Wirtschaft : "In 15 Tagen fängt die Schmerzgrenze an"

Im Interview - Günter Hartkopf, Abteilungsleiter Schiffahrt bei der Deutschen Binnenreederei GmbH: Deutsche Binnenreederei Berlin vom Hochwasser betroffen / Wasserstraßen nach Polen gesperrt

Am Donnerstag wurde die West-Oder im brandenburgischen Überschwemmungsgebiet für den Schiffsverkehr gesperrt.Die letzte Wasserverbindung zwischen Berlin und Stettin ist damit unterbrochen worden.Henrik Mortsiefer sprach mit Günter Hartkopf, Abteilungsleiter Schiffahrt bei der Deutschen Binnenreederei GmbH, über die Folgen für den Berliner Reeder.- TAGESSPIEGEL: Wie hoch sind die Einbußen, die Sie durch das Hochwasser und die Oder-Sperrung zu verkraften haben? HARTKOPF: Für die 60 unmittelbar von der Sperrung betroffenen Schiffe verbuchen wir pro Tag einen Umsatzverlust von 60 000 DM.Hinzu kommen täglich 20 000 DM für die Bewachung der Schiffe, die wir in Polen auf dem Dammscher See vor Anker legen mußten. TAGESSPIEGEL: Wie lange können Sie das noch verkraften? HARTKOPF: Wir rechnen mit weiteren 20 Ausfalltagen, bis sich die Lage wieder normalisiert hat.In 15 bis 20 Tagen fängt für uns die Schmerzgrenze an.Die Kosten für die stillgelegten Schiffe laufen ja weiter.Besonders hart trifft es unser polnisches Tochter-Unternehmen Odra Lloyd, das mit seinen sechs Schubschiffen im Augenblick gar keinen Umsatz macht.Mittelbar sind wir zudem vom Überangebot an Schiffsraum betroffen, der sich auf Berliner Gewässern ansammelt.Schiffe aus dem Ruhrgebiet sitzen hier fest, weil sie ihre Routen nach Stettin nicht fortsetzen können.Nach der Entladung von Kohle in Berlin geht ihre Fahrt normalerweise weiter nach Stettin, wo sie für die Rückfahrt Fracht aufnehmen. TAGESSPIEGEL: Wieviel Fracht transportieren Sie an normalen Tagen zwischen Stettin und Berlin? HARTKOPF: Wir befördern im Schnitt rund 6000 Tonnen, an manchen Tagen sind es auch 10 000 Tonnen - darunter vor allem Erz, Düngemittel, Baustoffe und Kohle.Wichtiger Anlaufpunkt ist das Eko Stahlwerk in Eisenhüttenstadt, das mit Erz beliefert wird.Die Belieferung erfolgt jetzt über Land und auf den Wasserstraßen nach Rostock und Hamburg. TAGESSPIEGEL: Werden Sie Frachtkapazitäten auf Dauer verlieren? HARTKOPF: Bei Eko sind wir vertraglich abgesichert.In anderen Fällen, etwa bei Düngemitteln, ist der Transport zum Teil auf Lkw verlagert worden.Wenn sich das einspielt, werden wir Probleme haben, die Fracht auf die Schiffe zurückzuholen. TAGESSPIEGEL: Gefährdet die aktuelle Situation Arbeitsplätze? HARTKOPF: Nein.Die Flotte unserer 100 Schiffseigner ist mit 1000 Schiffen groß genug, um die betroffenen Kollegen auf anderen Schiffen - etwa als Urlaubsvertretung - einzusetzen.Irgendwann sind diese Reserven aber aufgebraucht.

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