertberichtigung bevorsteht. „Die beiden Fonds sind unterschiedlich gelagert“, betonte jedoch DB Real-Estate-Sprecher Tim-Oliver Ambrosius. Während der „Grundbesitz-Invest“ zu 65 Prozent in Deutschland engagiert sei, besitze der „Grundbesitz-Global“ nur ausländische Immobilien. „Das sind Äpfel und Birnen“, sagte Ambrosius. Mit einem Fondsvolumen von drei Milliarden Euro ist der Global-Fonds nur halb so groß wie der „Grundbesitz-Invest“. Den „Grundbesitz-Invest“ hatte die DB Real Estate vor knapp zwei Wochen geschlossen, weil sie bis zum Februar eine Neubewertung der Immobilien vornehmen will. Experten rechnen mit einer Abwertung in dreistelliger Millionenhöhe. „Grundbesitz-Invest“-Anleger können ihre Anteile derzeit nicht verkaufen.

Viele Fondssparer wollen sich gegen die Schließung des Fonds wehren. „Wir haben in den vergangenen neun Tagen 800 Anfragen von geschädigten Anlegern bekommen“, sagte der Tübinger Anlegeranwalt Andreas Tilp. Einen ersten Fall hat Tilp bereits am Freitag auf den Weg gebracht. Ein Mandant hatte am Montag vergangener Woche Aufträge erteilt, seine Anteile zu verkaufen. Am Dienstag hatte die Bank mitgeteilt, dass die Aufträge nicht ausgeführt wurden. Tilp verlangt von der Deutschen Bank nun, die Aufträge doch noch auszuführen. Weitere Verfahren stehen bevor.

In Schwierigkeiten könnte die Deutsche Bank aber auch noch wegen eines internationalen Immobiliengeschäfts geraten, das in engem zeitlichen Zusammenhang mit der Schließung des Immobilienfonds steht. Aus dem „Grundbesitz-Invest“-Vermögen verkaufte die DB Real Estate kürzlich drei Immobilien an die australische Investmentgesellschaft Rubicon, zwei Bürokomplexe in Frankfurt und das von der Deutschen Bahn gemietete „Stettiner Carrée“ am Berliner Nordbahnhof. Der Erwerb dieser Immobilien, die die australische Gesellschaft anschließend an die Börse gebracht hat, hat Rubicon 362 Millionen Euro gekostet. Anlegern wird im Verkaufsprospekt ein Profit für das kommende Jahr von neun Prozent, für 2007 von 9,25 Prozent in Aussicht gestellt. Der Verkaufsprospekt, der vom 11. November dieses Jahres datiert, ist auch von der Deutschen Bank unterschrieben. Damit könnte die Deutsche Bank aber in einem rechtlich höchst problematischen Interessenkonflikt stehen, glaubt Tilp: „Entweder hat die DB Real Estate die Immobilien zu billig verkauft oder die australischen Anleger haben die Immobilien zu teuer gekauft.“ In beiden Fällen könnten auf die Bank Schadenersatzansprüche zukommen.

Die Krise bei der Deutschen Bank hat anderen offenen Immobilienfonds bislang nicht geschadet. Das Geschäft hat sich inzwischen wieder normalisiert. Auch die Bundesagentur für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat darauf reagiert. „Die Fondsgesellschaften müssen uns jetzt nur noch ein Mal am Tag melden, wie sich ihre Mittelzu- und abflüsse verändert haben“, sagte eine Sprecherin. Bis zu diesem Freitag hatten die Gesellschaften vier Mal am Tag Bericht erstatten müssen.

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