Wirtschaft : In der Gruppe fällt der Weg aufs Parkett leichter - Börseneinsteiger können profitieren

Kathrin Quandt

Bullenzucht und Ackerbau brachten nicht genug ein. Farmer Brooks brauchte Geld, um Maschinen zu kaufen, und wollte vom raschen Wachstum der Industrie profitieren. Gemeinsam mit Freunden und Nachbarn sammelte er Kapital an. Das steckten sie in Aktien - der erste Investmentclub war geboren. In Texas schrieb man das Jahr 1898.

Wie so oft dauerte es längere Zeit, bis die Deutschen eine pfiffige Finanzidee aus Amerika aufgriffen. 1962 wurde in Bottrop der erste Club gegründet; jedenfalls war das der erste, von dem die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) in Düsseldorf Kenntnis hat. Die Schutzgemeinschaft sieht sich als Schirmherrin und Beraterin der Hobby-Aktionäre. "Seit der Emission der Telekom-Aktie schießen Investmentclubs wie Pilze aus dem Boden", berichtet Renate Feller von der DSW. Mittlerweile sind es über 5500. Das durchschnittliche Depotvermögen liegt zwischen 100 000 und 300 000 Mark. Schüler oder Rentner, Köchin oder Firmenchef, die Mitglieder stammen aus allen Alters- und Berufsgruppen. In diesen Clubs können Anleger sinnvoll investieren - wenn sie einige Grundregeln beherzigen.

Die Idee einer solchen Gemeinschaft von Privatanlegern ist, viele kleine Beträge zu einem großen zusammenzulegen. Das ermöglicht eine bessere Streuung von Risiken. Beispielsweise können die Mitglieder an Stelle von zwei dann zehn Aktien kaufen, die aus unterschiedlichen Branchen oder Ländern stammen, und damit das Risiko von Kursverlusten einzelner Aktientitel vermindern. Außerdem sind Transaktionskosten wie Bankgebühren bei einer gemeinschaftlichen Order geringer als bei Einzelaufträgen. Die Aufgabenteilung bringt Entlastung für den Einzelnen. Außerdem kann man das ABC der Börse ohne allzu viel Aufwand und in Feierabendatmosphäre erlernen.

Die Qualität des Clubs hängt entscheidend von seinen Mitgliedern und deren Fachkenntnissen ab. Und die Höhe der möglichen Gewinne wird von der Risikoneigung beeinflusst. Einsteiger sind gut beraten, sich einen Club mit langjährigen Börsenkennern zu suchen. Wobei sie wissen müssen: Auch Erfahrung schützt nicht vor Verlusten. Zudem sollten Investoren darauf achten, dass das Risikoprofil der Gruppe zu ihrem eigenen passt. Gleichgesinnte, denen man überdies in Gelddingen Vertrauen schenkt, sind gefragt: Freunde oder Kollegen. Der einfachste Weg, um Mitglied zu werden, ist, selbst einen Club zu gründen. Hierbei gibt die DSW mit ihrem Leitfaden zur Gründung und einem Muster-Gesellschaftsvertrag Hilfestellung (Postfach 140243, 40072 Düsseldorf, Fax: 0211/669760; Internetadresse: www.DSW-info.de). Es kann sich aber auch lohnen, bei ortsansässigen Banken nachzufragen; schließlich betreuen gerade kleinere Geldhäuser Depots von Hobby-Börsianern - in der Hoffnung, diese könnten privat auch einmal mit größeren Beträgen einsteigen. Die DSW warnt: Vorsicht vor Investmentclubs, die für die Anlagetätigkeit "geringe Gebühren" verlangen oder versprechen, sich "um alles zu kümmern", aber Anlegern ihr Stimmrecht verweigern wollen. Ansonsten gilt, woran sich auch jeder Aktionär halten sollte: Nur Geld investieren, das wirklich übrig ist. Niemals Aktien auf Kredit kaufen.

Starten sollten Clubs mit einem Beitrag zwischen 200 und 1000 Mark je Mitglied, empfiehlt die DSW. Monatlich sollten die Mitglieder dann Raten zwischen 50 und 300 Mark in die Kasse einzahlen.

Als Rechtsform ist die Gesellschaft bürgerlichen Rechts zu empfehlen, in der bis zu 30 Personen erlaubt sind. Dann ist der Club nicht körperschaftsteuerpflichtig.

Mindestens ein Clubmitglied sollte Bankerfahrung haben. Ansonsten ist auch Fachwissen in Sachen Buchführung wünschenswert. Der Bürokratie-Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Der Gründungsvorgang sollte aus rechtlichen Gründen protokolliert werden. Alle Gründungsmitglieder müssen den Gesellschaftervertrag unterschreiben. Eine Ausfertigung dieses Vertrags wird dann der Depotbank ausgehändigt.

Die DSW empfiehlt neu gegründeten Clubs, in den ersten Jahren die Erträge wieder zu investieren und nicht auszuschütten, damit das Clubvermögen wächst.

In Sachen Steuern gilt dasselbe wie für Privatanleger: möglichst keine Verkäufe vor Ablauf der einjährigen Spekulationsfrist vornehmen. Allerdings müssen Investoren erst Spekulationsgewinne ab 1000 Mark (Freigrenze) versteuern. Pro Clubmitglied können also 999,99 Mark Spekulationsgewinn steuerfrei vereinnahmt werden.Hilfreich für Einsteiger ist das Buch "Investmentclubs - Gemeinsam den Schritt an die Börse gehen" von Martin Aehling (Deutscher Taschenbuch Verlag; 16,90 Mark).

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