Wirtschaft : In Berlin macht sich Untergangsstimmung breit

Geschäftsklima in Ostdeutschland wird schlechter / Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft BERLIN(alf).Die Stimmung in der ostdeutschen Wirtschaft hat sich in den vergangenen sechs Monaten deutlich verschlechtert.Entsprechend zurückhaltend sind die Erwartungen für den Rest des Jahres, faßt das Institiut der deutschen Wirtschaft (IW) die Ergebnisse der jüngsten Konjunkturumfrage in der Ostwirtschaft zusammen.Besonders miserabel ist die Lage in Berlin."Die Diagnose, der wirtschaftliche Aufholprozeß der neuen Bundesländer sei ins Stocken geraten, wird somit bestätigt", sagte IW-Geschäftsführer Rolf Kroker am Donnerstag in Berlin.Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen will weiter Arbeitsplätze streichen.Vor allem in der Bauwirtschaft hat sich die Lage "massiv verschlechtert".Knapp zwei Drittel der befragten Bauunternehmen rechnen mit sinkenden Umsätzen, sogar 85 Prozent wollen Personal abbauen.Gegenüber der Umfrage im Herbst letzten Jahres "haben sich die negativen Umsatz- und Produktionserwartungen der Bauwirtschaft glatt verdoppelt", schreibt das IW.Insgesamt wertete das arbeitgebernahe Institut die Aussagen von 532 Unternehmen aus der Industrie, der Bauwirtschaft und dem Dienstleistungsbereich aus.Auf die Frage, "Welche Kosten behindern ihre Wettbewerbsfähigkeit am meisten?", gaben 63 Prozent die Lohnzusatzkosten an, 25 Prozent nannten die Tariflöhne und lediglich 12,3 Prozent die Unternehmenssteuern. Deutlich über dem Durchschnitt liegt derzeit die Stimmung in der Industrie.Von den befragten Investitionsgüterproduzenten erwarten 63 Prozent steigende Produktionszahlen, bei den Verbrauchsgüterproduzenten sind es sogar 72 Prozent.Gleichwohl hat sich das Investitionsklima deutlich verschlechtert.Hintergrund dafür sei die Ertragslage: In den vergangenen sechs Monaten habe sich der Anteil der Firmen, die ihre Gewinne erhöhen konnten, von 33,5 auf 31,5 Prozent verringert."Der anhaltend hohe Kostendruck bei konjunkturell verringerten Preisüberwälzungsspielräumen ist die wichtigste Ursache der Ertragsverschlechterung." Im Ensemble der ostdeutschen Bundesländer schwankt die Wirtschaftslage in diesem Frühjahr beträchtlich."Das von der Bauwirtschaft geprägte Berlin schneidet am schlechtesten ab", schreibt das IW.In der Hauptstadt "herrscht fast schon Untergangsstimmung".Dagegen habe in Sachsen und Thüringen, die an der Spitze der Länderskala stehen, "offenbar die exportorientierten Investitions- und Verbrauchsgüterproduzenten größeres Gewicht.So erwarteten 58 Prozent der befragten sächsischen und 64 Prozent der thüringischen Unternehmen steigende Westexporte."Das Kontrastbild liefert Berlin mit 11 Prozent." Bezogen auf Betriebsgrößen kommt das IW zu dem Schluß, daß vor allem mittelständische Unternehmen Produkte anbieten, "mit denen sie in Westdeutschland und im westlichen Ausland wettbewerbsfähig sind".Dieses "Einklinken in die internationale Arbeitsteilung" sei eine "Prämisse für einen andauernden und selbsttragenden Aufschwung".Fast 60 Prozent der Mittelständler rechneten mit steigenden, 20 Prozent mit sinkenden Umsätzen.Von den Großunternehmen sahen dagegen nur 40 Prozent zuversichtlich in die nahe Zukunft. Den Dienstleistungsbereich betreffend schreibt das IW, die ostdeutsche Arbeitsmarktkrise schlage hier nun mit Verzögerung durch.In der Branche, die bislang als "Auffangbecken" für viele arbeitslos gewordene Industriebeschäftigte galt, "rechnet inzwischen über die Hälfte der Dienstleister mit weiterem Beschäftigungsabbau".Zu der vom Bundeskanzler, Wirtschaft und DGB vorgestellten Initiative Ostdeutschland sagte IW-Geschäftsführer Kroker, er erhoffe sich dadurch vor allem eine Verbesserung des Investitonsklimas.Vorrangig sei die Verringerung der Lohnsstückkosten, die im Osten 30 Prozent über Westniveau lägen.

Mehr lesen? Jetzt gratis E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar