Wirtschaft : Importierte Inflation

Außenhandelsverband erwartet, dass die Preise um bis zu 4,5 Prozent steigen

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Neuer Rekord.
Neuer Rekord.Foto: dapd

Berlin - Die deutsche Wirtschaft wird in diesem Jahr erstmals Waren für mehr als eine Billion Euro exportieren. Auf 1046 Milliarden Euro schätzte Anton Börner, Präsident des Außenhandelsverbands BGA, den Wert der ausgeführten Güter und Dienstleistungen am Mittwoch in Berlin. Ebenfalls auf Rekordniveau werde das Importvolumen steigen – Börner geht von 903 Milliarden Euro aus. Dabei legten die Einfuhren schneller zu als die Ausfuhren. Doch diese Werte dürfe man nicht für bare Münze nehmen – sie beruhten auf „einem ganz erheblichen Preiseffekt“, warnte der Unternehmer. Mit anderen Worten: Die Bundesrepublik holt sich durch den Welthandel eine zunehmende Inflation ins Land.

„Die steigenden Importpreise belasten die Unternehmen gewaltig“, befand Börner. Besonders Energie, Rohstoffe und Stahl müssten teuer eingekauft werden. Neben dem Wachstum in Schwellenländern und künstlichen Handelsschranken für Rohstoffe spiele Spekulation mit wichtigen Vorprodukten hier eine große Rolle.

Für die Verbraucher bedeutet das dem BGA zufolge weiter steigende Preise in der nächsten Zeit. Dies gelte für Rohstoffe sowie für Nahrungsmittel. Für dieses Jahr erwartet der BGA bis zu drei Prozent Inflation in Deutschland, im nächsten Jahr könnten es sogar maximal 4,5 Prozent werden. Die Geldentwertung werde allen Industrieländern noch „große Sorgen bereiten“. Langfristig sei dann mit Zweitrundeneffekten zu rechnen. Börner erwartet also, dass die Gewerkschaften angesichts steigender Lebenshaltungskosten zusätzliche Lohnaufschläge fordern werden – was wiederum die Inflation beschleunigen dürfte.

Zugleich erwartet der BGA ein kräftiges Plus beim Euro-Wechselkurs zum Dollar – trotz der Schuldenkrise auf dem alten Kontinent. Während die US-Notenbank Fed derzeit der Wirtschaft „Geld ohne Ende“ zur Verfügung stelle, stehe Europa vor der Zinswende, die die Europäische Zentralbank für dieses Jahr angekündigt hat. Wachse die Zinsdifferenz zwischen den beiden großen Wirtschaftsblöcken weiter, werde der Euro-Kurs „durch die Decke gehen“ und der deutschen Wirtschaft schaden – dann könnte der Verkauf deutscher Waren schwieriger werden.

Börner sieht daneben noch weitere Risiken für die Weltwirtschaft – insbesondere die instabile Lage im Nahen Osten und Nordafrika sowie in China.  „Die Unsicherheit über das tatsächliche Ausmaß der Aktien- und Immobilienblase ergibt zusammen mit den explodierenden Preisen und der ungleichen Verteilung des Wohlstandes im Lande einen gefährlichen Risikococktail“, warnte Börner. Und die Unruhe in Libyen habe „potenziell destabilisierende Auswirkungen auf die Nachbarstaaten“.

Daher sei der aktuelle deutsche Exportboom für die Zukunft „keineswegs garantiert“. Die hohen Einnahmen aus dem Export waren in den vergangenen Jahren stets eine Stütze des Wirtschaftswachstums. Der Außenhandelsüberschuss wird in diesem Jahr nach der Prognose des BGA allerdings den Wert von 153 Milliarden Euro aus dem Jahr 2010 nicht erreichen – Börner hält 143 Milliarden für realistisch. Carsten Brönstrup

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