Immobilienmarkt : Banken verkaufen wieder Giftpapiere

Deutsche Banken dürften nach Einschätzung von Experten 2010 wieder verstärkt notleidende Immobilienkredite – also solche, bei denen die Rückzahlung nicht mehr sicher ist – verkaufen. Experten erwarten einen Absatz wie vor der Krise.

Frankfurt am Main - Deutsche Banken dürften nach Einschätzung von Experten 2010 wieder verstärkt notleidende Immobilienkredite – also solche, bei denen die Rückzahlung nicht mehr sicher ist – verkaufen. „Der Stau, der 2009 entstanden ist, wird sich dieses Jahr auflösen“, sagte Jörg Keibel von der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing, die rund 90 Prozent der Firmen repräsentiert, die in Deutschland sogenannte toxische Papiere aufkaufen. Allerdings sind sich die Fachleute uneins über das Ausmaß der Entwicklung. Keibel hält es für möglich, dass das Transaktionsvolumen 2010 sieben Milliarden Euro betragen könnte. Das wäre so viel wie vor der Krise. Matthew Hill von der Unternehmensberatung Alix Partners rechnet hingegen „mit nicht mehr als einem langsamen Tröpfeln.“

Der Markt für notleidende Kredite, deren Verkauf als eine der Ursachen für die Finanzkrise gilt, war 2009 fast zum Erliegen gekommen: Keibel schätzt, dass es höchstens Verkäufe im Volumen von drei Milliarden Euro gegeben hat. Als einer der Gründe dafür gilt, dass einige Banken erst einmal die Ausgestaltung des Bad-Bank-Gesetzes hatten abwarten wollen. „Insgesamt bereiten die ersten Banken nun aber doch Transaktionen vor, denn sie wissen, dass weitere Hilfen vom Staat voraussichtlich nicht kommen werden“, sagte Jens Rönnberg von der Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers. Eine weitere Hürde waren die sehr unterschiedlichen Preisvorstellungen zwischen Käufern und Verkäufern. „Es gibt zwar viele Interessenten für deutsche Problemkredite, doch die Preisvorstellungen der möglichen Investoren liegen noch weit unter denen der potenziellen Verkäufer“, erklärte Rönnberg. Das liegt auch daran, dass die fraglichen Kredite in den Bilanzen noch zu weit höheren Werten gebucht sind. Bei einem Verkauf stünden hohe Abschreibungen an.

Bislang hielten sich die Institute daher zurück. Doch nun wächst der Druck. Die EU hat die Staatshilfen für viele Banken an die Bedingung geknüpft, drastisch zu schrumpfen. Davon sind viele Landesbanken ebenso betroffen wie etwa die Commerzbank oder die Hypo Real Estate. „Das wird einige Banken dazu zwingen, ihre Bilanz zu verringern und auch notleidende Kredite zu verkaufen, sagte Gifford West von der Kredithandelsplattform DebtX. HB

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