Wirtschaft : In den USA droht eine Welle von Gewinnwarnungen Berichtssaison lenkt die Blicke auf Unternehmensdaten

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New York (tmo/HB). Wenn jetzt in den USA die Berichtssaison anläuft, könnten die Gewinnausblicke der Unternehmen die Börse schocken. „Die Ausblicke sind vermutlich so negativ wie seit fünf Quartalen nicht mehr", sagte Chuck Hill, Researchdirektor des Finanzdatenanbieters Thomson First Call. Bei den Firmen im S&P 500Index überwiegen negative Prognosen die positiven Äußerungen im Verhältnis von 2,9 zu eins. Zum Vergleich: Im ersten Quartal 2002 war das Verhältnis 1,7 zu eins. „Wir stehen womöglich erst am Anfang einer neuen Welle von Warnungen bekannter Konzerne", sagte Hill. Erfahrungsgemäß korrigieren die Börsenschwergewichte ihre Ausblicke kurz vor Bekanntgabe der Quartalszahlen. Sie wollen so böse Überraschungen bei Bekanntgabe des endgültigen Ergebnisses vermeiden. In dieser und in der nächsten Woche erreicht die so genannte Vorberichtssaison deshalb ihren Höhepunkt. Die endgültigen Zahlen der Unternehmen folgen dann ab dem 14. April.

Energiekonzerne profitieren

Kurzfristig treiben viele Faktoren die Kurse, wie der Krieg im Irak, die Entwicklung des Ölpreises, die Debatten im Uno-Sicherheitsrat und die Lage in Nordkorea. Aber letztlich sind die Unternehmensgewinne für den Kurs entscheidend. Die Berichtssaison könnte nun den Blick der Investoren wieder auf die fundamentalen Daten lenken. „Die Gewinnschätzungen der Analysten für das Gesamtjahr sind geradezu lächerlich überhöht", sagt Andrew Lapthorne, Abteilungsleiter bei Dresdner Kleinwort Wasserstein. Die Experten erwarten im Schnitt ein Gewinnplus von 16 Prozent. „Aber diese Ziffer bröckelt ungewohnt schnell", sagt Lapthorne.

Seit Jahresbeginn verzeichnet nur ein Bereich sprudelnde Gewinne – die Energiebranche. Das Gewinnwachstum in diesem Quartal kommt fast ausschließlich von diesen Unternehmen. Die Firmen profitieren kräftig von steigenden Öl- und Gaspreisen: Analysten erwarten einen Ertragssprung um 167 Prozent im ersten Quartal. Dem Rest der US-Wirtschaft geht es weitaus schlechter. Das gilt besonders für konjunktursensible Bereiche wie Einzelhandel, Zeitungen und Touristik. Optimistisch äußerten sich dagegen nur wenige: der Haushaltsgeräte-Hersteller Whirlpool und der Einzelhändler Beset Buy.

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