Wirtschaft : In den britischen Zeitungen herrscht kein Mangel an Gegen-Kandidaten für Caio Koch-Weser

fmd/ebo

Geht es nach den britischen Zeitungen, herrscht im eigenen Land kein Mangel an geeigneten Kandidaten für die Nachfolge von IWF-Chef Michel Camdessus. Ungeachtet der Presseberichte, denen zufolge die Personalfrage bereits zugunsten des Deutschen entschieden sein soll, gilt in Großbritannien Schatzkanzler Gordon Brown nach wie vor als erste Wahl. Aber auch der Vizechef der Bank of England, Mervyn King, der Ex-Tory-Schatzkanzler Kenneth Clarke und der aktuelle Chef der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), Andrew Crockett, werden weiterhin regelmäßig genannt.

Obwohl Brown seine Kandidatur für den IWF-Posten ausgeschlossen hat, bleiben Restzweifel. Brown sitzt seit wenigen Wochen dem International Monetary and Financial Committee des IWF vor und ist äußerst engagiert in Fragen der internationalen Verschuldung. Andererseits dürfte er daran interessiert sein, die Erfolge seiner Tätigkeit als Schatzkanzler bei der nächsten Wahl einzufahren. Und am Rande des Weltwirtschaftsgipfels in Davos hieß es zudem, dass er den deutschen Kandidaten Caio Koch-Weser unterstützen würde.

Auch der Vizechef der Bank of England, King, beteuert stets, dass er mit seinem Job sehr zufrieden sei. Weniger Grund zur Zufriedenheit hat allerdings der Ex-Tory-Schatzkanzler Kenneth Clarke. In seiner Tory-Partei hat sich der Politiker mit seinem klaren Bekenntnis für einen Euro-Beitritt des Landes zwischen alle Stühle gesetzt. Seine Aussenseiterrolle bei den Konservativen dürfte das politische Schwergewicht nicht so schnell los werden. Um so eher dürfte er geneigt sein, einem Ruf des IWF zu folgen. Als ein Kompromisskandidat von EU und den USA wird nicht zuletzt Crockett gehandelt. Der BIZ-Chef hat mehrere Jahre für den IWF gearbeitet. Persönlich fühlt sich Crockett geschmeichelt, als Camdessus-Nachfolger in Betracht gezogen zu werden und spricht von einer großen Herausforderung.

Beobachter halten es allerdings für wenig wahrscheinlich, dass sich ein britischer Kandidat für den Topjob am Ende durchsetzen kann. Großbritannien könne sich nicht beklagen, was die Besetzung internationaler Spitzenjobs angehe. So stellt das Land mit dem ehemaligen Verteidigungsminister George Robertson beispielsweise den Nato-Generalsekretär.

In dieses Bild passt die Tatsache, dass Frankreich offenbar weiter Widerstand gegen den deutschen Kandidaten für die Führung des IWF, Caio Koch-Weser, leistet. Trotz anderslautender Berichte aus Berlin hat sich Paris bisher nämlich nicht offiziell der Kandidatur Koch-Wesers angeschlossen. Inoffiziell heißt es, die französische Position sei unverändert: Der Nachfolger des Franzosen Camdessus an der IWF-Spitze müsse eine international anerkannte Persönlichkeit von großem politischem Format sein. Diese Anforderung erfülle Koch-Weser nicht. Allerdings hat Frankreich bisher keine Alternative zu Koch-Weser vorgelegt. Der ehemalige Premierminister Laurent Fabius, der eine zeitlang als möglicher französischer Kandidat gehandelt wurde, ließ sein Interesse für den Washingtoner Chefposten dementieren. Auch Notenbankchef Jean-Claude Trichet, der die geforderte internationale Statur hätte, winkte ab.

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