Wirtschaft : In den USA wächst die Besorgnis über die Schwäche der Gemeinschaftswährung

Robert von Rimscha

Abwartend, aber mit wachsender Besorgnis, wird der Euro-Verfall in den Vereinigten Staaten verfolgt. "Wirklich weitreichende Bedeutung hat die Euro-Krise nur, falls uns die US-Wirtschaft einknickt und wir in anderer Weise auf Exporte angewiesen sind als im derzeitigen Boom", meint Steve Clemons, Vizepräsident eines neuen Thinktanks in Washington, der zentristischen "New America Foundation". "Bislang ist die Euro-Schwäche eher ein Symptom für Probleme in Europa denn ein Problem für die USA", findet Cathy Mann vom "Institute for International Economics".

"Was bleibt eigentlich vom Modell Europa, wenn dort niemand in der Geld- und Fiskalpolitik seine Hausaufgaben macht?", fragt Clemons. "Die wachsende Distanz zwischen den USA und der EU schadet langfristig auch uns. Die Welt braucht beide Pole in ökonomisch gesunder Verfassung." Ein 18-prozentiger Wertverlust der neuen Einheitswährung sei eine "zu große Verschiebung der Gewichte".

Vor allem an den Schnittstellen von Wirtschaft und Politik wird der Kursverlust des Euros als Maßstab für Europas Reformunfähigkeit gesehen. Es fehle der Alten Welt an Prinzipien und an Introspektion, wird kritisiert. EZB-Chef Duisenberg "zeigt keine Einsicht und scheint sich überhaupt nicht zu fragen, warum das Vertrauen schwindet", wirft ihm ein hoher Beamter im US-Finanzministerium vor. Ein anderer Regierungsvertreter, der ebenfalls nicht genannt werden wollte, meint: "Alles steht und fällt mit Deutschland. Solange Ihr Eure Sozialsysteme und den Haushalt nicht kuriert, könnt Ihr keinen starken Euro erwarten."

Der Euro spiegele wider, dass weltweit viel "Unsicherheit über die künftigen Wachstumserwartungen Europas" herrsche.

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